Umfrage Rechtspopulisten liegen in Österreich vorn

Europas Demokratien geraten in der Euro-Krise unter Druck. In immer mehr Ländern mischen Rechtsaußen-Parteien mit, Österreich gibt nun den Vorreiter: Die Freiheitliche Partei kommt in einer aktuellen Umfrage auf 29 Prozent - und liegt damit auf Platz eins.

FPÖ-Chef Strache: Streut Ängste vor der "Massenenteignung" der Österreicher
DPA

FPÖ-Chef Strache: Streut Ängste vor der "Massenenteignung" der Österreicher


Wien - Bei der Sonntagsfrage zu ihren Wahlabsichten nannten 29 Prozent der Befragten die Freiheitliche Partei ( FPÖ), wie die österreichische Tageszeitung "Kurier" berichtet. Dicht gefolgt wurde sie in der Umfrage des OGM-Instituts von der SPÖ mit 28 Prozent. Die christsoziale Volkspartei (ÖVP) kam nur noch auf 23, die Grünen auf 13 Prozent. Die zweite rechtspopulistische Partei in der Alpenrepublik, das "Bündnis Zukunft Österreich" (BZÖ), erreichte fünf Prozent.

Nach Ansicht von OGM-Direktors Wolfgang Bachmayer wurde das Ergebnis maßgeblich beeinflusst durch die Debatte um die Euro-Krise und die Hilfen für Griechenland: "Die Werte spiegeln eine Unzufriedenheit mit der Regierungspolitik wider, die sich über Jahre aufgestaut hat. Gerade die Griechenland-Hilfe und die damit für Österreich verbundenen Belastungen werden vermutlich bis zur nächsten Nationalratswahl weiter eine Rolle spielen", so Bachmayer zum "Kurier".

Heißt im Klartext: FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache könnte Kanzler werden. Regulär gewählt wird im Jahr 2013. Mit einer Kanzlerschaft könnte Strache sein einstiges Vorbild und späteres Feindbild, den verstorbenen Kärntner Regierungschef Jörg Haider, übertrumpfen. Haider hatte die FPÖ im Jahr 2000 in die Bundesregierung geführt und eine Koalition mit der ÖVP geschmiedet, die den Kanzler stellte.

Laut "Kurier"-Umfrage läge allerdings die SPÖ vorn, wenn eine Direktwahl des Kanzlers möglich wäre. 24 Prozent der Befragten würden dem amtierenden Regierungschef Werner Faymann ihre Stimme geben, 18 Prozent favorisieren ÖVP-Chef Michael Spindelegger. FPÖ-Mann Strache kommt auf 16 Prozent.

Beim Ergebnis der Befragung spielten offenbar auch die Äußerungen eines Bankmanagers eine mitbestimmende Rolle: Andreas Treichl, Manager der Erste Group, hatte kürzlich die Politiker als "feig, blöd" und in Wirtschaftsfragen "ahnungslos" bezeichnet. In der Umfrage hielten 56 Prozent der Befragten die Treichl-Äußerung für "berechtigt". Dessen Pauschalurteil hatte in Österreich zu einer heftigen Debatte und scharfer Kritik an der großen Koalition aus SPÖ und ÖVP geführt.

Strache seinerseits versucht bereits seit Monaten, Profit aus der Krise zu schlagen. So fährt er Kampagne für den Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone. Er warnt vor "Massenenteignungen" der Österreicher, die durch die Hilfe für andere von der eigenen Regierung in eine "Schuldenkatastrophe" führen würden.

