Frankreichs Ex-Präsident Sarkozy: Comeback mit Sammelbüchse

Von Stefan Simons, Paris

Frankreichs Konservative: Sie rufen wieder nach "Super-Sarko" Fotos
REUTERS

Nicolas Sarkozy beendet nach 14 Monaten seine politische Abstinenz. Seine Partei hat ein gewaltiges Finanzproblem, bis Ende Juli muss sie elf Millionen Euro zurückzahlen. In der Not setzen die Konservativen ausgerechnet auf den Ex-Präsidenten.

Ansprachen in Hongkong oder London, Auftritte in Montreal und New York: Seit seiner Niederlage im vergangenen Jahr spielt Frankreichs ehemaliger Staatschef Nicolas Sarkozy den Jetsetter auf internationalem Vortragsparkett. Der Ex-Politiker, der seine Karrierepläne kurz mit "Knete scheffeln" angegeben hatte, verteilt Ratschläge zur Wirtschafts- oder Finanzkrise, äußert sich zur Zukunft von Umwelt und Klima - stets gegen satte Honorare.

Doch nun hat Sarkozy trotzdem ein Geldproblem - wenn auch nur indirekt. Bei seinem Budget für den Wahlkampf 2012 hat er das gesetzliche Limit überschritten, der Verfassungsrat bestätigte vergangene Woche eine Entscheidung der Finanzaufsicht für Wahlkämpfe.

Kurz: Sarkozys Budget wurde nicht anerkannt, nachträglich werden ihm die Zuschüsse gestrichen. Bis zum Ende des Monats muss die Partei rund elf Millionen Euro zurückzahlen - Frankreichs wichtigste Oppositionspartei, so ein ehemaliger Schatzmeister, "steht vor dem Bankrott".

"Eine Petitesse", schimpfen Sarkozys Freunde von der UMP über die Entscheidung. Den zulässigen Kostenrahmen von 22,5 Millionen Euro überschritt die Partei mit 2,1 Prozent. UMP-Anhänger wittern eine Verschwörung der amtierenden Sozialisten oder gar eine politisch motivierte "Menschenjagd".

Rückkehr des "Super-Sarko"

In ihrer Not appellierten die UMP-Granden an ihren ehemaligen Champion. Und der Ex-Präsident, wegen seiner Hyperaktivität einst "Super-Sarko" genannt, begann sein Comeback - in der Hand die Sammelbüchse. Er startete einen Spendenaufruf und ließ per Facebook wissen: "Ich bitte Sie, Ihren Beitrag zu leisten, wie auch ich es tun werde." Am Montag trat er gar 14 Monate nach seinem Auszug aus dem Elysée und seinem Abschied von der Politik bei einem Parteitreffen der UMP auf - und wurde stürmisch umjubelt.

Sarkozys Auftritt bedeutet eine strategische Wende. Es ist die Gelegenheit für den Ex-Staatschef, den selbstgewählten Politikverzicht zu beenden. Sein Unterstützungsappell vor mehr als 800 Parteifreunden, gerichtet an Basis und Sympathisanten der Konservativen, entlarvt allerdings auch den desolaten Zustand der UMP, die Sarkozy einst von einer überholten Honoratiorenpartei zur perfekten Wahlkampfmaschine umgebaut hatte.

Die UMP war einmal die reichste Partei des Spektrums, jetzt hat sie mehr als 55 Millionen Euro Schulden angehäuft. Die Mandatsverluste bei den Wahlen zur Nationalversammlung 2012 hat die staatliche Unterstützung - berechnet nach der Anzahl der gewonnenen Abgeordnetensitze - von 33 Millionen auf knapp 20 Millionen Euro schrumpfen lassen. Und nach der doppelten Niederlage ist die Zahl der Mitglieder gesunken, ebenso wie die Großzügigkeit der Spender deutlich nachgelassen hat.

Grabenkämpfe in der UMP

Obendrein sind die Konservativen beim Ringen um die Nachfolge Sarkozys tief zerstritten: Auf der einen Seite Jean-François Copé, derzeit an der Spitze der Partei, der den Konservativen einen deutlichen Rechtsruck verordnen möchte, eine Annäherung an die Rechtsradikalen des Front National (FN) nicht ausgeschlossen. Auf der anderen Seite François Fillon, der Ex-Premier Sarkozys, der die UMP im etablierten konservativen Fahrwasser halten möchte und für den jedes Paktieren mit FN-Extremisten von Marine Le Pen undenkbar ist.

Sarkozy hatte sich bisher von dem unappetitlichen Lagerwahlkampf ferngehalten, äußerte sich mit gelegentlichen Seitenhieben auf den sozialistischen Nachfolger François Hollande, gab sich beim morgendlichen Jogging als schulterklopfender Promi und zeigte sich als treusorgender Ehemann an der Seite von Carla Bruni.

