Ukraine-Krise Westliche Staaten dementieren Waffenlieferungen

Ein Berater des ukrainischen Präsidenten vermeldete angebliche Waffenlieferungen aus fünf Nato-Staaten - doch die dementierten. Die Lage bleibt angespannt: Die Separatisten wollen jetzt eine Abspaltung auf dem Verhandlungsweg erreichen.

Ukrainische Soldaten in Mariupol: Schusswechsel trotz Waffenruhe
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Ukrainische Soldaten in Mariupol: Schusswechsel trotz Waffenruhe


Kiew - Die ukrainische Regierung hat am Sonntag mit der Meldung verblüfft, einzelne Nato-Staaten würden für den Kampf gegen die Separatisten Waffen liefern. Die USA, Frankreich, Italien, Norwegen und Polen hätten der prowestlichen Führung jetzt eine solche Unterstützung versprochen, sagte der ukrainische Präsidentenberater Juri Luzenko in Kiew. Das Dementi ließ nicht lange auf sich warten. Alle fünf Regierungen bestritten, entsprechende Lieferungen mit der Ukraine vereinbart zu haben.

"Es gibt keinerlei Beschlüsse des Nato-Gipfels über die Lieferung moderner Waffen von Polen an die Ukraine", twitterte etwa der polnische Verteidigungsminister Tomasz Siemoniak am Sonntag. Ähnlich äußerte sich der Sprecher des norwegischen Verteidigungsministeriums: "Norwegen hat keine Pläne für Waffenlieferungen welcher Art auch immer an die Ukraine." Auch von den Regierungen der USA, Italiens und Frankreichs kam ein klares Nein.

Die Nato hatte sich bei ihrem jüngsten Gipfel grundsätzlich darauf verständigt, dass einzelne Mitgliedsstaaten künftig Waffen an die ukrainischen Streitkräfte liefern können. Deutschland lehnt Waffenlieferungen strikt ab, das Wirtschaftsministerium prüft jedoch, ob man den Kauf von Schusswesten durch die ukrainische Armee genehmigt.

Abspaltung per Verhandlung

Die prorussischen Separatisten kündigten am Sonntag an, sie wollten nun eine Abspaltung von der Zentralmacht auf dem Verhandlungsweg erreichen. Die Aufständischen würden sich "in sieben bis acht Tagen" in Minsk mit Vertretern der Ukraine, Russlands und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) treffen, sagte Separatistenführer Alexander Sachartschenko am Sonntag dem Moskauer Radiosender Kommersant-FM. Weder aus Kiew, aus Moskau oder von der OSZE gibt es dafür bisher eine Bestätigung.

Thema in der weißrussischen Hauptstadt soll dann eine Unabhängigkeit der selbst ernannten "Volksrepubliken" Donezk und Luhansk sein. "Der mit Kiew vereinbarte Sonderstatus ist nicht endgültig", sagte Sachartschenko. Die ukrainische Regierung lehnt eine Abspaltung ab.

Der Separatistenführer Pawel Gubarew sagte, die Aufständischen hätten ihren Plan eines eigenständigen Staates Noworossija (Neurussland) in der Ostukraine nicht aufgegeben. Er forderte offizielle Volksabstimmungen in den Regionen über einen Verbleib im ukrainischen Staatsverband. "Das ist der einzige realistische Friedensplan. Wir kämpfen um ein Noworossija von Lugansk bis Odessa", sagte Gubarew.

Kämpfe trotz Waffenruhe

Trotz der vereinbarten Waffenruhe gab es am Wochenende weiter an verschiedenen Orten in dem umkämpften Gebiet Angriffe. Sowohl in der Hafenstadt Mariupol als auch in Donezk lieferten sich am Sonntagvormittag beide Seiten Schusswechsel. Es kamen auch schwere Waffen zum Einsatz.

In Mariupol am Asowschen Meer wurde eine Frau getötet, mindestens vier weitere Menschen wurden offiziellen Angaben zufolge verletzt. Regierungstruppen und Separatisten warfen sich gegenseitig vor, die Waffenruhe verletzt zu haben. Von einem kompletten Bruch der Waffenruhe wollte das ukrainische Außenministerium aber nicht sprechen.

In der Nähe des Flughafens von Donezk war am Sonntag Artilleriefeuer zu hören, wie mehrere Augenzeugen berichteten. Unklar war zunächst, wer für den Beschuss verantwortlich war. Während die Stadt selbst in der Hand prorussischer Rebellen ist, wird der Flughafen von den ukrainischen Regierungstruppen kontrolliert.

ler/fab/AFP/dpa/Reuters

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unifersahlscheni 07.09.2014
1. Wir wissen ja alle ...
... wie das am Ende ausgehen wird. Putin besetzt alles Richtung Krim, Landweg. Dauert mit Sicherheit nicht bis Dezember. Irgendwie macht er das, wenn wir ihn nicht stoppen ...!
GrinderFX 07.09.2014
2.
Der Westen kann es ja genau so machen wie Russland. Sie senden einfach einen "Hilfskonvoi" und Panzer ohne Kennung und leugnen es so lange es geht. Werden sie dann dabei erwischt, behaupten sie auch einfach die ganzen Soldaten wären nur im Urlaub und hätten die Panzer mitgenommen. Problem gelöst.
marcnu, 07.09.2014
3. Auf der Verpackung der Waffen muss das Herkunftsland nicht ausgewiesen werden.
Die russischen Soldaten in der Ukraine tragen ja auch keine Abzeichen.
eskaliert 07.09.2014
4. Absurd
Wie sieht denn bitte ein kompletter Bruch der Waffenruhe aus?
vitalik 07.09.2014
5. Diskutision
Diskutieren die Leute hier auch ab und zu mal den Inhalt eines Artikels? Das sieht irgendwie immer nach Copy-Paste aus. Die Einen schreiben, wie böse der Putin ist und die anderen können sich gar nicht vorstellen, warum er kein Heiliger ist. Zum Artikel: Wie kommt die ukrainische Regierung dazu solche Statements abzugeben? Zeigt ja mal wieder, dass man den Meldungen aus der Region nicht vertrauen kann.
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