Ungarischer Grenzzaun Orbán ätzt gegen Flüchtlinge

"Europa muss den Europäern gehören": Der ungarische Premier Viktor Orbán verschärft seinen Kurs gegen Flüchtlinge. Der umstrittene Zaun an der Grenze zu Serbien soll schneller gebaut werden als zunächst geplant.

  Viktor Orbán: "Den geistigen Amoklauf der europäischen Linken nicht teilen"
AP

Viktor Orbán: "Den geistigen Amoklauf der europäischen Linken nicht teilen"


Es geht ihm nicht schnell genug: Ungarns Premier Viktor Orbán will den Bau eines umstrittenen Zauns an der Grenze zu Serbien beschleunigen. Der Zaun werde bis zum 31. August fertig sein, sagte der rechtskonservative Ministerpräsident nach Angaben der ungarischen Nachrichtenagentur MTI im rumänischen Baile Tusnad. Zuvor hatte es geheißen, der Zaun solle bis Ende November stehen.

Ungarische Soldaten hatten vor knapp zwei Wochen mit dem Bau eines ersten Stücks des insgesamt 175 Kilometer langen und vier Meter hohen Grenzzauns begonnen. Die Regierung will damit den wachsenden Zustrom illegaler Flüchtlinge stoppen, die über Serbien ins Land kommen. Die meisten von ihnen stammen aus dem Irak, Afghanistan, Syrien, dem Kosovo und afrikanischen Staaten. Sie wollen in der Regel weder in Serbien noch in Ungarn bleiben, sondern in andere EU-Staaten wie Österreich oder Deutschland weiterreisen.

Das EU-Mitglied Ungarn gehört dem Schengen-Raum an, Serbien hingegen nicht.

Das ungarische Parlament hatte vor Kurzem die Asylgesetze verschärft. Wenig später begannen die Behörden, Flüchtlinge in Zeltlager außerhalb der Städte zu verbannen.

Orbán sagte nun, illegale Einwanderung sei mit Terrorismus verbunden, darüber hinaus führe sie zu einem Anstieg der Kriminalität und der Arbeitslosigkeit. "Europa muss weiter den Europäern gehören", sagte der umstrittene Regierungschef. "Die Ungarn haben entschieden, den geistigen Amoklauf der europäischen Linken nicht zu teilen."

Menschenrechtler sowie die EU haben Ungarns Zaunbau bereits scharf kritisiert. Der Zaun wird unter Einsatz von Strafgefangenen errichtet.

mka/AFP/dpa/Reuters/AP



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