Grüne Grenze Ungarn will Flüchtlinge mit Gummistöcken und Wasserwerfern abwehren

Ungarn will Flüchtlinge mit Gewalt vom Grenzübertritt abhalten. Laut Kanzleramtsminister Lázár soll auch die Armee eingesetzt werden.

Flüchtlinge an serbisch-ungarischer Grenze
AFP

Flüchtlinge an serbisch-ungarischer Grenze


Die ungarische Regierung will härter gegen Flüchtlinge vorgehen, die über die grüne Grenze ins Land kommen. Die Polizei werde an der Grenze künftig auch Wasserwerfer und Gummistöcke einsetzen, erklärte Kanzleramtsminister János Lázár. Die Sicherheitskräfte würden derzeit an der Grenzlinie keinen Kordon bilden und die Flüchtlinge nicht aktiv am Betreten des Landes hindern. "Aber die Zeit dafür wird noch kommen", fügte Lázár hinzu.

Der Politiker bestätigte frühere Medienberichte, wonach die rechts-konservative Regierung nun auch die Armee gegen Flüchtlinge einsetzen wolle. Einzelheiten nannte er keine. Das Parlament werde in der kommenden Woche die dafür nötigen rechtlichen Voraussetzungen schaffen, sagte Lázár.

Ungarn baut derzeit einen Zaun an der 175 Kilometer langen Grenze zum südlichen Nachbarn Serbien. Die Sperranlage ist fast fertiggestellt.

Nach Angaben von Bundesinnenminister Thomas de Maizière ist die Zahl der Flüchtlinge, die über die Westbalkanländer und Ungarn nach Mittel- und Nordeuropa kommen, in den vergangenen Monaten im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 600 Prozent gestiegen. Der Zuwachs bei den Menschen, die über das Mittelmeer gekommen seien, liege dagegen nur bei fünf bis zehn Prozent, sagte de Maizière in Nürnberg. "Das war nicht vorhersehbar", so der Innenminister.

Zurzeit kommen nach Angaben der Bundespolizei täglich 750 bis 800 Flüchtlinge über den Landweg von Griechenland über Mazedonien und Serbien nach Ungarn. Sie stammen demnach vor allem aus Afghanistan, Syrien und dem Irak, vereinzelt auch aus Pakistan und Eritrea.

SPIEGEL ONLINE

anr/dpa

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