Ostukraine Ukrainische Armee feuert auf Zentrum von Donezk

Einheiten der ukrainischen Armee haben die Rebellenhochburg Donezk unter Beschuss genommen. Erstmals schlugen Granaten nahe dem Stadtkern ein. SPIEGEL-Korrespondent Christian Neef berichtet von dramatischen Szenen.

REUTERS

Donezk - Die prorussischen Separatisten in der Ostukraine geraten anscheinend immer weiter in die Defensive. Regierungstruppen nahmen am Donnerstag die Rebellenhochburg Donezk unter heftigen Beschuss. Erstmals schlugen Granaten in unmittelbarer Nähe des Zentrums ein. Dabei kam mindestens ein Bewohner um.

SPIEGEL-Korrespondent Christian Neef hält sich derzeit in Donezk auf. Er hat die Angriffe auf das Zentrum der Industriemetropole miterlebt. "Die Einschläge erfolgten um 12.50 Uhr. Es müssen ziemlich viele Geschosse gewesen sein. Es hörte sich wie ein Raketenwerfer an, die Einschläge dauerten vielleicht 30 Sekunden."

Die Geschosse trafen unter anderem die Einkaufszentren Green Plaza und Planeta. Normalerweise wäre die Opferzahl deutlich höher gewesen - aber die Einkaufszentren waren wegen des Kriegszustands längst geschlossen.

Fotostrecke

7  Bilder
Beschuss in Donezk: Raketen auf den Stadtkern
Auch mehrere Wohnhäuser an der Technischen Universität sind betroffen. Neef weiter: "Auf der Straßenkreuzung lagen drei Menschen: eine ältere Frau - beide Beine blutüberströmt - und gegenüber zwei jüngere Männer, von denen einer sofort tot war." Weitere Geschosse schlugen in ein von den Separatisten besetztes Gebäude der Donezker Staatsanwaltschaft ein.

Busse und Straßenbahnen werden ausgesetzt

Das Militär rückte zuletzt immer weiter auf die Stadt vor, in der zu Friedenszeiten fast eine Million Menschen lebten. Das öffentliche Leben kommt durch die Beschüsse immer mehr zum Erliegen. Wie Christian Neef berichtet, hat die Stadt die Straßenbahnlinie 1 und die Trolleybuslinie 2, die quer durchs Stadtzentrum verlaufen, eingestellt.

Die Menschen sind aufgefordert, nicht mehr auf die Straße zu gehen. Die Einschläge kamen offenbar aus dem Norden, aus der Bahnhofsgegend, wo sich außerhalb der Stadt beide Seiten einen Kampf liefern.

Die Regionalverwaltung teilte mit, in der Region Donezk seien in den vergangenen Tagen 74 Zivilisten getötet und 116 weitere verletzt worden. In Luhansk wurden laut einem örtlichen Behördenvertreter bei Artillerieangriffen in den vergangenen 24 Stunden mindestens 22 Einwohner getötet.

In der zweiten Rebellenhochburg Luhansk trat der Separatistenanführer Waleri Bolotow zurück. Die Stadt ist zudem nach Angaben der ukrainischen Armee inzwischen komplett umstellt, die letzte Zufahrtsstraße von den Separatisten erobert.

Unterdessen setzte ein russischer Hilfskonvoi mit 280 Lastwagen seine Fahrt in Richtung ukrainischer Grenze fort. Reuters-Reporter berichteten, die Kolonne sei offenbar auf dem Weg nach Rostow am Don. Von dort sind es etwa noch 60 Kilometer bis zur Ukraine.

SPIEGEL ONLINE

jok/fab/Reuters/dpa



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 88 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
obertroll 14.08.2014
1. Ukrainische Armee beschießt ukrainische Zivilisten und Milizionäre
Warum benennen wir das Kind nicht beim Namen, denn es handelt sich mitnichten um eine Anti-Terror-Operation. Es ist ein Bürgerkrieg der westlichen Ukraine gegen die östliche Ukraine.
jamey 14.08.2014
2. Zweierlei Maß
Würde Poroschenkow Assad heißen....
AJ83 14.08.2014
3. Planlos
Auf was schiesst eigentlicht die ukrainische Armee? Mir scheint es, als wären sie planlos. Einfach mal die Innenstad bombardieren und Zivile Opfer in Kauf nehmen. Und die EU schaut wie immer weg...
trashmen 14.08.2014
4. genau
Wenn wir ehrlich sind, muss man Russland die Schuld geben. Hätte Russland nicht die Krim militärisch besetzt, wäre es nicht so weit gekommen.
emil_sinclair73 14.08.2014
5. Mit Granatwerfern in Wohnhäuser...
Hoffentlich muss die Kanzlerin sich in ihrem Urlaub nicht die Sommerfrische von den Bildern der Opfer verderben lassen... Vermutlich beläd Kiew auch nur 15 LKWs weil gar nicht mehr soviele Hilfsmittel benötigt werden... Es ist erbärmlich. Keinerlei Reaktion unserer Regierung. Aber man bringt jetzt den Frieden in den Irak und ist schon längst auf der nächsten Baustelle...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.