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Ultimatum bis Dienstag: Tschad droht Weltbank mit Zudrehen des Ölhahns

Die Regierung des afrikanischen Krisenstaats Tschad will ab Dienstag jegliche Ölexporte einstellen, sollte die Weltbank bis dahin nicht die eingefrorenen Öleinkünfte des Landes freigeben.

N'Djamena - "Wir brauchen dieses Geld, weil wir unter Druck stehen", sagte der Minister für Menschenrechte, Abderaman Dschasnabaille, am Freitag der Nachrichtenagentur AFP in N'Djamena. Er bestritt allerdings, dass das Ultimatum an die Weltbank mit der derzeitigen Rebellion im Tschad zu tun habe. Vielmehr benötige die Regierung das Geld für "soziale Belange" und die Zahlung von Gehältern und Renten.

Bei dem Streit geht es um ein Millionenguthaben auf einem Konto bei der Londoner Citibank. Am 12. Januar ordnete die Weltbank die Sperrung des Kontos an, auf das die Einnahmen aus der Ölförderung im Tschad einlaufen. Die Weltbank begründete den Schritt damit, dass sich der Tschad nicht an die Regeln eines Abkommens über die sinnvolle Verwendung der Einnahmen halte. Dieses als beispielhaft gelobte Abkommen sieht vor, dass der Tschad zehn Prozent seiner Öleinkünfte für einen "Zukunftsfonds" für künftige Generationen zurückhält. Die Weltbank beschuldigt das Land, das Geld seinem Zweck zu entfremden.

Nach tschadischen Angaben liegen derzeit 25 Millionen Dollar auf dem Londoner Konto. Außerdem stünden noch 80 Millionen Dollar an Öleinnahmen aus, die auf dieses Konto zu überweisen seien. Tschads Regierung wird derzeit durch eine massive Rebellion bedrängt. Wie Verwaltungsminister Mahamat Ali Abdallah am Freitag in N'Djamena sagte, wurden allein in der Hauptstadt und deren Umgebung am Donnerstag 370 Rebellen und etwa 30 Soldaten getötet. Staatschef Idriss Deby beschuldigte das Nachbarland Sudan, die Rebellen zu unterstützen, und brach die diplomatischen Beziehungen zu Khartum ab.

reh/AFP

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