Der 42-Jährige inszeniert sich als jugendlich-vitaler Parteiführer. Mal gibt "HC" mit schwarzer Sonnenbrille und professionellem Musikvideo den Anti-EU-Rapper ("Volksvertreter statt Verräter, Abendland in Christenhand"), mal setzt er sich in Che-Guevara-Manier ein Barett aufs Haupt und schreibt sich "StraCHE". Sogar diverse "HC-Comics" hat die Partei publiziert. Mit Pop und Provokation zielen Strache und Co. insbesondere auf die Jungwähler.

sef/AFP

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manni-two 20.05.2011
1. in allen westlichen Demokratien
gehören mehr als 29 % zur Nicht-Denkenden-Klasse.
Lindener2001 20.05.2011
2. Österreich!
Gut So Österreich, immer mehr Länder wollen nicht mehr dabei Zuschauen, wir ihr Länd durch EU, Euro und falsche Einwanderungspolitik in den Ruin getrieben werden. Leider haben wir in Deutschland immer noch keine Partei, die ähnliche Ziele verfolgt, zumindest nicht Bundesweit, aber das wird sich auch ändern. Ach übrigens:"Populismus (lat.: populus, „Volk“) bezeichnet eine um „Nähe zum Volk“ bemühte Politik".
henniman 20.05.2011
3. Ich halte nichts von Wählerbeschimpfung !
Obwohl ich die Grünen überhaupt nicht mag, würde ich NIE deren Wähler beschimpfen, als "gedankenlos" oder "dumm" oder gar "verführt" bezeichnen. Entsprechende Stimmen, die das in Bezug auf die national wählenden Bürger tun, halte ich nicht nur für undemokratisch, sondern für gefährliche Feinde der Demokratie. Ich gehe weiter und fordere sogar eine Ächtung und Bestrafung derartiger Wählerbevormundung. Wer Anderswählende verfolgt oder auch nur beleidigt, verläßt den Boden unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung, ja will diese zerstören. In dieser Hinsicht müßten Straftatbestände geschaffen werden, die dann auch justiziabel sein sollten. Wer in Zukunft eine ihm nicht passende politische Gruppierung beschimpft bzw. das mit deren Wählern tut, hätte sich vor Gericht dafür zu verantworten. Die Verunglimpfung des politischen Gegners ist kein Kavaliersdelikt oder Späßchen, sie ist ein martialischer Anschlag auf unsere Demokratie, die wir als höchstes Gut sehen sollten.
geparde 20.05.2011
4. selber Schuld
wenn wundert das wenn man sich das verlogene jetzige System anschaut kann einem doch nur noch schlecht werden. So viel wie heute gelogen und gefälscht wird, da wird es doch unerträglich für die meisten Menschen die tagtäglich das Leben ganz anders war nehmen. Ein Beispiel ein bekannter Moderator sagt. In einigen Stadtteilen begehen 98% aller Straftaten Ausländer, in einen anderen Stadtteil weiter begehen alle Straftaten 98% deutsche. Und so lässt er es stehen. Er verschweigt das es in einem Stadteil 4000 Straftaten gab und im anderen nicht mal 10. Ist es Absicht? Mutwillig? Was ist das? Warum werden wir so verarscht? Haben wir das verdient das man uns so belügt? Das sind in Wahrheit die Rechten die uns ständig belügen.
Mülheimer, 20.05.2011
5. Na und!
Zitat von sysopEuropas Demokratien geraten in der Euro-Krise unter Druck. In immer mehr Ländern mischen Rechtsaußen-Parteien mit, Österreich gibt nun den Vorreiter: Die Freiheitliche Partei kommt in einer aktuellen Umfrage auf 29 Prozent - und liegt damit auf Platz eins. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,763834,00.html
Ich denke, dass selbst wenn eine solche Partei in Deutschland über 50 % kommen würde die anderen Politiker ihre Politik nicht in Frage stellen würden. Je mehr Kritik an der EU, desto mehr Kompetenzen müssen an die EU gegeben werden. Je mehr Kritik an den EURO Hilfen, desto höher werden die Rettungsfonds geschraubt. Ich kann keine der im Bundestag vertretenen Parteien mehr wählen, weil ich deren Politik nicht mehr ertragen kann. Ich kann auch das Gezeter über die dänischen renzkontrollen nicht mehr hören, dass Schengen-Abkommen dient doch in der Hauptsache dazu Autodieben, Drogendealern und Terroristen frei Fahrt in Europa zu geben. Ich bin ja für europäische Zusammenarbeit, aber von unabhängigen Staaten (hatten wir gut mit der EG). Außerdem lehne ich Verhandlungen über den Beitritt der Türken zur EU strikt ab.
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