Petraeus-Affäre: Ermittlung gegen Afghanistan-Kommandeur Allen
Amerikas Sicherheitsbehörden werden von einem weiteren Skandal erschüttert. Nach dem geschassten CIA-Chef Petraeus wird jetzt auch gegen Afghanistan-Kommandeur John Allen ermittelt. Er soll eine nicht "angemessene Kommunikation" mit einer Frau unterhalten haben, die im Zentrum der Petraeus-Affäre steht.
Washington - Gegen den kommandierenden US-General in Afghanistan, John Allen, wird ermittelt. Er soll möglicherweise eine "unangemessene Kommunikation" mit einer Frau gehabt haben, die im Zentrum des Skandals um den ehemaligen CIA-Chef David Petraeus steht. Das verlautete am Dienstag aus dem US-Verteidigungsministerium.
Damit ist ein weiterer hoher US-General von einem Skandal bedroht. Allen ist in seinem Job als oberster US-Militär in Afghanistan der Nachfolger von David Petraeus. Petraeus trat in der vergangenen Woche von seinem Posten als CIA-Chef zurück, weil er eine außereheliche Affäre mit seiner Biografin Paula Broadwell hatte.
US-Verteidigungsminister Leon Panetta erklärte, die Bundespolizei FBI habe den Fall Allen am Sonntag an das Pentagon übergeben. Er habe am Montag Ermittlungen gegen den Oberkommandierenden der ISAF und der US-Truppen angeordnet. Dem Pentagon zufolge bestreitet Allen jegliches Fehlverhalten.
Aus dem Umfeld Panettas heißt es, bei dem schriftlichen Austausch handele es sich um 20.000 bis 30.000 Seiten, hauptsächlich E-Mails. Allen, ein 58-jähriger Vier-Sterne-Marine-General, kommunizierte demnach mit Jill Kelley, einer langjährigen Freundin der Familie Petraeus. Die Dokumente sollen aus den Jahren 2010 bis 2012 stammen. Den Posten in Afghanistan bekleidet Allen seit Juli 2011. Aus dem Pentagon heißt es, die E-Mails würden noch ausgewertet. Deshalb gebe man derzeit noch keinen Kommentar darüber ab, welcher Natur die Beziehung zwischen Allen und Kelley sei.
Kelley galt als Auslöser der Petraeus-Affäre. Die 37-Jährige war eine enge Freundin der Familie des ehemaligen CIA-Chefs und soll Droh-E-Mails von dessen Ex-Geliebter Paula Broadwell erhalten haben. Die US-Bundespolizei hatte den Skandal aufgedeckt, nachdem sich Kelley hilfesuchend an die Behörde gewandt hatte. Nach Medienberichten sah Broadwell anscheinend in Kelley, die nach eigenen Angaben seit mehr als fünf Jahren mit Petraeus und dessen Frau Holly befreundet war, eine Nebenbuhlerin. In den E-Mails soll sie Kelley aufgefordert haben, Petraeus in Ruhe zu lassen.
Laut Panetta soll Allen während der Untersuchung seinen Posten in Afghanistan behalten. Daraus und aus der Tatsache, dass das FBI die Ermittlungen an das Pentagon übergeben hat, schließen Beobachter, dass es sich bei Allens Vergehen wohl eher um ein militärisches handelt. Nach Angaben der "Washington Post" ist Ehebruch nach dem US-militärischen Kodex USA ein Verbrechen.
Derzeit soll sich der General in den USA aufhalten. Allen ist einer der wichtigsten Vertreter der US-Streitkräfte und soll Kommandeur der amerikanischen Truppen in Europa werden - allerdings wurde diese Berufung vorerst auf Eis gelegt. Allen gilt als intellektuell und aufrecht. Er machte sich im Irak als General verdient und gewann das berufliche und private Vertrauen von Präsident Barack Obama.
ler/Reuters/dapd/dpa
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- Dienstag, 13.11.2012 – 07:49 Uhr
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- "Washington Post" über die Hintergründe der Petraeus-Affäre
- "New York Times" über die Hintergründe der Petraeus-Affäre
- Porträt der "Washington Post" über Petraeus
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