Moskau - In den vergangenen Jahren hatte Moskau die Kundgebung nur in einem Vorort genehmigt. Nun aber liefen beim "Russischen Marsch" am Sonntag wieder Tausende von Ultranationalisten durch das Moskauer Stadtzentrum. Die Organisatoren sprachen von gut 20.000 Demonstranten, die Polizei ging dagegen von etwa 6000 Teilnehmern aus.
Mit Trommeln und schwarz-gelb-weißen Zarenfahnen zog die Menge am Moskwa-Fluss entlang. Etwa 2000 Sicherheitskräfte waren im Einsatz. Die Demonstranten skandierten Parolen wie "Moskau ist eine russische Stadt", um ihre Ablehnung von Migranten aus dem Kaukasus oder Zentralasien zu zeigen. Bürgerrechtler und Migrantenverbände warnten vor einer Hetzjagd auf Gastarbeiter.
Die Proteste richteten sich aber auch gegen Kremlchef Wladimir Putin. Der prominente Oppositionsführer Alexej Nawalny hatte ebenfalls seine Teilnahme angekündigt. Nawalny hat den Kreml aufgefordert "nicht länger den Kaukasus zu füttern".
Auch in Dutzenden anderen Städten zwischen der Ostsee-Exklave Kaliningrad (Königsberg) und dem Pazifikhafen Wladiwostok marschierten Hunderte Nationalisten auf. In Jekaterinburg am Ural seien 200 Teilnehmer festgesetzt worden, teilten die Organisatoren mit. Dort hatten die Behörden den Marsch nicht genehmigt.
Laut Umfragen lehnt nahezu die Hälfte der Russen Migranten ab. Diese Einstellung überschneidet sich häufig mit einer Ablehnung von Präsident Putin, obwohl dieser selbst häufig nationalistische Ressentiments bedient hat.
Allein zwischen 2007 und 2009 wurden nach Zahlen der Nichtregierungsorganisation SOVA Center jährlich mehr als hundert Migranten ermordet. In den vergangenen Jahren gingen die Behörden verstärkt gegen Rechtsextreme vor, einige Organisationen wurden verboten. Ihre Anführer haben inzwischen jedoch neue Gruppen gegründet.
dab/dpa/AP
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