Umfrage Mehrheit der EU-Bürger will Garantie sozialer Mindeststandards

Brüssel soll laut einer Umfrage Druck auf EU-Mitgliedsländer ausüben, um soziale Mindeststandards durchzusetzen. Das fordert ein Großteil der Befragten. Außerdem sollen reiche Länder ärmere unterstützen.


Die Europäische Union soll für soziale Mindeststandards in den Mitgliedstaaten sorgen - dieser Aussage hat eine große Mehrheit der EU-Bürger in einer Umfrage zugestimmt. Die Bertelsmann Stiftung befragte dazu Bürger in acht EU-Ländern. In diesen Staaten wünschen sich je nach Land 63 bis 86 Prozent der Teilnehmer, verbindliche soziale Regeln in der EU. In Deutschland wollen das demnach 77 Prozent der Befragten.

Brüssel solle Druck auf einzelne Mitgliedsländer ausüben, um Reformen voranzutreiben - da stimmen die Befragten zu. Auch soll es Transferleistungen von reichen zu ärmeren Ländern geben. Kritisch sehen die Befragten laut Studie die Renten und Pflegepolitik der EU. Weniger problematisch sehen sie demnach die Themen Kinderbetreuung, Bildung, Ausbildung und Leistungen für Arbeitslose.

Laut dem Vorstandsvorsitzenden der Bertelsmann Stiftung, Aart de Geus, zeige die Studie, dass die EU nationale Sozialpolitik nicht ersetzen solle. Vielmehr müsse die Staatengemeinschaft die Überlebensfähigkeit der Sozialsysteme und notwendige Reformen nach dem Willen der Bürger garantieren, so de Geus: "Die Befragten wollen, dass die EU einen Unterbietungswettlauf zwischen den Mitgliedsländern verhindert."

vek/dpa

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Art. 5 10.11.2015
1. Transferunion
Dass 77% der Deutschen die soziale Mindeststandards befürworten ist nicht verwunderlich, warum gibt es aber keine Prozent-Angabe zu der Forderung nach den Transferleistungen von reichen zu ärmeren Ländern?
Steuerfuzzi 10.11.2015
2. Irgendwie ironisch
Das so "reiche" Deutschland soll jetzt ärmere Länder der EU unterstützen. Das ist dann wohl die Vorstellung von Solidarität in der EU. Deutschland bezahlt alles und wird im Regen stehen gelassen wenn es um EU Problemlösungen geht. Fakt ist zudem, dass sich unsere Regierung seit Jahren einen Sch... um das zunehmende soziale Ungleichgewicht in diesem unserem Lande gekümmert hat. Der vermeintliche Reichtum ist leider so verteilt, dass diese EU Unterstützungsmaßnahmen wie üblich die Normalverdiener treffen werden. Wer interessiert sich eigentlich für die Sozialstandards in diesem Land, für die zunehmende Altersarmut ? Für den Verdrängungswettbewerb um Wohnungen, Kitaplätze etc. Herr Gabriel jedenfalls nicht..
fördeanwohner 10.11.2015
3. -
Ja, soziale Mindeststandards überall wären schön. Dass reichere EU-Länder ärmere unterstützen, gibt es bereits. Oder wie soll man die Begriffe "Nehmer-" und "Geberländer" sonst verstehen? An dieser Stelle hätte man eigentlich gleich mal fragen können, wie es die EU-Bürger mit einer Verrechnung von Kosten halten, die in einem EU-Land entstehen, weil es eine Krisensituation, die eigentlich von allen EU-Ländern gemeinsam geschultert werden müsste, allein stemmt. Besonders hätten mich die Ergebnisse dazu aus Ländern wie Tschechien usw. interessiert.
unbekanntgeblieben 10.11.2015
4. Es wäre angebracht ... wenn man eine Zukunft will ...
Mindestlohn, Zinsdeckelung ab gewisser Vermögensgröße aber vor allem, harte Strafen für Politiker, die bewusst Falschaussagen oder Entscheidungen nur zum eigenen Vorteil (einschließlich Wiederwahl) treffen. Dazu zählen alle Arten Korruption, falsche Wahlversprechen aber auch 'Gesicht wahren', grob Lügen oder Politik. Man sieht, was das in Griechenland angerichtet hat! Und wir sind soweit nicht davon entfernt ... Jeder noch so guter Vorsatz ist nutzlos, wenn die Regierung korrumpiert ist, und das ist fast schon in Demokratie definiert. Da alles für die Wiederwahl gerechtfertigt wird, auch Unfähigkeit. Ich denke, das würde EU-weit einige massive Missstände von allein beseitigen ... Mindestlohn ist übrigens keine Wohltätigkeit, sondern Vorraussetzung für fairen Wettbewerb im Binnenmarkt, also kapitalismuskonform. Muss Gehalt aufgestockt werden, wird ein Betrieb faktisch indirekt subventioniert. Lebenskosten können nicht sinken... Und bittet mal die zur Kasse, die Vermögen haben, es sei ihnen ja gegönnt, aber Geld generiert aus sich selbt Wert. Das führt zu einem Automatismus, der mit Logik nicht gerechtfertigt werden kann (daher das, mit der Zinsdeckelung, das müsste aber global und auch für Schulden gelten, utopisch, ich weiss).
go-west 10.11.2015
5. Daß die Mehrheit
der ärmeren EU-Länder für Transferleistungen ist, ist natürlich nachvollziehbar. Es ist immer leichter die Hand aufzuhalten als die Arme hochzukrempeln um sich mit harter Arbeit dem Wettbewerb zu stellen.
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