Kampf gegen Separatisten Ukrainische Armee rückt auf Donezk vor

Die ukrainische Armee zieht den Ring um Donezk immer enger - schwere Kämpfe werden aus dem Umland der von den Separatisten besetzten Millionenstadt gemeldet. Für die Zivilisten wurden nach Medienberichten Fluchtkorridore eingerichtet.

AFP

Donezk/Moskau - Die ukrainische Armee bereitet eine Offensive auf Donezk vor. Die Stadt ist unter der Kontrolle der prorussischen Separatisten. Verschiedene ukrainische Medien melden, dass der Ring um die Millionenstadt immer enger werde. Von Norden, Süden und Westen rückten die ukrainischen Truppen bis an die Grenzen von Donezk heran.

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Heft 32/2014
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Die Soldaten brachten in den vergangenen Tagen mehrere Städte im Umland unter ihre Kontrolle. Am Montag nahmen sie Jassynuwata einige Kilometer nördlich von Donezk ein. In östlicher Richtung wird heftig um die Stadt Schachtarsk gekämpft, die Donezk mit den weiter östlich gelegenen und von den Separatisten kontrollierten Gebieten verbindet.

Am Montag meldete Ihor Mosiychuk, der ehemalige Sprecher des ukrainischen Freiwilligenbataillons "Asow", dass die "Säuberung" von Donezk begonnen habe. Der Sprecher der "Anti-Terror-Operation" erklärte allerdings am Montagabend, dass es "keine Informationen" über einen Beginn der Erstürmung der Stadt gebe. Die ukrainischen Einheiten würden lediglich die "Vorbereitungsmaßnahmen zur Erstürmung von Donezk" treffen.

Bisher finden Kämpfe in den Vororten und rund um den Flughafen statt, die Stadt selbst geriet in den vergangenen Tagen nur vereinzelt unter Beschuss. In der vergangenen Nacht wurde der Donezker Verwaltung zufolge in der Stadt nicht gekämpft.

Fluchtkorridore in Donezk und Luhansk

Gleichzeitig richtete die ukrainische Armee gestern nach verschiedenen ukrainischen Medienberichten in Donezk und im 150 Kilometer nordöstlich gelegenen Luhansk Korridore ein, über die Zivilisten die Städte verlassen können. Das Feuer werde dort täglich für mehrere Stunden eingestellt, sagte ein Militärsprecher. Der Sicherheitsrat in Kiew rief die Zivilisten in der Ostukraine auf, die von "Terroristen" besetzten Gebiete schnell zu verlassen. Beobachter sahen darin die mögliche Vorbereitung einer Bombardierung.

Die Einrichtung dieser Fluchtkorridore ist offenbar in Absprache mit den Separatisten erfolgt. Wie die "Washington Post" schreibt, veröffentlichte die Donezker Stadtverwaltung die Routen der verschiedenen Korridore auf ihrer Homepage.

In Luhansk sind durch Artilleriebeschuss die Wasser- und Stromversorgung sowie das Telefonnetz zusammengebrochen, teilte die Verwaltung der Großstadt mit. Große Versorgungsprobleme gab es auch in Donezk.

Hunderte ukrainische Soldaten in Russland

Rätsel geben weiterhin Meldungen über den Verbleib von mehr als 400 ukrainischen Soldaten auf. Sie überschritten die russische Grenze. Sowohl die ukrainische als auch die russische Regierung bestätigten den Vorfall. Beide Konfliktparteien gaben aber widersprüchliche Erklärungen: Kiew bezeichnete die Überschreitung der Grenze als "taktisches Manöver", Moskau sprach hingegen von Fahnenflucht.

Die russischen Grenzbehörden erklärten, insgesamt 438 Soldaten hätten die Grenze in der Nacht überschritten, um Asyl zu beantragen. "Sie sind des Krieges müde und wollen nicht länger dabei mitmachen", sagte der Sprecher der Grenztruppen in der Region Rostow, Wasilij Malajew, der Nachrichtenagentur Reuters. Später erklärte er, 180 der Soldaten hätten darum gebeten, wieder in die Ukraine zurückkehren zu dürfen. Man habe sie in Bussen zurückgeschickt.

