Umfrage Deutschland verliert in Afghanistan dramatisch an Ansehen

Fast in ganz Afghanistan ist die Stimmung trotz der anhaltenden Gewalt laut einer Umfrage optimistischer geworden. Doch Deutschlands Ruf hat sich offenbar durch den Luftangriff von Kunduz gründlich verschlechtert: Im Norden wird die Rolle der Bundeswehr skeptisch beurteilt.

Bundeswehr-Soldat im Einsatz in Afghanistan: Skepsis gegenüber den Deutschen
DDP

Bundeswehr-Soldat im Einsatz in Afghanistan: Skepsis gegenüber den Deutschen


Berlin - Miese Umfragewerte für die Deutschen in Afghanistan: Nach dem verheerenden Luftangriff auf zwei Tanklastzüge im September 2009 hat die Bundeswehr deutlich an Ansehen verloren. Das ergab eine Umfrage unter der afghanischen Bevölkerung im Auftrag des WDR zusammen mit dem US-Sender ABC und der britischen BBC, die am Montag in Berlin veröffentlicht wurde.

Danach ist die Stimmung unter den Einheimischen zwar insgesamt optimistischer geworden. Im Norden des Landes, wo die Einsatzgebiete der Bundeswehr liegen, bewerten jedoch weniger Afghanen als noch vor einem Jahr die Sicherheitslage positiv.

Während sich die Einstellung der Bevölkerung zu den USA leicht verbessert hat, zeige die Umfrage einen spürbaren Ansehensverlust für Deutschland, das in der Vergangenheit immer herausragend gute Bewertungen bekommen habe, erklärte der WDR. Es war die fünfte repräsentative Umfrage der drei Sender, diesmal unter 1554 Afghanen.

In den Provinzen des Nordens und Nordostens ging danach die Zahl der Menschen, die ein positives Bild der Deutschen haben, um 11 Punkte auf 63 Prozent zurück, während die Zahl der Afghanen mit einem negativen Bild sich mehr als verdoppelt hat (plus 17 Punkte auf 31 Prozent). Was das konkrete Handeln angeht, wird die deutsche Rolle nur noch von 31 Prozent der Befragten positiv beurteilt (minus elf), während die übrigen Befragten Deutschlands Rolle neutral (41 Prozent) oder negativ (19 Prozent) bewerten.

"Hier zeigt ganz offensichtlich die innerafghanische Debatte um die vielen zivilen Opfer bei dem Luftangriff auf die beiden Tanklastzüge in Kunduz Wirkung", erklärte Arnd Henze, der als stellvertretender Auslandschef des WDR die Umfrage betreute.

"Deutschland wird zunehmend als ganz normaler Teil der Kriegsrealität wahrgenommen." So geben 40 Prozent der Befragten im Verantwortungsbereich der Bundeswehr an, das Bemühen von Nato und Isaf bei der Vermeidung ziviler Opfer habe sich verschlechtert.

Als "gute Nachricht für die Soldaten von Bundeswehr und Nato" wurde dagegen bewertet, dass sich die Einstellung der Afghanen zu Anschlägen auf ausländische Truppen komplett verändert habe. Hielt vor einem Jahr noch jeder Vierte solche Anschläge für gerechtfertigt, so ist der Wert in der neuen Umfrage auf acht Prozent zurückgegangen - der niedrigste je gemessene Wert.

Die Hoffnung kehrt zurück

Die Hoffnung auf stabilere politische Verhältnisse, eine Schwächung der Taliban und spürbare Verbesserungen im alltäglichen Leben bewirkten insgesamt jedoch einen kräftigen Stimmungsumschwung in der afghanischen Bevölkerung. In der Umfrage sahen 70 Prozent der Menschen ihr Land auf dem richtigen Weg - ein Anstieg um 30 Prozent gegenüber der letzten Untersuchung vor einem Jahr.

