Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Transatlantik-Umfrage: Deutsche wollen größere Unabhängigkeit von Amerika

Von , Washington

Kanzlerin Merkel, Präsident Obama (im Juni 2013): Folgen der NSA-Affäre Zur Großansicht
Getty Images

Kanzlerin Merkel, Präsident Obama (im Juni 2013): Folgen der NSA-Affäre

Das transatlantische Verhältnis kühlt ab, die Zufriedenheit mit US-Präsident Obama sinkt: Eine große Studie des German Marshall Fund zeigt die Entfremdung zwischen Deutschland und den USA - und die kritische Haltung der Russen gegenüber Europa.

Geht es um Barack Obama, dringt die Befindlichkeit der Deutschen stets in Extremlagen vor. Erst galt der US-Präsident als Polit-Messias, nun entwickelt er sich zum Buhmann. So ist innerhalb nur eines Jahres die Zustimmung zu Obamas Rolle auf der internationalen Bühne gegenüber dem Vorjahr um 20 Punkte auf 56 Prozent abgesackt. Zugleich haben noch 58 Prozent der Deutschen eine positive Meinung von den USA, was einem Minus von zehn Prozentpunkten im Vergleich zu 2013 entspricht.

Dies ist eines der Ergebnisse der breit angelegten Studie "Transatlantic Trends" des German Marshall Fund (hier abzurufen). Im Auftrag der US-Stiftung wurden unter Federführung von TNS Opinion repräsentative Umfragen in Amerika, zehn EU-Ländern, der Türkei sowie Russland durchgeführt. Befragt wurden jeweils rund tausend Erwachsene (in Russland: 1500) zwischen dem 2. und 26. Juni.

Die Ergebnisse aus Deutschland sind prägnant, immer wieder heben sie sich vom europäischen Durchschnitt ab. Die Kritik an den USA ist in Folge der NSA-Spähaffäre ausgeprägter als anderswo in der EU; gleichzeitig aber setzen die Deutschen auf die amerikanische Führungsrolle. Im Einzelnen sieht dies wie folgt aus:

  • 57 Prozent der Befragten aus Deutschland wünschen sich, dass ihr Land künftig etwa diplomatisch und sicherheitspolitisch unabhängiger von den USA agiert; im Vergleich zum Jahr 2013 ist das ein Plus von 17 Prozentpunkten. Hinzu kommt: Erstmals vertritt eine Mehrheit der Befragten diesen Standpunkt.

  • Aufgeschlüsselt nach Parteianhängern ergibt sich eine Links-Rechts-Differenz: 54 Prozent der SPD-Parteigänger wollen mehr Unabhängigkeit; bei den Anhängern der Unionsparteien sind es dagegen nur 47 Prozent.

  • Das Bild in Amerika: 34 Prozent der dort Befragten wünschen sich eine engere Beziehung mit der EU, 33 Prozent setzen auf mehr Unabhängigkeit. Auch hier zeigt sich ein Links-Rechts-Gegensatz, nur anders herum: 43 Prozent der republikanischen Anhänger wollen mehr Unabhängigkeit; bei den Demokraten sind es nur 24 Prozent.

  • 56 Prozent der europäischen Befragten wünschen sich starkes US-Leadership in der Welt; doch unter den Deutschen ist diese Fraktion größer: 60 Prozent (minus drei Punkte im Vorjahresvergleich). Noch etwas mehr Vertrauen setzen die Polen in die USA: Hier liegt der Wert bei 61 Prozent, mit einem Zuwachs von elf Prozentpunkten im Vergleich zu 2013. Dies kann wohl auf das aggressive Vorgehen Russlands in der Ukraine-Krise zurückgeführt werden.

  • 70 Prozent der deutschen Befragten haben keine gute Meinung von Russland; 59 Prozent gaben an, eine starke russische Führungsrolle sei nicht wünschenswert (allerdings minus zehn Punkte im Vorjahresvergleich).

