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Umstrittener General: Arabische Liga schickt die "Schlange" nach Syrien

Von Yassin Musharbash

Die Arabische Liga schickt Beobachter nach Syrien. Sie sollen helfen, dem Blutvergießen ein Ende zu bereiten. Doch der Chef der Mission steht in der Kritik: Der sudanesische General Mohammed al-Dabi - Spitzname "die Schlange" - soll Massenmorde in Darfur zugelassen haben.

Mohammed al-Dabi: General mit engsten Verbindungen zum Schlächter-Regime im Sudan Zur Großansicht
AFP

Mohammed al-Dabi: General mit engsten Verbindungen zum Schlächter-Regime im Sudan

Berlin - Die Arabische Liga hat ausgerechnet einen Vertrauten des vom Internationalen Strafgerichtshof wegen Völkermords gesuchten sudanesischen Präsidenten Omar al-Baschir zum Chef ihrer Beobachtermission in Syrien ernannt.

Gegen den 63 Jahre alten sudanesischen General Mohammed Ahmad al-Dabi besteht zwar selbst kein Haftbefehl. Aber die auf den Völkermord in Darfur spezialisierte NGO "Enough Project" kritisierte die Bestallung Dabis scharf: "Anstatt den General ein Team leiten zu lassen, das mit der Untersuchung mutmaßlicher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschheit in Syrien beauftragt ist, sollte der Internationale Strafgerichtshof besser nach Beweisen gegen den General für ähnliche Verbrechen im Sudan suchen."

Hintergrund der Kritik ist, dass Dabi aufs Engste mit dem Regime Omar al-Baschirs und dessen verheerender Politik in der Region Darfur verbunden ist.

Noch am Tag seiner Machtübernahme im Jahr 1989 ernannte Baschir Dabi zum Chef des Militärgeheimdienstes, danach amtierte er als Chef des Auslandsgeheimdienstes, von 1996 bis 1999 war Dabi dann verantwortlich für die Bekämpfung des Aufstandes im Südsudan. Es folgte ein Zwischenspiel als Botschafter in Katar. Ab 2004 hatte er jedoch verschiedene Positionen im Zusammenhang mit dem Konflikt in der Region Darfur inne, zuletzt war er für die Verhandlungen mit der Uno über Sanktionen zuständig.

Schaute al-Dabi beim Massenmorden weg?

In Darfur waren im Februar 2003 Kämpfe zwischen nicht-arabischen Rebellen und der arabisch-dominierten Regierung sowie verbündeten arabischen Milizen ausgebrochen. Im Verlauf des Konfliktes starben verschiedenen Schätzungen zufolge Hunderttausende Menschen, Millionen wurden vertrieben. Es kam zu einer humanitären Krise, die bis heute anhält. Gegen mehrere Regime-Angehörige erließ der Internationale Strafgerichtshof Haftbefehle. Zu al-Dabis Rolle schreibt "Enough Project": "Während der Zeit, in der er (…) die Umsetzung des Darfur-Sicherheitsabkommens beaufsichtigte, kam es mutmaßlich zu Menschenrechtsverletzungen und Völkermord."

Im britischen "Guardian" kritisierte auch der Nahost-Analyst Michael Rubin die Berufung: Dabi habe in seiner Funktion in Darfur "internationale Anstrengungen zur Begrenzung des Massenmordens, das die sudanesische Regierung in der West-Provinz durchzuführen versuchte, unterlaufen".

Dabi, der 63 Jahre alt ist und laut der libanesischen Tageszeitung "al-Akhbar" den Spitznamen "Schlange" trägt, hat sich zu den Vorwürfen nicht geäußert; er richtete lediglich allgemein aus, dass er erst nach den letzten Absprachen mit der Arabischen Liga in Kairo überhaupt etwas zu der Beobachtermission sagen werde.

Auch die Arabische Liga kommentierte Kritik an der Ernennung des Generals bislang nicht. In verschiedenen arabischen Presseberichten wird allerdings angedeutet, dass die Berufung Dabis kalkuliert gewesen sein könnte: Sudan, so heißt es, habe derzeit noch die besten Beziehungen zu Damaskus. Möglich also, dass die Liga sich etwas davon verspricht, wenn ein Sudanese bei Assads Leuten vorspricht.

Teile der Opposition gegen Liga-Mission

Die Mission, die Syriens Machthaber Baschar al-Assad erst nach langem Zögern zuließ, soll dafür sorgen, dass die Gewalt ein Ende findet, verhaftete Demonstranten freikommen und sich das Militär aus Städten und Wohngegenden zurückzieht. In Syrien tobt seit neun Monaten ein Volksaufstand gegen das diktatorische Regime, in dessen Verlauf bislang Schätzungen zufolge 5000 Menschen getötet worden sind, die große Mehrheit Zivilisten.

Laut al-Dschasira ist ein Vorauskommando der Mission der Arabischen Liga bereits in Syrien eingetroffen, es besteht aus 30 bis 50 Personen. Die Mission soll später aus bis zu 200 Beobachtern bestehen, heißt es in Zeitungsberichten. Ob die Beobachter tatsächlich Zugang zu allen Landesteilen erhalten werden, ist noch nicht abzusehen.

Teile der syrischen Opposition haben derweil zu Protesten gegen die Mission aufgerufen. Ihrer Meinung nach handelt es sich um ein Ablenkungsmanöver des Regimes: Indem Baschar al-Assad der Liga-Initiative zustimmt, versuche er nur zu verhindern, dass sich der Uno-Sicherheitsrat ernsthaft mit dem syrischen Vorgehen beschäftigt.

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1.
dilinger 23.12.2011
Zitat von sysopDie Arabische Liga schickt Beobachter nach Syrien. Sie*sollen helfen, dem Blutvergießen ein Ende zu bereiten. Doch der Chef der Mission steht in der Kritik: Der sudanesische General Mohammed al-Dabi mit dem*Spitznamen "die Schlange"*soll Massenmorde in Darfur zugelassen haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,805550,00.html
Tja, ein echtes Dilemma, aber was soll die Arabische Liga auch machen? Bis vor kurzem war ja auch Syrien noch eine tragende Säule dieser "Wertegemeinschaft", eine Interessenvertretung von mehr oder minder korrupten und brutalen Despoten. So auf die Schnelle lassen sich nun mal keine integeren "Friedenstauben" in den eigenen Reihen finden, die das Ganze überwachen könnten, zumal es solche ja auch noch nie gegeben hat.
2. xxx
simon23 23.12.2011
Zitat von sysopDie Arabische Liga schickt Beobachter nach Syrien. Sie*sollen helfen, dem Blutvergießen ein Ende zu bereiten. Doch der Chef der Mission steht in der Kritik: Der sudanesische General Mohammed al-Dabi mit dem*Spitznamen "die Schlange"*soll Massenmorde in Darfur zugelassen haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,805550,00.html
Wen sollen Katar, Saudi-Arabien und Sudan denn sonst schicken? Menschenrechtler? Wo sollen sie die denn hernehmen? Aus ihren Gefängnissen?
3. hier könnte ihre Werbung stehen!
Ghanima22 23.12.2011
Zitat von sysopDie Arabische Liga schickt Beobachter nach Syrien. Sie*sollen helfen, dem Blutvergießen ein Ende zu bereiten. Doch der Chef der Mission steht in der Kritik: Der sudanesische General Mohammed al-Dabi mit dem*Spitznamen "die Schlange"*soll Massenmorde in Darfur zugelassen haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,805550,00.html
Das liest sich in dem Artikel wie die Beschreibung eines kompetenten und fähigen Mannes. Also eine gute Wahl für diese PR Uebung.
4. Die arabische Liga!
AKI CHIBA 23.12.2011
Zitat von sysopDie Arabische Liga schickt Beobachter nach Syrien. Sie*sollen helfen, dem Blutvergießen ein Ende zu bereiten. Doch der Chef der Mission steht in der Kritik: Der sudanesische General Mohammed al-Dabi mit dem*Spitznamen "die Schlange"*soll Massenmorde in Darfur zugelassen haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,805550,00.html
arabischer Fühling lässt die Wüsten erblühen - Yasmin duftet - Es darf gewählt werden - Mordgesellen kümmern sich um Blutvergießen - Fantasiaspiele - Es weihnachtet, wenn Schiiten und Sunniten sich die Schädel einschlagen. Westliche Werte von Marokko bis zum Hindukusch! Wartet nur balde....!
5. Wird schwer...
beckhambauer 23.12.2011
... einen zu finden, der in der Arabischen Welt keinen Dreck am Stecken hat. Aber der Spiegel kann ja weiter suchen.
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