Ebenso viele Afghanen seien überzeugt, dass es ihnen im nächsten Jahr besser gehen wird. "Der Blick auf die Umfrage mit ihren mehr als 100 Einzelfragen zeigt, dass die Afghanen ganz anderen Entwicklungen Beachtung schenken, als wir in Europa und den USA", erklärte Henze.

So habe zwar eine große Mehrheit der Befragten erkannt, dass es bei den Wahlen (56 Prozent) und bei der Auszählung (59 Prozent) Unregelmäßigkeiten gab. Gleichwohl seien drei von vier Afghanen mit dem Wahlausgang zufrieden. Sie seien vor allem froh, dass der von Gewalt und Einschüchterungen begleitete Wahlprozess zu einem Abschluss gefunden hat.

Immerhin halten 95 Prozent der Afghanen Korruption für ein drängendes Problem. Der afghanische Präsident Hamid Karzai geht der Umfrage zufolge mit einem breiten Vertrauensvorschuss in seine zweite Amtszeit. Drei von vier Afghanen sagen, er leiste gute Arbeit und sie trauen ihm zu, Sicherheit und Stabilität im Lande zu verbessern.

als/dpa/APN

Forum - Was ist die richtige Strategie für Afghanistan?
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SaT 08.11.2009
1. abziehen oder ewig weiterkämpfen
Wieso siegen? Da keine Kriegsziele existieren kann man im Grunde weder gewinnen oder verlieren sondern nur abziehen oder ewig weiterkämpfen. Vorschlag: wir erklären uns zum moralischen Sieger und ziehen mehr oder weniger geordnet ab. Dem korrupten Karzeiclan, Warlords und die Drogenbarone unserer Wahl geben wir halt soviel Waffen, dass die das Thema Taliban alleine in den Griff bekommen. Wir überlassen Afghanistan den Afghanen und kümmern uns endlich um unsere eigenen Probleme – davon gibt es genug.
Ökopit 08.11.2009
2. Westlich und Islam ...
Zitat von sysopZweifelhafte Präsidentschaftswahlen, ständig neue Angriffe der Taliban, umstrittene Bombardements - mit welcher Strategie können die westlichen Alliierten in Afghanistan siegen?
... schließt sich naturgegeben aus! Die beste Strategie in Afghanistan wäre ein kompletter (und sofortiger) Rückzug des Westens - nicht nur der Truppen, auch aller zivilen "Möchtegern-Helfer" und natürlich der Krämerseelen! Nur, das geht leider "geostrategisch" nicht, denn wer "die Passhöhen des Hindukusch" beherrscht, kann, wenn er will, ganz Asien beherrschen! Die Engländer haben das im 19. Jahrhundert nicht geschafft, die Sowjetunion ab 1980 auch nicht! Die Ami's und ihre Vasallen (leider gehört Deutschland dazu) versuchen das seit 2001! Ich gönn ihnen den Erfolg nicht!
ewspapst 08.11.2009
3. Nur Siegen?
Zitat von sysopZweifelhafte Präsidentschaftswahlen, ständig neue Angriffe der Taliban, umstrittene Bombardements - mit welcher Strategie können die westlichen Alliierten in Afghanistan siegen?
Hier das Ausgangsthema. Ist der Krieg in Afghanistan noch zu gewinnen? Natürlich ist der Krieg zu gewinnen. Haben Sie sich als Forist hier nicht die vielen Militärexperten, Generalsdoppel, Humanisten und göttergleiche Juristen, ja selbst Philosophen, die alle ein ungemein umfassendes und unbedingt richtiges Wissen mitbringen, angeschaut. Ihr Spezialwissen übertrumpft alle, denn das haben sie uns oft genug gesagt. Und warum sollen wir ihnen nicht glauben? Ihre Erkenntnisse erfüllen uns täglich mit staunen, ob der vielen Darbietungen. Sie alle wissen viel besser als die afghanische Bevölkerung, unter welchen Bedingungen dort gelebt werden soll und muss und bringen uns Unwissende alles haarklein nahe. Es ist doch ganz klar, dass die westliche Intelligenz