Rechtsextreme: Ungarischer Politiker will Juden erfassen lassen

Die drittgrößte Partei Ungarns sorgt für Empörung. Menschen mit jüdischer Abstammung sollten registriert werden, forderte der rechtsextreme Politiker Márton Gyöngyösi vor dem Parlament. Begründung: Juden stellten ein nationales Sicherheitsrisiko dar.

Anhänger der rechtsextremen Jobbik-Partei: Immer wieder antisemitische ZwischenfälleZur Großansicht
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Anhänger der rechtsextremen Jobbik-Partei: Immer wieder antisemitische Zwischenfälle

Budapest - Der Vorschlag weckt dunkle Erinnerungen - und sorgt bei vielen für Entsetzen. In Ungarn hat die rechtsextreme Jobbik-Partei gefordert, der Staat müsse die im Land lebenden Juden registrieren. Eine entsprechende Erklärung gab der Jobbik-Abgeordnete Márton Gyöngyösi vor dem Parlament in Budapest ab - und löste damit einen Sturm der Entrüstung aus.

In der Erklärung heißt es, angesichts des Konflikts zwischen Israel und der Hamas im Gaza-Streifen sei es an der Zeit, "Menschen mit jüdischer Abstammung, die hier leben, insbesondere im ungarischen Parlament und in der ungarischen Regierung, zu zählen". Diese stellten ein nationales Sicherheitsrisiko für Ungarn dar.

Jobbik ist die drittstärkste Partei in Ungarn. Die Regierung "verurteilt die Äußerungen von Márton Gyöngyösi auf das Schärfste", hieß es in einer Erklärung. Sie wende sich in aller Deutlichkeit gegen jegliche "extremistische, rassistische oder antisemitische Äußerungen" und tue alles in ihrer Macht Stehende, um diese zu bekämpfen. Der Chef der sozialistischen Partei MSZP, Attila Mesterházy, bezeichnete Gyöngyösis Äußerungen als "unverzeihlich". Vertreter jüdischer Gruppen sprachen von einer Bedrohung für Juden in Ungarn.

Nun hat die umstrittene Partei reagiert - und versucht sich in Ausreden. Am Dienstag entschuldigte sich Gyöngyösi bei seinen "jüdischen Landsleuten" und erklärte, falsch verstanden worden zu sein. So habe er lediglich eine Liste von Bürgern mit ungarisch-israelischer Staatsbürgerschaft gefordert.

Eine ungarische jüdische Organisation, die Vereinte ungarische jüdische Gemeinschaft, kündigte am Dienstag eine Klage gegen den Jobbik-Abgeordneten an. In jüngster Zeit war in Ungarn die Zahl antisemitischer Zwischenfälle deutlich gestiegen. In dem von Deutschen in der Nazi-Zeit organisierten Holocaust starben zwischen 500.000 und 600.000 ungarische Juden. Viele ungarisch-stämmige Juden leben heute in Israel.

jok/Reuters/AFP

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insgesamt 154 Beiträge
Whitejack 27.11.2012
Und, ist das etwa besser? Selbst wenn man die Politik Israels ablehnt, was können diejenigen mit ungarisch-israelischer Staatsbürgerschaft dafür? Aber die Ausrede glaubt ja ohnehin keiner. Ich würde dann auch dringend dazu [...]
Zitat von sysopAm Dienstag entschuldigte sich Gyöngyösi bei seinen "jüdischen Landsleuten" und erklärte, falsch verstanden worden zu sein. So habe er lediglich eine Liste von Bürgern mit ungarisch-israelischer Staatsbürgerschaft gefordert.
Und, ist das etwa besser? Selbst wenn man die Politik Israels ablehnt, was können diejenigen mit ungarisch-israelischer Staatsbürgerschaft dafür? Aber die Ausrede glaubt ja ohnehin keiner. Ich würde dann auch dringend dazu raten, alle anderen Bürger, die aus einem Land mit kritisch beäugter Regierung kommen, zu "registrieren". Man stelle sich nur mal vor, Romney hätte die Wahlen gewonnen, dann hätten wir alle US-Amerikaner "registrieren" müssen. Die könnten ja der Tea-Party angehören und damit eine Gefahr sein... Unfassbar, sowas.
unter_linken 27.11.2012
So weit sind wir also schon wieder und das mitten in der EU. Ich warte nur darauf, wann der erste Kommentar ums Eck kommt, Israel wäre ja selbst dran schuld. Aus der rechten oder linken Ecke ist dann auch schon egal. Beim Thema [...]
So weit sind wir also schon wieder und das mitten in der EU. Ich warte nur darauf, wann der erste Kommentar ums Eck kommt, Israel wäre ja selbst dran schuld. Aus der rechten oder linken Ecke ist dann auch schon egal. Beim Thema "Jude" ist man sich da ja einig.
Umbriel 27.11.2012
ist, daß bei genauerem Lesen des Textes nicht mehr viel vom Aufreger - Charakter der Titelüberschrift übrigbleibt. Hund beißt Mann.
ist, daß bei genauerem Lesen des Textes nicht mehr viel vom Aufreger - Charakter der Titelüberschrift übrigbleibt. Hund beißt Mann.
cyn 27.11.2012
Ist es an dieser Stelle Ihrer Meinung nach i.O., Antisemitismus zu vermuten?
Ist es an dieser Stelle Ihrer Meinung nach i.O., Antisemitismus zu vermuten?
Benjowi 27.11.2012
Wie lange will sich die EU eigentlich diesen unsäglichen Staat noch leisten. Man muss die israelische Regierung und ihre Politik nicht mögen, aber so etwas ist unglaublich!
Wie lange will sich die EU eigentlich diesen unsäglichen Staat noch leisten. Man muss die israelische Regierung und ihre Politik nicht mögen, aber so etwas ist unglaublich!
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  • Dienstag, 27.11.2012 – 17:49 Uhr
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Fläche: 93.027 km²

Bevölkerung: 9,982 Mio.

Hauptstadt: Budapest

Staatsoberhaupt:
János Áder

Regierungschef: Viktor Orbán

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Ungarische Parteien
Bund Junger Demokraten: Konservative Partei, geführt von Viktor Orbán, 46, der von 1998 bis 2002 bereits Ministerpräsident von Ungarn war. Der Spitzenkandidat hat ein Programm zur Erneuerung der Wirtschaft angekündigt und will innerhalb von zehn Jahren eine Million neue Arbeitsplätze schaffen. Dabei setzt Fidesz auf eine Politik der Steuerkürzungen.

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