Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Umfrage: Immer mehr Muslime lehnen Bin Ladens Terrorkrieg ab

In der muslimischen Welt schwindet die Sympathie für Qaida-Chef Osama Bin Laden. Einer Studie zufolge lehnen in etlichen islamischen Ländern immer mehr Menschen terroristische Gewalt ab.

Hamburg - Die muslimische Sympathie für den Terror-Krieg von Osama Bin Ladens Netzwerk al-Qaida sinkt. Besonders die krisengebeutelten Länder der islamischen Welt erteilen Selbstmordattentaten eine Absage. Gleichzeitig fürchten die Menschen aber auch, militärische Drohgebärden der Vereinigten Staaten.

Osama Bin Laden: In Jordanien ist der Zuspruch für den Qaida-Chef von 56 auf 20 Prozent gesunken
AFP / IntelCenter

Osama Bin Laden: In Jordanien ist der Zuspruch für den Qaida-Chef von 56 auf 20 Prozent gesunken

Dies berichtet die Londoner Zeitung "The Times" im Hinblick auf eine neue internationale Studie: Die weltweite Meinungsumfrage des US-amerikanischen Pew-Instituts stützt sich auf Befragungen in 47 Staaten, die Teilnehmerzahl variiert zwischen 500 und 1000 Personen pro Land. Insgesamt wurden rund 45.000 Personen auf allen Kontinenten befragt.

Laut der Umfrage sinkt die Sympathie für den Extremismus besonders in Ländern, die verstärkt unter dessen blutigen Konsequenzen zu leiden hatten: Dort ist der Prozentsatz der Muslime, die Selbstmordattentate befürworten von 74 Prozent im Jahr 2002 auf derzeit 34 Prozent gesunken. Die Unterstützung des Terrorismus ist auch in Bangladesch, Pakistan, Jordanien und Indonesien auf dem Rückzug.

Auch der Zuspruch für al-Qaida-Chef Osama Bin Laden ist in den vergangen fünf Jahren gesunken: in Jordanien von 56 auf 20 Prozent, in Indonesien von 59 auf 41 Prozent, im Libanon von 20 auf nur 1 Prozent, und auch in Pakistan - wo der Anführer sich angeblich verstecken soll - von 46 auf 38 Prozent.

Die große Ausnahme bei dem genannten Meinungswandel sind die palästinensischen Gebiete, in denen 70 Prozent der Menschen Selbstmord-Bombenattentate in gewissen Fällen nach wie vor befürworten - nur 6 Prozent halten diese dort "niemals" für gerechtfertigt. Der Rückhalt für Bin Laden ist in Palästina zwar um 15 Prozent gesunken, jedoch findet er dort nach wie vor die Unterstützung von 57 Prozent der Befragten.

Der Bericht des Pew-Instituts legt nahe, dass wirtschaftliches Wachstum weltweit eine enge Verbindung zu dem persönlichen Wohlbefinden einer jeweiligen Bevölkerung aufweist. Allerdings gebe es nur geringen Anlass zu der Annahme, dass die ökonomische Stabilität ähnlich auch zum Rückgang der Terror-Sympathisanten führe.

Eine große Mehrheit der islamischen Welt in Asien und im Nahen Osten befürchtet gleichzeitig aber nach wie vor, dass für ihre Länder eine militärische Bedrohung von den Vereinigten Staaten ausgehen könnte. Dies gelte laut Pew-Bericht speziell für Muslime in Marokko, Bangladesch, Indonesien, Pakistan, Palästina und der Türkei.

bos

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: