Umstrittene Auszählung Kommission erklärt Kenias Präsidenten zum Wahlsieger - Aufruhr in Nairobi

Kenias Wahlkommission hat Amtsinhaber Kibaki zum Gewinner erklärt: Bei der Präsidentschaftswahl habe er deutlich mehr Stimmern erzielt als Herausforderer Raila Odinga. Tausende Anhänger des Oppositionskandidaten protestieren - doch Kibaki wurde bereits vereidigt.


Nairobi - Die Nachricht birgt politischen Sprengstoff: Der Leiter der Wahlkommission, Samuel Kivuitu, hat Amtsinhaber Mwai Kibaki bei der Präsidentenwahl in Kenia zum Sieger erklärt. Kibaki habe 4. 584.721 Stimmen erhalten, rund 232.000 Stimmen mehr als sein Konkurrent Raila Odinga. Nur wenige Minuten nach der Bekanntgabe wurde Kibaki bereits vereidigt.

Alexander Graf Lambsdorff, der Chef der 150 EU-Wahlbeobachter, sagte dem "Tagesspiegel": "Der Auszählprozess ist nicht glaubwürdig, wir haben Beweise für Unregelmäßigkeiten in verschiedenen Wahlkreisen."

Anhänger Odingas protestierten nach Angaben eines AFP-Korrespondenten in Nairobis größtem Armenviertel Kibera gegen den Wahlausgang. Sie riefen Parolen wie "Kein Frieden". Die Polizei schoss in die Luft, um die Menge zu zerstreuen. Ein Polizeihubschrauber überflog den Slum, in dem Odingas Wahlkreis liegt.

Odinga hatte zuvor unter Protest die Pressekonferenz verlassen, bei der das Endresultat verkündet wurde. Er wirft Kibaki Wahlbetrug vor. Lange Zeit hatte Odinga auf der Basis vorläufiger Zahlen wie ein überraschend sicherer Sieger ausgesehen, obwohl Umfragen wochenlang auf eine äußerst knappe Entscheidung hingedeutet hatten.

Kurzzeitig musste die kenianische Polizei den Chef der Wahlkommission vor Tumulten in Sicherheit bringen, die bei der Bekanntgabe des Wahlergebnisses ausbrachen. Handgemenge und laute Zwischenrufe setzten ein, als Kivuitu mit der Verlesung der umstrittenen Zahlen begann. Ein Mann näherte sich dem Podium und rief "Gerechtigkeit" und "Dies ist kein Polizeistaat".

Wegen des knappen Wahlausgangs kam es seit Samstag zu blutigen Ausschreitungen, mindestens 14 Menschen kamen dabei ums Leben.

jul/dpa/Reuters/AFP



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