viel klarer definieren kann, was gut und böse ist und was einem Paschtunen natürlich nicht möglich ist. Wie Wahlen zu werten sind, können doch nur die politisch vorgebildeten Nato - Angehörigen. Die westliche Welt hat über lange Zeit nur nach Recht und Gesetz gehandelt, nur um der Menschlichkeit willen und ist deshalb in der Lage, dieses Wissen und Handeln an die dritte Welt weiterzugeben, die dann ebenso handeln soll, ganz besonders die Afghanen. Haben Sie diesen Worten geglaubt? Natürlich, denn sie werden uns doch täglich ohne Unterbrechung frei Haus geliefert. Dann werden „Sie “ diesen Krieg auch gewinnen, „wir “ Ungläubigen dagegen nicht. Übrigens, warum haben die Russen, die Inder, die Pakistani, die Engländer, wieder die Russen und dann auch die Amerikaner die Kämpfe nicht gewonnen? Die genannten EXPERTEN werden es Ihnen mit vielen Worten und rechtsphilosophischen Erläuterungen sagen.
mark anton, 08.11.2009
4. Ist die Haltung der D Feigheit vor dem Feinde?
oder wie wuerde man es bezeichnen koennen? Auch wenn der Ausgang in Afghanistan wegen der vielseitig unguenstigen und unueberbrueckbaren Problemen negativ ist, haette man als Verbuendeter seine Verpflichtungen nachkommen muessen. Was, wenn D einmal Verbuendete braucht - die Nato koennte dann auch sagen, wir erinnern uns an Kunduz und verhalten uns ebenso.
Stahlengel77, 08.11.2009
5.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,660064,00.html Na prima. Das US-Militär operiert in dem von der Bundeswehr kontrollierten Bereich zusammen mit afghanischer Miliz. Wir können an fünf Fingern abzählen, was das für unsere Soldaten bedeutet: Weitere Destabilisierung, die Taliban werden mehr Zulauf bekommen und wie das bei den Paschtunen so ist, wird die Blutrache ausgerufen und dann wird nicht mehr unterschieden, welches Nationalitätenzeichen auf einer Uniform prangt. Es steht außer Zweifel, das wir mit vermehrten Anschlägen und Angriffen auf unsere Soldaten rechnen müssen nach der Offensive. Und wenn die von der Bundeswehr besetzte Region durch die US-Militärs so richtig aufgemischt wurde, wird eine Aufstockung des Mandats notwendig sein. Ob es dafür eine Mehrheit im Bundestag gibt, wenn auch endlich offiziell von einem Krieg gesprochen wird, ist fraglich. Am Ende werden unsere Soldaten in Afghanistan alleine gelassen, wenn sie das nicht schon sind. Wenn ich von Soldaten, die aus dem Einsatz kommen, hören muss, das sie sich ihre Ausrüstung immer noch selbst kaufen müssen, das sie unter schwierigsten Bedingungen mit unzureichendem Material ihren Aufgaben nachkommen müssen, das die Bevölkerung ihnen weitgehend feindlich gesonnen ist und sie quasi mitanschauen müssen, wie Warlords unbehelligt ihren Opiumanbau vorantreiben und damit enorme Gewinne erzielen (und dagegen nicht vorgegangen wird), da fragt man sich wirklich: Was haben wir dort überhaupt verloren? Die geplante Pipeline der Amerikaner schützen? Abortmücke am Hintern Chinas spielen? (Es ist längst bekannt, das die Taliban einen guten Teil ihrer Waffen aus China gesponsert bekommen) Noch heute bin ich der Meinung, das Struck, Fischer und Schröder juristisch zur Rechenschaft gezogen gehören, da sie deutsche Soldaten in einen Angriffskrieg der USA geschickt haben. In tausenden von Jahren hat niemand es geschafft, diese Region dauerhaft zu besetzen. Nur Wahnsinnige glauben, man könnte dort einen Krieg gewinnen.
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