Die ukrainische Regierung widersprach der russischen Darstellung scharf, räumte aber ein, dass Hunderte ihrer Soldaten sich auf russischem Staatsgebiet aufhalten. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums erklärte, 311 Soldaten und Grenzschützer seien bei schweren Gefechten mit den Separatisten nur ausgewichen.

Wegen zunehmender Gefechte verließen mehrere OSZE-Beobachter den russischen Kontrollposten Gukowo an der Grenze zur Ukraine. Die Lage sei für die Mitarbeiter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zu gefährlich geworden, sagte der Grenzschützer Malajew. Er warf der ukrainischen Armee vor, erneut das russische Grenzgebiet beschossen zu haben. Dabei sei mindestens ein Wohnhaus schwer beschädigt worden. Russland kritisiert seit Wochen scharf den Beschuss von ukrainischem Territorium aus.

heb/mga/dpa/Reuters

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insgesamt 168 Beiträge
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Seite 1
Stichpunkt 05.08.2014
1. .
Wunderliches Russland: Die Soldaten können anscheinend nicht zurück in die Ukraine. Die Durchlässigkeit der Russischen Grenze scheint sehr selektiv zu sein.
balduinbandwurm 05.08.2014
2. Säuberungen?
Da spricht der Kommandant eines ukrainischen Freikorps von "Säuberungen" und das wird hier Kommentarlos übernommen. - Sehr traurig.
rittal 05.08.2014
3. Rücktransport mit Bussen
Zitat von StichpunktWunderliches Russland: Die Soldaten können anscheinend nicht zurück in die Ukraine. Die Durchlässigkeit der Russischen Grenze scheint sehr selektiv zu sein.
Im Artikel steht doch, dass die Soldaten mit Bussen zurück in die Ukraine heraus gefahren worden sind. Auch in den nachrichten waren entsprechende Bilder zu sehen. Es ist fraglich, wie die Rückkehrer von ihren Machthabern empfangen werden... Ich hoffe sehr, dass diese Menschen weder ins Gefängnis noch unmittelbar zurück an die Front geschickt werden... Im Allgemeinen ganz schön traurig, wie zwei Nachbarvölker aufeinander aufgehetzt werden...
stonecold 05.08.2014
4.
Zitat von StichpunktWunderliches Russland: Die Soldaten können anscheinend nicht zurück in die Ukraine. Die Durchlässigkeit der Russischen Grenze scheint sehr selektiv zu sein.
Woher nehmen Sie die Information, dass die Soldaten nicht zurückdürfen? Dass anscheinend ca. 3 Kompanien (bewaffneter?) ukrainischer Soldaten die russische Grenze überschritten haben, weil sie "nur ausweichen" wollten, scheint für die ukrainische Regierung keine große Sache zu sein.... Entweder sind sie wirklich desertiert (nach einem Monat in diesem südlichen Kessel), was für Kiew schlecht ist, oder sie wollten wirklich geordnet ausweichen, unter Nutzung des russischen Territoriums, was für Kiew auch keine gute Sache sein kann, da dann keine Desertion quasi als "Privatperson", sondern Überquerung einer Staatsgrenze durch einen Militärverband... Wenn letzteres zutrifft, kann man froh sein, dass Russland keine harte Linie gefahren ist und die Grenzüberschreiter angegriffen oder interniert hat... Und was diesen Moment betrifft: "Wegen zunehmender Gefechte verließen mehrere OSZE-Beobachter den russischen Kontrollposten Gukowo an der Grenze zur Ukraine. Die Lage sei für die Mitarbeiter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zu gefährlich geworden, sagte der Grenzschützer Malajew. Er warf der ukrainischen Armee vor, erneut das russische Grenzgebiet beschossen zu haben. Dabei sei mindestens ein Wohnhaus schwer beschädigt worden. Russland kritisiert seit Wochen scharf den Beschuss von ukrainischem Territorium aus." Hieß es nicht von einigen hier im Forum, derartiger Beschuss sei nur russische Propaganda?
Eutighofer 05.08.2014
5. Beschuss auf Russland - von Separatisten!
Die russischen/prorussischen Kräfte hatten einen Grenzposten angegriffen. Die Angegriffenen Ukrainer flüchteten auf russisches Gebiet. Der Grenzposten wurde von Separatisten beschossen, 2 Geschosse landeten in Russland.
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