  • Auch auf der anderen Seite des Atlantiks macht sich der Kampf in der Ostukraine wohl bemerkbar: 70 Prozent der befragten US-Bürger wünschen, dass die EU auf internationaler Bühne eine starke Rolle spielt (plus 13 Punkte im Vergleich zu 2013). Ihrerseits wünschen sich dies 73 Prozent der Europäer.

  • Eine Nato-Mitgliedschaft der Ukraine befürwortet eine Mehrheit der Amerikaner (68 Prozent). Die Europäer sind unentschieden: 46 Prozent dafür, 47 Prozent dagegen (67 Prozent der Deutschen sind dagegen). Eine EU-Mitgliedschaft der Ukraine favorisieren 52 Prozent der Befragten Europäer, 43 Prozent lehnen das ab (Deutschland: 63 Prozent Ablehnung).

Erstmals wurden im Rahmen der seit dem Jahr 2002 jährlich aufgelegten Studie auch Daten in Russland erhoben. Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Krisenlage in Europa ermöglicht dies interessante Einblicke:

  • 83 Prozent der befragten Russen beurteilen das generelle außenpolitische Vorgehen der eigenen Regierung positiv.

  • 64 Prozent haben keine gute Meinung von der Ukraine; 72 Prozent der Befragten sehen die USA, 52 Prozent die EU negativ.

Trotz militärischer Konflikte in Europa und Nahost bleibt die größte Sorge sowohl der Europäer als auch der Amerikaner die wirtschaftliche Lage. 28 Prozent der US-Bürger halten der Studie zufolge die Wirtschaft für das wichtigste Thema; bei den befragten EU-Bürgern dominieren Arbeitslosigkeit (27 Prozent) und ebenfalls die Wirtschaft (26 Prozent). Wiederum die Ausnahme sind die Deutschen: Das meistgenannte Thema (20 Prozent) ist hier die Bildung.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 190 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Oh Gott !
European 10.09.2014
Ich bin ja neuerdings Mainstream...
2. Tolle Idee!
spon_1202257 10.09.2014
Mehr Unabhängigkeit von Amerika? Na prima, da können wir mit unseren 5 einsatzbereiten Eurofightern ja gleich Putin einladen uns mit seinen 1.500 Kampfpanzern zu besuchen. Die Dummheit der Leute ist nicht mehr zu begreifen.
3. Das SPON Forum ist ja nicht das maß aller Dinge,
radeberger78 10.09.2014
---Zitat--- Zugleich haben noch 58 Prozent der Deutschen eine positive Meinung von den USA, was einem Minus von zehn Prozentpunkten im Vergleich zu 2013 entspricht. ---Zitatende--- aber darf man Fragen wo diese Studie bzw. Befragung gemacht wurde im Altersheim oder auf einem Gipfeltreffen der CDU, dafür wäre es dann aber wirklich ein schlechtes Ergebnis.
4. Weg von den USA
conehead86 10.09.2014
Ich wünsche mir so sehr das wir von den kriegsmachern mehr abstand haben. Wenn wir den usa den rücken kehren würden, dann gebe es kein terrorismus in deutschland. Keine "selbstmordattentäter" etc.
5. Die europäischen Politiker
derweise 10.09.2014
haben durch die Abschaffung der Deutschen Mark als Ankerwährung Europa von seinem Anker losgerissen und lassen Europa nun floaten.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fotostrecke
Ukraine-Konflikt: Schüsse und Explosionen trotz Waffenruhe

Fläche: 9.833.517 km²

Bevölkerung: 318,857 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | USA-Reiseseite

Fläche: 17.098.200 km²

Bevölkerung: 143,972 Mio.

Hauptstadt: Moskau

Staatsoberhaupt:
Wladimir Putin

Regierungschef: Dmitrij Medwedew

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Russland-Reiseseite



Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: