Appell für Geberkonferenz Ukrainischer Premier warnt vor Staatsbankrott

Die finanzielle Lage der Ukraine ist höchst angespannt, Premier Jazenjuk wendet sich jetzt an die internationale Gemeinschaft: Ohne rasche Geldhilfe steuere sein Land in die Pleite.

Ukrainischer Premier Jazenjuk: Dringende Bitte an die Geldgeber
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Ukrainischer Premier Jazenjuk: Dringende Bitte an die Geldgeber


Kiew - Schon vor den Auseinandersetzungen mit Moskau war die Finanzsituation in der Ukraine kritisch. Glaubt man Premier Arsenij Jazenjuk, so ist sie nun, nach monatelanger militärischer Krise, katastrophal.

In einer Rede vor dem Parlament in Kiew warnte der Politiker vor einem drohenden Kollaps seines Landes. Ohne ein schnelles Einschreiten sei eine solche Eskalation nicht ausgeschlossen. "Um zu überleben, um eine Pleite zu verhindern, brauchen wir eine internationale Geberkonferenz und die Hilfe unserer westlichen Partner", so Jazenjuk. Dafür würde die Ukraine auch alle vom Ausland geforderten Reformanstrengungen unternehmen.

Die Aussage kommt nicht zufällig zum jetzigen Zeitpunkt. Vertreter des Internationalen Währungsfonds (IWF) werden in dieser Woche in Kiew zu Gesprächen erwartet. Es geht um ein 17 Milliarden US-Dollar schweres Hilfspaket, das Kiew erhalten soll. Zwei Zahlungen von insgesamt 4,6 Milliarden Dollar sind geflossen.

Drei Tote, acht Verletzte an einem Tag

Offenbar besteht aber ein zusätzlicher Finanzbedarf von rund 15 Milliarden Dollar, wie die "Financial Times" unter Berufung auf den IWF meldet. Auf diesen Zeitungsbericht nahm Jazenjuk in seiner Rede direkten Bezug.

Die Ukraine leidet in erster Linie unter dem Konflikt mit prorussischen Separatisten im Osten des Landes. Dort toben trotz einer vor drei Monaten vereinbarten Waffenruhe immer noch Kämpfe. Seit Mitte April wurden mehr als 4300 Menschen getötet.

Am Donnerstag zitierte die russische Nachrichtenagentur Interfax einen Anführer der Separatisten mit den Worten, die Aufständischen hätten damit begonnen, größere Artilleriegeschütze von Stellungen im südlichen Teil der Rebellenregion Donezk abzuziehen. Trotzdem gab es offenbar erneut Tote: Nach Angaben Kiews sind in der Ostukraine binnen 24 Stunden drei Soldaten getötet und acht weitere verletzt worden.

jok/mxw/Reuters/AFP

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insgesamt 88 Beiträge
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Andreas58 11.12.2014
1. es gibt in der Ukraine
ausreichend Oligarchen ! Vielleicht könnten z.B. Frau Timoschenko oder der Schoko-König was für die Heimat tun- nicht immer nur herumbetteln!
kook1979 11.12.2014
2. zusätzlich
Im erwähnten Artikel der Financial Times steht außerdem auch, dass Wolfgang Schäuble sich bereits an seinen russischen Amtskollegen gewandt hat, ob der Kreml der Ukraine einen 3-Mrd-Dollar-Kredit aus dem Jahre 2013 verlängern könnte. Wenn die Situation nicht so tragisch wäre, könnte man angesichts dieser Arroganz fast lachen.
retterdernation 11.12.2014
3. Und genau das - ein Fass ohne
Boden haben hier viele weise Foristen prognostiziert. 35 Milliarden und mehr, Jahr für Jahr und werden benötigt. Das wurde schon vor einem Jahr aufgezeigt. Das Russland einen großen Teil davon tragen wollte, wurde dabei stumpf ignoriert. Sollen sie doch pleite gehen, ich kenne niemanden, der für die Ukraine bezahlen möchte. Und noch einen schönen Gruß an die Bundesregierung - hoffentlich entdecken AfD und PeDiGMa nicht auch noch dieses Thema...
abraxas63 11.12.2014
4.
Das ist der Preis dafür, dass man die Ukraine unbedingt allein auf die westliche Seite ziehen wollte. Und dies wird noch über Dekaden so weitergehen. Denn der Assoziierungsvertrag wird die nicht konkurrenzfähige ukrainische Wirtschaft noch weiter schwächen. Damit aber unsere Konzerne ihre Ware dort absetzen können, werden die euorpäischen Steuerzahler langfristig Gelder in die Ukraine transformieren müssen. Würden unsere Politiker das gesamte Volk bei ihren Entscheidungen im Auge haben und nicht nur die Interessen einiger weniger, dann hätte man niemals diese Politik gefahren. Abgesehen davon, dass sich an der Mentalität der "Eliten" in der Ukraine seit dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes nichts geändert hat. D.h. dass aller Voraussicht nach große Mengen der "Aufbauhilfen" in dubiose Kanäle abgezweigt werden.
karavan 11.12.2014
5.
Was sagt denn dazu Victoria Nuland? Ist ihre Kasse etwa leer? Mit 5 Mlrd. ist es aber noch nicht getan! Oder wie hat ihr Busenfreund Jaz das vorgestellt? Haben seine amerikanische Freunde das Projekt nicht zum Ende gedacht oder darf den Rest auf "old Europe" verschoben werden? Fragen über Fragen...
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