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Votum über Unabhängigkeit: Briten drohen Schottland mit Verlust des Pfunds

Schottische Banknoten: Keine Chance auf eine Währungsunion Zur Großansicht
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Schottische Banknoten: Keine Chance auf eine Währungsunion

Im September entscheiden die Schotten, ob sie sich vom britischen Königreich loseisen. Mit dem Pfund würde das Land aber auch danach gern weiter bezahlen. Nun erhöht London den Druck: Spaltet sich der Nachbar ab, kann er sich seine eigene Währung suchen.

London/Edinburgh - Dieses Datum dürften sich viele Schotten dick im Kalender markiert haben: Am 18. September 2014 entscheidet das Land, ob es sich von Großbritannien abspaltet und ein unabhängiger Nationalstaat wird. Noch sind jedoch jede Menge Fragen offen, wenn es um die Details dieses neuen Staates geht. Eine solche Frage: Womit sollen die Bürger bezahlen? Geht es nach den Vorstellungen der regierenden Schottischen Nationalpartei (SNP), behält das Land auch nach einer Unabhängigkeit das britische Pfund.

Doch von einer solchen Währungsunion halten die großen Parteien in London gar nichts. Ihre Botschaft gen Norden: Wenn ihr euch abspaltet, braucht ihr auch eure eigene Währung. Wie der britische "Guardian" berichtet, soll eine entsprechende Warnung noch in dieser Woche ausgesprochen werden. Schon jetzt hat sich Premier David Cameron geäußert: "Es wäre sehr schwierig, eine Währungsunion nach einer Unabhängigkeit Schottlands zu rechtfertigen."

Laut "Guardian" sollen in den kommenden Tagen ähnliche Botschaften in Serie folgen. Geplant sind demnach Mitteilungen aller großen Parteien. Damit soll der Druck auf die schottische Bevölkerung, aber auch die Politiker erhöht werden. Es wird erwartet, dass vor allem der Finanzsektor - und damit auch die Währung - großen Einfluss auf die Entscheidung der Bürger haben wird. Labour-Politiker Edward Balls schickte eine klare Warnung an die Adresse von Schottlands Regierungschef Alex Salmond, dessen Nationalpartei die Abspaltung forciert: "Er kann nicht einfach so behaupten, dass Schottland das Pfund behält. Es gibt nur einen Weg, das zu garantieren: nämlich im Königreich zu bleiben."

Im November 2013 hatte die SNP ihren Fahrplan für den Weg in die Unabhängigkeit vorgestellt. Das 670 Seiten dicke Weißbuch mit dem Titel "Schottlands Zukunft" dient vor allem als Argumentationshilfe, um der zögernden Bevölkerung die Ängste vor dem historischen Schritt zu nehmen. Es sieht unter anderem diese Schritte vor:

  • Staatsoberhaupt und Flagge: Die Queen bleibt Staatsoberhaupt, der Union Jack wird durch den Saltire, die schottische Flagge, ersetzt.
  • Währungsunion: Schottland soll das Pfund behalten, die Bank of England bleibt die Notenbank und damit die letzte Sicherung gegen einen Staatsbankrott.
  • Staatsschulden: Schottland würde einen Teil der britischen Staatsschulden übernehmen - aber nur, wenn London der Währungsunion zustimmt.
  • Ölvorkommen: Die Staatseinnahmen aus der Ölförderung vor der schottischen Küste sollen komplett nach Edinburgh fließen.
  • Atom-U-Boote: Die in Schottland stationierte britische Atom-U-Bootflotte soll bis 2020 entfernt werden.
  • EU und Nato: Schottland will Mitglied von EU und Nato bleiben. Laut EU-Kommission müsste das Land einen Antrag auf Neumitgliedschaft stellen.
  • Außenpolitik: 70 bis 90 schottische Botschaften und Konsulate würden geschaffen.
  • Militär: Eine neue schottische Armee mit 15.000 Mann sowie ein eigener Geheimdienst sind geplant.
  • Öffentlich-rechtlicher Rundfunk: Eine eigene Scottish Broadcasting Corporation soll die BBC ersetzen, aber weiterhin BBC-Sendungen ausstrahlen. Die Schotten müssten nicht auf ihre Lieblingssendungen verzichten, versicherte Salmond.
  • Grenzkontrollen: Schottland, Großbritannien und Irland bilden eine gemeinsame Reisezone. Aber Schottland will nicht dem europäischen Schengen-Abkommen beitreten.

Als Unabhängigkeitstag wird der 24. März 2016 angestrebt. Es könnte ein spannendes Votum werden: Laut einer Umfrage der Zeitung "Scotland on Sunday" waren Anfang Februar 29 Prozent der Befragten für eine Abspaltung, 42 Prozent dagegen. Wichtig wird daher die Gruppe der Unentschlossenen. Sie lag in der letzten Erhebung bei 29 Prozent.

jok

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insgesamt 190 Beiträge
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    Seite 1    
1. Die Schotten könnten wir in der EURO-Zone gut
analyse 12.02.2014
gebrauchen !
2. Eigentor
cdrenk 12.02.2014
So blöd werden die Briten nicht sein...den Euro in Schottland zu haben wär wirklich zu dumm...
3. Unabhängig?
jan-gemüsehauerr 12.02.2014
"Währungsunion: Schottland soll das Pfund behalten, die Bank of England bleibt die Notenbank und damit die letzte Sicherung gegen einen Staatsbankrott." Das ist wohl ein Witz den nur die schotten lustig finden. Die Briten werden , wie im Artikel erwähnt, da nicht mit machen. Entweder ganz oder garnicht!
4. Briten drohen?
Liberalitärer 12.02.2014
Zitat von sysopGetty ImagesIm September entscheiden die Schotten, ob sie sich vom britischen Königreich loseisen. Mit dem Pfund würde das Land aber auch danach gern weiter bezahlen. Nun erhöht London den Druck: Spaltet sich der Nachbar ab, kann er sich seine eigene Währung suchen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/unabhaengigkeit-briten-drohen-schottland-mit-verlust-des-pfunds-a-952912.html
Schotten sind auch Briten - irgendwie. Die Überschrift gibt das so nicht wieder.
5. ???
humpensack 12.02.2014
Zitat von analysegebrauchen !
Wozu, dass der Whiskeyimport besser läuft, die Bank of Scotland??
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