Trotz mehrerer laufender Verfahren wegen des Verdachts illegaler Wahlfinanzierung, Korruption und Bestechung, hoffen viele stramme Konservative auf die Rückkehr ihres Idols. Der UMP-Spendenaufruf ließ die Begeisterung sogar weiter steigen: In einer Umfrage des Sonntagsblattes "Journal de Dimanche" stieg die Zahl der Franzosen, die 2017 auf Sarkozy als Kandidaten der Konservativen setzen, binnen einer Woche von 61 auf 79 Prozent.

Ex-Präsident Sarkozy profitiert von der Krise der UMP, die Notlage zeigt ihn als verantwortungsbewussten Parteimann. "Keine Frage, er verkörpert Führung", sagt Ex-Ministerin Nadine Morano.

Bei einem fröhlichen Treffen der Konservativen am Wochenende in Ferté-Imbault drängelten sich die Gäste geradezu danach, UMP-Chef Copé ihre Schecks zu überreichen. Und am Sonntagnachmittag erreichte der Spendenstand auf der eigens eingerichteten Internetseite nach nur drei Tagen die Höhe von 1,5 Millionen Euro.

Die Angriffe von Sarozys Vertrauten auf den Verfassungsrat könnten sich allerdings als Bumerang erweisen. "Sarkozy findet damit zu seiner polarisierenden Haltung zurück", kommentiert Pascal Perrineau, Direktor des Politischen Forschungszentrums in Paris, "das ist sein Markenzeichen." Die UMP bleibt zudem schwach. Sie hat 2012 die Präsidentschafts- und Abgeordnetenwahlen klar verloren.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 14 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. wenn der jetzige Chef
aueronline.eu 08.07.2013
So weitermacht, bringt er Sarkozy nochmal ganz nach oben. Neben allen Qualitäten, die ein vorderster Staatsmann haben sollte, braucht es vor allem Charisma, und das hat der kleine Franzose reichlich. Das hilft über einige Schwächen hinweg. Ich finde ihn übrigens gut, richtig gut.
2. schade wie schade
materialist 08.07.2013
Zitat von aueronline.euSo weitermacht, bringt er Sarkozy nochmal ganz nach oben. Neben allen Qualitäten, die ein vorderster Staatsmann haben sollte, braucht es vor allem Charisma, und das hat der kleine Franzose reichlich. Das hilft über einige Schwächen hinweg. Ich finde ihn übrigens gut, richtig gut.
Schade dass Sarkotzi mit der Sammelbüchse nicht vor mir steht ,er würde etwas bekommen ...in die Fresse,sorry.
3. Elf Millionen Peanuts....
espressoli 08.07.2013
Monsieur Sarkozy, da vermutlich ausser der deutschen Bundeskanzlerin keiner so wirklich möchte, dass Sie wieder in Frankreich regieren, wenden Sie sich am besten direkt an die "Merkelsche Gelddruckrei"... Madame Merkel hilft sicherlich gerne, bei lächerlichen elf Millionen Schulden... Sind doch nichts weiter als Peanuts, die sie sicherlich gerne versenkt, um dafür wieder die gewohnten, medialen Sarkozy-Küsschen zu bekommem, verbunden mit Ihrer "Ja-Sagerei", egal zu welchem Thema... Bitte verschonen Sie Deutschland und Europa mit ihrem "Allerwelts-Grinsen", das sich die deutsche Kanzlerin offensichtlich von ihnen abgeschaut hat... Lassen Sie Hollande nur machen... er ist besser als sein - medialer - Ruf - und Merkel kriecht er auch nicht ständig in die "Rückseite"...
4. optional
the_informed 08.07.2013
unter sarkozy hat frankreich den letzten rest souverenität, die es sich nach WK2 bewahren konnte verloren und ist in die reihen der anderen us-vasallen eingetreten zu dennen allen voran großbritannien und unter anderem auch deutschland gehören.
5. verwundert
doubledutch 08.07.2013
Zitat von materialistSchade dass Sarkotzi mit der Sammelbüchse nicht vor mir steht ,er würde etwas bekommen ...in die Fresse,sorry.
Ich weiss leider nicht genau, wie Ihr konstruktiver Beitrag einzuschätzen ist. Vielleicht erläutern Sie Ihre Aussage etwas? Dann verstehen wir vielleicht besser, was Sie gegen den Kleinen haben. Immerhin tat der noch etwas, erst recht im Vergleich zu dem Clown den wir gerade hier in Frankreich unseren Monsieur le President nennen. Mit freundlichen Grüssen aus Frankreich.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Nicolas Sarkozy
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 14 Kommentare
  • Zur Startseite

Fläche: 543.965 km²

Bevölkerung: 63,461 Mio.

Hauptstadt: Paris

Staatsoberhaupt:
François Hollande

Regierungschef: Manuel Valls

Mehr auf der Themenseite | Frankreich | Frankreich-Reiseseite