Umstrittene Memoiren Bush soll bei anderen Autoren geklaut haben

Hat George W. Bush für seine Memoiren bei anderen Autoren abgeschrieben? In seinem Buch "Decision Points" finden sich nach Recherchen der "Huffington Post" auffällige Ähnlichkeiten zu anderen Werken und Zeitungsartikeln.

George W. Bush auf PR-Tour für sein Buch: Auffällige Ähnlichkeiten
AFP

George W. Bush auf PR-Tour für sein Buch: Auffällige Ähnlichkeiten


Washington - Die Memoiren von George W. Bush wurden als "fesselnd" angekündigt, niemals gehörte Details sollten in dem Buch enthüllt werden. In einigen Punkten hat "Decision Points" dieses Versprechen auch gehalten - etwa mit Bushs Erklärung, er habe die Foltermethode "Waterboarding" persönlich angeordnet. Das war neu - und könnte den früheren US-Präsidenten nachträglich noch in Schwierigkeiten bringen.

In anderen Fällen scheinen die Erinnerungen aus dem Weißen Haus jedoch alles andere als originär zu sein: Bush habe sich bei Passagen aus Büchern und Presseartikeln bedient, berichtet die "Huffington Post". Die vernichtende Schlussfolgerung des Politblogs: Bush sei zu faul, seine eigenen Memoiren zu schreiben.

Die "Huffington Post" stützt ihren Vorwurf durch den Abgleich verschiedener Passagen und Zeitungsartikel. Demnach berichtet Bush zum Beispiel von einem Gespräch mit John McCain, das in dieser Form anscheinend nicht stattgefunden hat. In Bezug auf eine Truppenaufstockung im Irak heißt es in Bushs Buch: "'Ich kann keinen Erfolg garantieren', sagte er, 'aber ich kann ein Scheitern garantieren, falls wir diese neue Strategie nicht übernehmen." Es klingt, als habe McCain dies im direkten Gespräch mit Bush gesagt.

Doch schon 2007 wird McCain in einem Artikel der "Washington Post" fast identisch zitiert: "'Ich kann keinen Erfolg garantieren, aber ich kann ein Scheitern garantieren, falls wir diese neue Strategie nicht übernehmen', sagt er."

Nur ein Zufall? Die "Huffington Post" listet weitere Passagen auf, in denen beinahe wörtlich aus Presseartikeln abgeschrieben wurde.

Inspiration bei Starautor Woodward?

In "Decision Points" beschreibt Bush auf Seite 205, wie der neu gewählte afghanische Präsident Hamid Karzai am Tag seiner Amtseinführung einem tadschikischen Kriegsherrn begegnet: "Als Karzai allein über das Rollfeld ging, fragte ein erstaunter tadschikischer Warlord, wo all seine Männer seien. Karzai sagte: 'Warum, General, ihr seid meine Männer. Alle von euch, die Afghanen sind, sind meine Männer.'"

Eine präzise Schilderung des Dialogs - dabei war Bush gar nicht vor Ort. Das schreibt er laut "Huffington Post" selber an anderer Stelle in seinem Buch. Inspiration könnte er sich bei einem Artikel aus dem Magazin "New York Review of Books" geholt haben. Dort schrieb der Autor Ahmed Rashid im Februar 2004: "Als die zwei Männer sich auf dem Rollfeld die Hand gaben, schaute Fahim [der tadschikische Warlord] erstaunt. 'Wo sind eure Männer, fragte er. Karzai drehte sich in seiner entwaffnend höflichen Art zu sprechen zu ihm. 'Warum, General', antwortete er, 'Ihr seid meine Männer - ihr seid alle Afghanen und meine Männer...'"

Aus dem Buch "Bush at War" von Starautor Bob Woodward soll sich der frühere Präsident gleich mehrfach bedient haben - eine besonders bemerkenswerte Pointe, schließlich wurde das Werk bei seiner Veröffentlichung vom Weißen Haus als unpräzise kritisiert. Zumindest in Bezug auf Bushs Rede nach dem Terroranschlag vom 11. September 2001 ähneln sich beide Bücher überraschend stark. Obwohl es Tausende von Rufen der Zuhörer gegeben haben muss, erinnert sich Bush an dieselben zwei wie Woodward.

Auf Seite 148 von "Decision Points" heißt es: "Ein Mann schrie, 'lass mich nicht hängen'. Ein anderer rief direkt in mein Gesicht, 'was auch immer nötig ist.' Und in Woodwards Buch? Dort heißt es auf Seite 68: "'Was auch immer nötig ist', riefen sie. Einer zeigte auf Bush als dieser vorbeiging und rief: 'Lass mich nicht hängen.'"

Ein Verlagsvertreter wies den Vorwurf zurück, Bush habe unangemessen gehandelt. Die Ähnlichkeiten seien vielmehr Ausdruck von Genauigkeit. Für die "Huffington Post" ist der Fall dennoch klar. Memoiren sollten die Version des Autors erzählen, heißt es in dem Bericht. Bushs Buch sei allerdings eine Sammlung von Versionen anderer Leute.

Die Memoiren des 43. US-Präsidenten hatten international viel Aufsehen erregt. Nachdem seine "Waterboarding"-Anordnung bekannt geworden war, verteidigte Bush seinen Entschluss in der britischen "Times". Durch die Foltermethoden seien zwei Anschläge in London verhindert worden, sagte der Texaner. Britische Sicherheitsbehörden widersprachen.

In Deutschland gab es Streit um Bushs Behauptung, der damalige Kanzler Gerhard Schröder habe ihm bei einem Gespräch am 31. Januar 2002 militärische Unterstützung für einen Feldzug gegen den Irak zugesichert. Schröder widersprach vehement. Bush sage "nicht die Wahrheit", so der Altkanzler.

Unabhängig von diesem heiklen Punkt waren in "Decision Points" an mehreren Stellen Ungenauigkeiten und geschönte Betrachtungen aufgefallen. So hält Bush in seinem Buch an der Behauptung fest, der Irak habe zumindest "Kapazitäten" zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen gehabt.

hut

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