Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

US-Wahlkampf: Obama legt in Umfrage kräftig zu

Der Aufwand war gigantisch, doch für Barack Obama hat sich der Parteitag der Demokraten offenbar gelohnt: Laut einer Umfrage liegt der US-Präsident plötzlich deutlich vor seinem Herausforderer Mitt Romney. Jetzt wird vor allem ein Thema wichtig: Wie entwickelt sich die Wirtschaft?

US-Wahlkampf 2012: Die Stunde Barack Obamas Fotos
AFP

Washington/Los Angeles - Der Nominierungsparteitag der US-Demokraten hat Präsident Barack Obama offenbar Auftrieb gegeben. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos käme der Amtsinhaber bei den Wählern derzeit auf 46 Prozent der Stimmen, sein Konkurrent Mitt Romney nur auf 44 Prozent.

Die Ergebnisse wurden am Freitag veröffentlicht. Einen Tag zuvor hatte Romney noch mit einem Prozentpunkt geführt. Meinungsforscherin Julia Clark sagte, aus der Umfrage könne geschlossen werden, dass der dreitätige Parteitag Obama geholfen habe. Es bleibe aber dabei, dass das Rennen zwischen Obama und Romney vermutlich bis zur Wahl Anfang November sehr knapp sein werde.

Der Parteitag war am Donnerstagabend mit einer Rede von Obama zu Ende gegangen. Die meisten Umfrageteilnehmer dürften aber bereits zuvor befragt worden sein. Auch die enttäuschenden Arbeitslosenzahlen vom Freitag wurden dabei nicht berücksichtigt. Laut US-Arbeitsministerium waren im vergangenen Monat lediglich 96.000 neue Jobs entstanden.

Obama stellt neuen Twitter-Rekord auf

Obamas Rede auf dem Parteitag war nach Zahlen des Datendienstleisters Nielsen von mehr als 35,7 Millionen US-Bürgern live am Fernseher verfolgt worden. Das sind etwas mehr als zehn Prozent der Bevölkerung. Die Rede vor vier Jahren hatten 38,4 Millionen gesehen. Die Ansprache von Romney auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner hatte vor einer Woche 30,3 Millionen Menschen angezogen.

Obama stellte am Donnerstag zudem einen neuen Twitter-Rekord auf: Direkt nach dem Ende seiner Rede wurden 52.756 Tweets pro Minute dazu registriert. Insgesamt löste der letzte Parteitag der Demokraten vier Millionen Tweets aus, etwa so viele wie das gesamte Treffen der Republikaner.

Angesichts der weiter hohen Arbeitslosigkeit setzt der Republikaner Romney im Wahlkampf weiter auf das Thema Wirtschaft. "Dieser Präsident hat keine Verantwortung für seine gescheiterte Wirtschaftspolitik übernommen", warf er Obama am Freitag bei einem Wahlkampfauftritt in Nashua im Bundesstaat New Hampshire vor. Obama habe "keine Ideen" und "keine Ausreden" mehr.

Obama reiste am Freitag ebenfalls nach New Hampshire, wo er bei einem Auftritt in Portsmouth einräumte, dass es bei der Schaffung von Arbeitsplätzen einen Rückschlag gegeben habe. "Wir wissen, dass es nicht gut genug ist", sagte Obama. "Wir müssen schneller Jobs schaffen, wir müssen das von der Rezession in diesem Jahr hinterlassene Loch schneller stopfen."

stk/Reuters/AFP

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 35 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Swing States
winkdon 08.09.2012
Zitat von sysopAFPDer Aufwand war gigantisch, doch für Barack Obama hat sich der Parteitag der Demokraten offenbar gelohnt: Laut einer Umfrage liegt der US-Präsident plötzlich deutlich vor seinem Herausforderer Mitt Romney. Jetzt wird vor allem ein Thema wichtig: Wie entwickelt sich die Wirtschaft? http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,854674,00.html
Wichtiger als die Landsweiten Umfragen sind die Umfragen in den "Swing States", um die es in der Wahlt geht. da konnte Präsident Obama seinen Vorsprung recht deutlich ausbauen. Ausserdem konnte er in seiner "Job Approval" einen deutlichen Sprung von 45 auf 52% machen (laut Gallup Polls). Das Rennen wird eng sein bis zum Schluss aber Obama wird gewinnen. Romney müsste bei den TV-Debatten eine Sensation schaffen, um das Blatt noch zu wenden. Das ist aber nicht abzusehen. Obama ist intelligenter, zugänglicher und deutlich charmanter.
2. Umfragen sind wie Schall und Rauch...
doytom 08.09.2012
Zitat von sysopAFPDer Aufwand war gigantisch, doch für Barack Obama hat sich der Parteitag der Demokraten offenbar gelohnt: Laut einer Umfrage liegt der US-Präsident plötzlich deutlich vor seinem Herausforderer Mitt Romney. Jetzt wird vor allem ein Thema wichtig: Wie entwickelt sich die Wirtschaft? http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,854674,00.html
...und sollten als solche wenig Bedeutung beigemessen werden. Wer es trotzdem tut kann ebensogut Wolken mit dem Schmetterlingsnetz fangen
3. Gigantisch
XXYYZZ 08.09.2012
Zitat von sysopAFPDer Aufwand war gigantisch, doch für Barack Obama hat sich der Parteitag der Demokraten offenbar gelohnt: Laut einer Umfrage liegt der US-Präsident plötzlich deutlich vor seinem Herausforderer Mitt Romney. Jetzt wird vor allem ein Thema wichtig: Wie entwickelt sich die Wirtschaft? http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,854674,00.html
Der Aufwand sei gigantisch gewesen, so läutet der Artikel ein. Aber wo im Artikel wird beschrieben, worin der gigantische Aufwand bestand? Es scheint ein ganz normaler Nominierungsparteitag einer amerikanischen Partei gewesen zu sein, die naturgemäß und seit Jahrzehnten gigantischer sind als deutsche Parteitage. War er gigantischer als der der Republikaner? Oder gigantischer als der im Jahre 2008? Mal wieder viel Behauptung ohne Evidenz ...
4. Die Schlussfolgerung...
heineborel 08.09.2012
Zitat von sysopAFPDer Aufwand war gigantisch, doch für Barack Obama hat sich der Parteitag der Demokraten offenbar gelohnt: Laut einer Umfrage liegt der US-Präsident plötzlich deutlich vor seinem Herausforderer Mitt Romney. Jetzt wird vor allem ein Thema wichtig: Wie entwickelt sich die Wirtschaft? http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,854674,00.html
... dass der Parteitag Obama geholfen hat lass ich noch durchgehen, dass Obama wirklich vor Romney liegt wage ich bei 46 vs. 44 zu bezweifeln. Bei einem margin of error von 2.5 bis 3% ist das wohl eher ein statistischen Unentschieden!
5. Ipsos ?? es gibt auch andere Umfragen
2wwk 08.09.2012
bischen einseitig sich auf Ipsos zu beziehen ... habe ich hier in den USA nie gehoert.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Twitter zur Präsidentschaftswahl


