Grenzübertritte Ungarn meldet Flüchtlingsrekord, in Dänemark stockt der Zugverkehr

Die Zahl der Flüchtlinge in Europa steigt weiter. Ungarn meldet einen Tagesrekord. In Dänemark gibt es noch immer große Schwierigkeiten im Bahnverkehr.

Flüchtlinge in Röszke: Immer mehr Menschen drängen über die Grenze
AP/dpa

Flüchtlinge in Röszke: Immer mehr Menschen drängen über die Grenze


Die Zahl der Menschen, die die serbisch-ungarische Grenze überqueren, hat am Mittwoch einen neuen Höchstwert erreicht. Ungarns Polizei teilt mit, sie habe binnen 24 Stunden 3321 Flüchtlinge zeitweise in Gewahrsam genommen. Das sei in diesem Jahr die bislang höchste Zahl an einem Tag - acht Menschen mehr als beim bisherigen Höchstwert. Dieser war am vergangenen Donnerstag erreicht worden.

In den ersten zehn Tagen im September haben damit fast 22.000 Menschen den Weg aus Serbien auf ungarisches Gebiet auf sich genommen.

Ungarn verfolgt seit Wochen einen extrem harten Kurs gegen Flüchtlinge, sie können kaum mit Unterstützung rechnen. In den Erstaufnahmelagern an der Grenze herrschen oft kaum haltbare Zustände.

Für die allermeisten Flüchtlinge ist Ungarn ohnehin nur ein Transitland. Sie zieht es weiter nach Österreich - und dann nach Deutschland oder Schweden. Auch in Österreich sind die Zahlen der Ankömmlinge weiter hoch. Laut Polizeiangaben haben allein am Donnerstag seit Mitternacht 3700 Flüchtlinge in Nickelsdorf die österreichisch-ungarische Grenze überquert. Sie sollen im Lauf des Tages weiter Richtung Westen fahren.

Züge rollen nicht auf dänische Fähren

Große Probleme gibt es auch in Dänemark. Zwar rollen dort einige Züge wieder über die Grenze zu Deutschland - aber nicht reibungslos. "Es gibt keine Verbindungen im Fernverkehr", sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn am Donnerstagmorgen. Auf der Homepage der Deutschen Bahn waren auch im Tagesverlauf alle ICE-Züge zwischen Hamburg und Kopenhagen mit dem Hinweis "fällt aus" versehen.

Dänemark hatte wegen des Flüchtlingsandrangs den Zugverkehr von und nach Deutschland am Mittwoch gestoppt. In Rødby auf der Insel Lolland saßen daher in zwei Zügen rund 340 Flüchtlinge stundenlang fest. In der Nacht zum Donnerstag ließ die Polizei allerdings rund 240 Flüchtlinge aus der Stadt weiterreisen. "Sie konnten den Zug hier aus Rødby nehmen", sagte ein Polizeisprecher.

Die meisten Menschen wollen weiter nach Schweden, wo weniger restriktive Asylgesetze gelten. Im ersten Quartal 2015 verzeichnete Dänemark nur 1505 Asyl-Erstanträge, Schweden dagegen 11.415.

Während die Strecke von Flensburg nach Padborg zumindest für Regionalbahnen wieder frei ist, dürfen Fähren weiter keine Züge über den Fehmarnbelt nach Lolland transportieren. Diese Regelung gilt auf unbestimmte Zeit. Auch die Autobahnen waren zweitweise gesperrt, hier rollt der Verkehr wieder.

Gabriel: "Tropfen auf den heißen Stein"

Während die Sicherheitsbehörden mit der Bewältigung des Andrangs beschäftigt sind, rätselt auch die Politik, wie sie mit der Lage umgehen soll. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat die Vorschläge von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zur Notumsiedlung von 160.000 Flüchtlingen in der EU als unzureichend bezeichnet.

Dies sei höchstens ein erster Schritt - "wenn man es freundlich sagt", sagte der Vizekanzler am Donnerstag in der Haushaltsdebatte des Bundestags. "Man kann aber auch sagen: ein Tropfen auf den heißen Stein." Weitere Schritte müssten folgen.

Gabriel mahnte zu einer realistischen Einordnung der Zahlen und verwies auf die aktuelle Zuwanderung nach Deutschland: Von den 160.000 in der EU umzuverteilenden Flüchtlingen würden rund 31.000 auf Deutschland entfallen, aber im laufenden Jahr seien allein bis Anfang dieser Woche 450.000 Flüchtlinge nach Deutschland gekommen - davon 105.000 im August.

jok/dpa/Reuters/AFP

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