Unabhängigkeitserklärung Polizei erschießt mehrere Menschen in West-Kamerun

Der englischsprachige Teil Kameruns hat symbolisch seine Unabhängig erklärt. Darauf reagierte die Zentralregierung in Yaoundé mit Gewalt. Mehrere Menschen starben durch Polizeikugeln.

Polizisten in Buea führen einen Mann ab
REUTERS

Polizisten in Buea führen einen Mann ab


Wochenlange Unruhen im englischsprachigen Westen Kameruns sind am Wochenende eskaliert, mindestens sieben Menschen wurden von Sicherheitskräften getötet.

In den englischsprachigen Provinzen Nordwest und Südwest riefen Separatisten am Sonntag symbolisch einen eigenen Staat Ambazonien aus. Menschen hissten weißblau-gestreifte Fahnen und sangen die ambazonische Hymne, wie auf wackeligen Handy-Videos zu sehen ist.

Vor und nach der symbolischen Unabhängigkeitserklärung starben Menschen in den Städten Ndop und Kumbo durch Polizeigewalt. Drei wurden bei Kundgebungen und drei weitere bei einem angeblichen Gefängnisausbruch von Polizisten erschossen. In Kumbo wurde bereits am Samstag ein junger Mann durch Polizeikugeln getötet.

ktivisten ktivisten zufolge gab es noch mehr Opfer. "Ich habe bislang mindestens 15 bestätigte Tote aus mehren Städten", sagte Ilaria Allegrozzi, Mitarbeiterin von Amnesty International in der Tschadseeregion.

Die Kameruner im englischsprachigen Landesteil machen ein Fünftel der Bevölkerung aus, sie fühlen sich vom mehrheitlich französischsprachigen Teil des Landes und der Regierung in Yaoundé seit Langem benachteiligt. Viele fordern daher föderative Strukturen oder die volle Unabhängigkeit.

Die kamerunische Regierung unter Langzeitpräsident Paul Biya lehnt das vehement ab, sie hat die Zahl der Sicherheitskräfte in der Region am Wochenende deutlich aufgestockt sowie ein Ausgeh- und Versammlungsverbot erlassen.

Anführer der Separatisten in den zwei westlichen Provinzen entlang der nigerianischen Grenze ist Sisisku Ayuk, der sich am Sonntag zum "Präsidenten" des neuen Staates ausrief. Als Termin wurde der 1. Oktober gewählt, weil sich an diesem Tag vor 56 Jahren die englisch- und französischsprachigen Teile nach dem Ende der Kolonialherrschaft zu einem Kamerun zusammengeschlossen hatten.

Präsident Biya verurteilte "alle Akte der Gewalt". Er rief die Unabhängigkeitsbefürworter zum Dialog mit der Zentralregierung auf. Biya regiert das Land seit bald 35 Jahren diktatorisch, ihm werden Vetternwirtschaft und Korruption vorgeworfen. Als Regierungschef des ölreichen Landes am Golf von Guinea gilt er als einer der reichsten Staatschefs des Kontinents.

cht/AFP



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