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Österreich: Wien rechnet mit 10.000 Flüchtlingen aus Ungarn

Nach Stunden des Bangens fiel in der Nacht die Entscheidung: Deutschland und Österreich lassen die in Ungarn festgehaltenen Flüchtlinge einreisen. Ungarns Regierung stellte 100 Busse für die Ausreise zur Verfügung.

Die in Ungarn festgehaltenen Flüchtlinge können nach Österreich und Deutschland einreisen. Das sagte der stellvertretende Sprecher der Bundesregierung, Georg Streiter. Der Entscheidung seien mehrere Gespräche Angela Merkels mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán und dem österreichischen Bundeskanzler Werner Faymann vorausgegangen.

"Aufgrund der heutigen Notlage an der ungarischen Grenze stimmen Österreich und Deutschland in diesem Fall einer Weiterreise der Flüchtlinge in ihre Länder zu", hieß es auf der Facebook-Seite des österreichischen Bundeskanzlers in der Nacht zum Samstag.

In Budapest bestiegen Hunderte Flüchtlinge von Ungarn bereitgestellte Busse, die sie zur Grenze nach Österreich bringen sollten. Die Busse sollten zudem die rund 1200 Flüchtlinge einsammeln, die zu Fuß auf einer Autobahn in Richtung Österreich unterwegs seien, so Orbáns Stabschef János Lázár. "Die oberste Priorität ist, dass der Verkehr nicht zum Erliegen kommt", sagte er mit Blick auf die Blockade der Autobahn M1 durch den Flüchtlingsmarsch.

Nach Angaben der österreichischen Polizei sind an der Grenze bislang etwa 4000 Flüchtlinge eingetroffen. Das Innenministerium in Wien rechnet damit, dass rund 10.000 Flüchtlinge aus Ungarn nach Österreich kommen. Ungarns Regierung hatte insgesamt 100 Busse organisiert. Die Abfahrt eines Sonderzuges von der österreichischen Grenze ins Inland hat sich allerdings verzögert. Der erste Zug solle nach Salzburg fahren, hieß es von Seiten der österreichischen Bahn ÖBB. Zunächst hatte die Polizei einen Zug nach Wien für 6 Uhr angekündigt.

In den vergangenen Tagen hatte die ungarische Regierung die Kontrolle über Situation immer weiter verloren: Hunderte Menschen flohen aus Aufnahmelagern, bahnten sich aus überfüllten Bahnhöfen ihren Weg auch durch Polizeisperren in Richtung Westen.

Am Freitag hatten sich rund 2000 Asylbewerber zu Fuß auf den Weg zur österreichischen Grenze gemacht. Die Menschen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan hatten teils tagelang am Budapester Keleti-Bahnhof ausgeharrt, durften aber nicht weiterreisen. Am Budapester Ostbahnhof spielen sich seit Tagen chaotische Szene ab. Hunderte Migranten versuchten dort, in Züge in Richtung Westen zu gelangen.

Der Stabschef des ungarischen Ministerpräsidenten bekräftige am Freitag, dass sein Land von einer "Flüchtlingskrise erschüttert" werde. Schuld daran seien Deutschland und die Inkompetenz der EU.

Ministerpräsident Orbán hatte am Donnerstag während einer Pressekonferenz mit EU-Parlamentspräsident Martin Schulz in Brüssel den Andrang der Flüchtlinge bereits als deutsches Problem bezeichnet.

Der französische EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici verteidigte die Politik der Bundesregierung am Freitag dagegen: "Angela Merkels Haltung in dieser Krise verdient Respekt", sagte er am Rande eines Wirtschaftstreffens in der Türkei.

Zudem mahnte er an, dass sich eine Lösung im Umgang mit der hohen Zahl an Flüchtlingen nicht nationalistisch finden lasse, die Sorge um die Menschenrechte sei Teil der europäischen Identität.

jat/han/sun/dpa/AP/Reuters/AFP

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