US-Wahl
Wahl des Präsidenten
In den USA liegt die exekutive Gewalt grundsätzlich beim Präsidenten, der Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte in einer Person ist. Der Präsident wird alle vier Jahre neu gewählt, eine einmalige Wiederwahl ist möglich.
Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten ist eine indirekte Wahl: Am Wahltag, der immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November stattfindet, wählt die US-Bevölkerung in jedem Bundesstaat Wahlmänner. Diese bilden das Wahlmännergremium, das offiziell erst im Dezember den Präsidenten und seinen Vize wählt. Dabei gilt in den allermeisten Bundesstaaten das Mehrheitswahlrecht: Die Wahlmänner eines Bundesstaates stimmen alle für den Präsidentschaftskandidaten, der in ihrem Staat die meisten Stimmen bekommen hat. Für den Gegner sind alle Wahlmänner verloren - egal wie knapp das Ergebnis ist ("Winner takes all"-Prinzip).
Parteien und Swing States
In den USA hat sich, durch das einfache Mehrheitswahlrecht begünstigt, ein Zweiparteiensystem gebildet: Praktisch spielen nur die demokratische und die republikanische Partei eine Rolle. Da in vielen Bundesstaaten die Mehrzahl der Wähler traditionell einer der beiden Parteien zugetan sind, steht in diesen Staaten praktisch fest, für welchen Kandidaten die Wahlmänner dieses Staates stimmen werden.
In anderen ist der Ausgang der Wahl hingegen offen: Sie werden als umkämpfte Staaten oder Swing States bezeichnet. Auf sie konzentriert sich der Wahlkampf der Kontrahenten. Besonders die bevölkerungsreichen unter ihnen wie Ohio und Florida stehen im Fokus der Wahlkampfstrategen, da sie viele Wahlmänner im Wahlmännergremium stellen und damit für den Ausgang der Präsidentschaftswahl entscheidend sein können.
Wahlmänner
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird nicht direkt vom Volk gewählt, sondern indirekt von Wahlmännern ("electors"). Ein Wahlmann ist ein Bürger, den die Einwohner eines US-Bundesstaates gewählt haben, damit er oder sie in einem landesweiten Gremium in ihrem Namen seine Stimme für den Präsidenten und den Vizepräsidenten abgibt. Die Wahlmänner werden von ihrer jeweiligen Partei in einem Auswahlprozess aufgestellt, der von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden ist. Normalerweise nominieren die Parteien sie auf einem Parteitag im jeweiligen Bundesstaat, oder der Zentralausschuss ("central committee") der Partei stellt sie auf.
Am Wahltag geben die Wähler jedes Bundesstaates ihre Stimme für einen der Präsidentschaftskandidaten ab. Da die Wahl indirekt ist, wählen sie damit Wahlmänner, die dann nach dem eigentlichen Präsidentschaftswahltag in dem bundesstaatenübergreifenden Wahlmännergremium ("electoral college") ihre Stimme für ihren Präsidentschaftskandidaten und seinen Vize abgeben.
Welche Wahlmänner aus einem Bundesstaat in das Wahlmännergremium geschickt werden, wird in 48 US-Bundesstaaten nach dem Mehrheitswahlrecht ermittelt: Alle von einem Staat entsandten Wahlmänner gehören derselben Partei an, selbst wenn diese in dem betreffenden Staat nur mit einem hauchdünnem Vorsprung gewonnen haben sollte ("Winner takes all").
Wie viele Delegierte ein Bundesstaat entsendet, ist von seiner Größe abhängig. Jeder Staat schickt so viele gewählte Electors, wie er Senatoren und Abgeordnete im Kongress stellt. Die meisten Wahlmänner, nämlich 55, hat zurzeit Kalifornien, gefolgt von New York (31) und Florida (27). Bevölkerungsarme Staaten wie zum Beispiel Alaska oder Montana entsenden das Minimum von drei Wahlmännern. Obwohl der Hauptstadtbezirk Washington D.C. keine stimmberechtigten Vertreter im Kongress hat, entsendet auch er drei Wahlmänner ins Gremium.
Wahlmännergremium
Das Electoral College ist ein Kollegium von insgesamt 538 Vertretern der einzelnen US-Bundesstaaten, das den US-Präsidenten und seinen Vize wählt - denn Amerikas Bürger entscheiden nicht direkt darüber, wer sie regiert, sondern nur über die Zusammensetzung des Gremiums, das den Präsidenten wählt.
Das Wahlmännergremium tritt physisch nie an einem Ort zusammen. Stattdessen versammeln sich die Wahlmänner im Dezember nach der Wahl durch das Volk in den Hauptstädten ihrer Bundesstaaten, um ihre Stimme abzugeben. Dabei richten sie sich in ihrer Entscheidung traditionell nach dem Votum des Volkes, zwingend vorgeschrieben ist das jedoch nicht in allen Staaten. Die Wahlmänner-Stimmen werden dann nach Washington geschickt, wo sie während einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses im Januar ausgezählt werden. Der amtierende Vizepräsident kann dann endlich das offizielle Ergebnis der Präsidentschaftswahlen verkünden, das in der Regel ja schon kurz nach der allgemeinen Wahl bekannt ist, weil die Zahl der Wahlmänner jedes Kandidaten feststeht.
Wenn keiner der Präsidentschaftskandidaten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, sieht der 12. Zusatzartikel der Verfassung vor, dass die Wahl durch das Repräsentantenhaus entschieden wird. In diesem Fall wählt das Repräsentantenhaus den Präsidenten per Mehrheitsentscheid unter den drei Kandidaten aus, die die höchste Anzahl an Wahlmännerstimmen erhalten haben. Jeder Staat gibt dann eine Stimme ab. Wenn keiner der Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, entscheidet hingegen der Senat per Mehrheitsentscheid über den Vizepräsidenten, wobei sich jeder Senator für einen der beiden Kandidaten mit der größten Anzahl an Wahlmännerstimmen entscheiden muss.
"Winner takes all"
In 48 US-Bundesstaaten gilt bei den Präsidentschaftswahlen das Mehrheitswahlrecht: Alle Wahlmännerstimmen eines Staates werden komplett dem Präsidentschaftskandidaten zugeordnet, der in diesem Bundesstaat die meisten Wählerstimmen erhalten hat - "Der Sieger bekommt alles" ("The winner takes it all"). Der in diesem Staat unterlegene Präsidentschaftskandidat geht leer aus, ganz gleich wie viele Stimmen der Bürger er auf sich vereinigen konnte - diese Stimmen entfallen.
Präsident wird, wer die Mehrheit der Stimmen von den Wahlmännern bekommt, die jeder einzelne Bundesstaat in das staatenübergreifende Wahlmännergremium (electoral college) schickt. Ob der Präsidentschaftskandidat auch die Mehrheit der in den USA abgegebenen Stimmen (popular vote) bekommen hat, ist für die Präsidentenwahl hingegen nicht entscheidend. So führt das Prinzip "Der Sieger bekommt alles" dazu, dass die Wahl kein genaues Bild vom wahren Kräfteverhältnis im ganzen Land gibt.
Nur in den Bundesstaaten Nebraska und Maine gilt das System des "Winner takes all" nicht. Hier werden die Wahlmänner nach dem Verhältniswahlrecht ermittelt: Die Wahlmännerstimmen werden proportional zu den auf die Kandidaten entfallenen Wählerstimmen zwischen den Parteien aufgeteilt.


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: