Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko Obama stoppt Ölbohrungen in der Arktis

Die USA ziehen Konsequenzen aus der Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko: Präsident Barack Obama will in den kommenden sechs Monaten keine neuen Tiefsee-Ölbohrungen mehr zulassen - auch die Kontrollen auf Bohrinseln sollen verschärft werden.

Barack Obama: Der US-Präsident zieht Konsequenzen aus der Ölkatastrophe
REUTERS

Barack Obama: Der US-Präsident zieht Konsequenzen aus der Ölkatastrophe


Washington - Barack Obama reist am Freitag erneut in die von der Ölpest betroffene Region am Golf von Mexiko, aber der US-Präsident will schon jetzt politische Stärke zeigen: Washington werde als Konsequenz aus der Umweltkatastrophe in den kommenden sechs Monate keine neuen Tiefsee-Ölbohrungen mehr genehmigen, erklärte am Donnerstag ein Regierungsberater.

Die US-Regierung brauche die Zeit, um die Gründe für die Ölpest vor der US-Küste zu untersuchen. Obama werde am Donnerstag eine entsprechende Ankündigung machen. Demnach will die Regierung auch die Sicherheitsvorschriften für Ölbohrungen auf offener See und die Kontrollen auf Bohrinseln verschärfen.

Von der Entscheidung betroffen ist unter anderem der Energiekonzern Shell, der diesen Sommer in der Arktis nach Öl bohren wollte. Die Pläne des niederländisch-britischen Unternehmens waren in den vergangenen Wochen wegen der Ölpest kontrovers diskutiert worden. Mark Begich, demokratischer Senator des Bundesstaates Alaska, stellte sich hinter den Konzern: Er sei frustriert, da die Entscheidung der Obama-Regierung weitere Verzögerungen und höhere Kosten für die heimische Öl- und Gasproduktion bedeute, sagte er.

Obama gerät wegen seines Krisenmanagements zunehmend in die Kritik. In einer Umfrage für CNN zeigten sich 51 Prozent unzufrieden mit dem Vorgehen der Regierung. Vertreter des am stärksten betroffenen Bundesstaates Louisiana fordern angesichts der immer wieder fehlgeschlagenen Versuche von BP, das Leck im Golf von Mexiko zu schließen, ein entschiedeneres Einschreiten der Regierung.

BP rechnet frühestens am späten Donnerstagabend mit Klarheit, ob der jüngste Versuch im Kampf gegen die Ölpest ein Erfolg ist. Der Konzern hatte am Mittwoch damit begonnen, große Schlammmassen in das Bohrloch zu pumpen. Ob die sogenannte "Top Kill"-Methode wie erhofft das unablässig sprudelnde Öl stoppt, werde man frühestens heute am späten Abend wissen, sagte BP-Chef Tony Hayward. BP-Manager Doug Suttles erklärte, alles verlaufe bislang nach Plan. "Es ist aber noch zu früh zu sagen, ob die Aktion erfolgreich ist." Er betonte allerdings, die Operation könne unter Umständen auch noch länger dauern.

Operation "Top Kill": Livestream vom Ölleck

Der Konzern BP überträgt im Internet den Abdichtversuch am Bohrloch im Golf von Mexiko.

Hier geht es zum Live-Stream

Verlaufe alles wie vorgesehen, wolle man die Quelle mit Zement versiegeln. Sollte die Operation aber fehlschlagen, gebe es weitere Optionen, den Ölfluss zu stoppen. Dazu zähle, am Bohrloch ein weites Sicherheitsventil auf dem bereits existierenden zu installieren.

BP hatte die Erfolgschancen des noch nie in 1600 Metern Tiefe angewandten Verfahrens zuvor auf 60 bis 70 Prozent beziffert. Eines der größten Risiken sei, dass sich das Leck durch den Beschuss mit Schlamm noch vergrößern könne, hieß es.

Bei dem "Top Kill"-Verfahren werden mit großem Druck pro Minute Tausende Liter Schlamm durch das Sicherheitsventil ("Blowout Preventer"), das auf dem Bohrloch sitzt, dem ausströmenden Öl entgegengepumpt. Um zu verhindern, dass zu viel Schlamm nach oben aus dem Ventil entweicht, könnten zusätzlich geschredderte Reifen, Golfbälle und andere Gummiteile hineingeschossen werden.

Nach den Worten von Konteradmiral Mary Landry von der US-Küstenwache sind mittlerweile 160 Kilometer Küste in Louisiana durch das Öl betroffen. Es seien Strände wie auch Marschland verschmutzt worden. In einigen Fällen handele es sich um schweres Öl, in anderen lediglich um einen Film. Der Einsatz gegen die Ölpest kostete ihren Angaben zufolge BP bislang 750 Millionen Dollar (615 Millionen Euro). Die US-Regierung habe bisher 100 Millionen Dollar ausgeben müssen, die sie allerdings von dem Ölkonzern zurückerhalte.

hen/dpa/Reuters



Forum - Obama - gutes Ölkrisen-Management?
insgesamt 3552 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
nurmeinsenf 26.05.2010
1. Andere Optionen?
Geschludert worden ist vor allem in der Vergangenheit. Die Tiefseebohrungen hätte nur unter anderen Sicherheitsauflagen durchgeführt werden dürfen. Jetzt wo das Kind in den Brunnen gefallen ist, ist guter Rat teuer. Offenbar hat niemand so richtig gute Antworten darauf, wie man das Leck verschließt. Woher soll Obama die nehmen? Mehr als alle Ansätze zum Abdichten mit den nötigen Ressourcen zu unterstützen und anschließende Schadensbegrenzung/-seitigung zu treiben, wird nicht möglich sein. Wirklich schön ist das alles nicht, vor allem in der Region - Amerika hat seinen Umwelt-GAU.
Haio Forler 26.05.2010
2. .
Zitat von sysopBarack Obama gerät in der US-Ölkatastrophe in Louisiana zunehmend unter Druck: Der US-Präsident wird heftig kritisiert, weil er sich in der Krise weiter auf BP verlässt. Hat Barack Obama das Krisenmanagement im Griff?
Was soll er machen? Tauchen und sich draufsetzen?
Simpso, 26.05.2010
3.
Zitat von Haio ForlerWas soll er machen? Tauchen und sich draufsetzen?
Ja, ne... wäre Bush das gewesen, wänrem it absoluter Sicherheit die Kommentare sehr viel bösartiger ausgefallen. Es ist aber aschon richtig, weder Bush noch Obama können zaubern.
Epic Fail 26.05.2010
4. ...
Zitat von nurmeinsenfGeschludert worden ist vor allem in der Vergangenheit. Die Tiefseebohrungen hätte nur unter anderen Sicherheitsauflagen durchgeführt werden dürfen. Jetzt wo das Kind in den Brunnen gefallen ist, ist guter Rat teuer. Offenbar hat niemand so richtig gute Antworten darauf, wie man das Leck verschließt. Woher soll Obama die nehmen? Mehr als alle Ansätze zum Abdichten mit den nötigen Ressourcen zu unterstützen und anschließende Schadensbegrenzung/-seitigung zu treiben, wird nicht möglich sein. Wirklich schön ist das alles nicht, vor allem in der Region - Amerika hat seinen Umwelt-GAU.
Nicht? Der Iran hat angeboten das Leck zu schließen, die meinten das es eine Kleinigkeit wäre. Aber da gibts ja momentan Stress mit Atomverhandlungen und da kann man ja nicht so einfach die Hilfe annehmen. Und noch dazu schuldet man dann dem Iran noch etwas, das geht ja mal garnicht. Da wird lieber der Golf von Mexiko geopfert. ;)
Hilfskraft 26.05.2010
5. Technik, Know-how, Manpower
"Den staatlichen Krisenteams fehlt Technik, Know-how, Manpower" Wo ist der legendäre Patriotismus der Amis? Daß es an Technik und Know-how fehlt, leuchtet ein. Frage: Wie sieht es damit bei uns aus? Sind zwar "nur" 70 Meter, aber die müssen auch bewältigt werden, im Falle des Falles. Manpower fehlt? Ein 300Millionen-Volk und keine Manpower? Wenigstens die Küstenbewohner könnten Hand anlegen und Säuberungsaktionen organisieren. Auch wenn es nichts nützt, käme es besser in den Medien rüber. Mir scheint, daß das den meisten Amerikanern am Popöchen vorbei geht. Dann fahren sie eben woanders hin, zum Baden. H.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.