Unicef-Bericht Mehr als die Hälfte der Rohingya-Flüchtlinge sind Kinder

Vor der Gewalt in Burma sind mehr als eine halbe Million Rohingya nach Bangladesch geflohen, viele von ihnen sind Kinder. Auch in den Camps des Nachbarlandes leben sie unter unmenschlichen Bedingungen.

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"Nachts wache ich auf, weil ich vor mir sehe, wie Menschen getötet werden", erzählt der 16-jährige Hossan. Er gehört zur muslimischen Minderheit der Rohingya, gegen die das burmesische Militär über Monate gewaltsam vorging. Mehr als eine halbe Million Rohingya flüchteten deshalb ins Nachbarland Bangladesch. Etwa 60 Prozent von ihnen sind nach Schätzungen der Unicef noch minderjährig. Das geht aus einem neuen Bericht des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen hervor.

Viele Kinder hätten Gewalttaten gesehen, "die kein Kind jemals sehen sollte", sagt Anthony Lake von Unicef. Sie seien durch das Erlebte der vergangenen Wochen stark traumatisiert; die burmesischen Soldaten sollen in ihren Dörfern wahllos gemordet und vergewaltigt haben. "Alle haben furchtbare Verluste erlitten", sagt Lake. So wie Hossan: "Ich habe vier Klassenkameraden verloren, und einer meiner Lehrer wurde ermordet", berichtet er.

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Ausgangspunkt des Exodus waren Ausschreitungen im August, bei denen nach offiziellen Angaben mehr als 500 Menschen getötet wurden. Den Kämpfen waren Angriffe radikaler Muslime vorausgegangen. Erst Wochen später äußerte sich die De-facto-Regierungschefin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi dazu. Zwar verurteilte sie alle Menschenrechtsverletzungen - sprach aber an keiner Stelle von Militärgewalt. Die Vereinten Nationen werfen der Armee eine "ethnische Säuberung wie aus dem Lehrbuch" vor.

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Rohingya in Burma: Durch den Schlamm nach Bangladesch

Den geflüchteten Kindern fehlt es nun in Bangladesch aber nicht nur an psychologischer Betreuung, sondern ebenso an Nahrung, medizinischer Versorgung und sauberem Wasser. Auch sanitäre Einrichtungen und Impfschutz werden dringend gebraucht, heißt es in dem Unicef-Bericht. Erst vor wenigen Wochen startete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine große Impfaktion in den Flüchtlingscamps, um die Verbreitung von Cholera zu stoppen. 650.000 Menschen sollten eine Schluckimpfung gegen die Durchfallerkrankung bekommen.

Laut Unicef leidet ein hoher Anteil der Rohingya-Kinder bereits jetzt unter akuter Mangelernährung - und jede Woche kommen mehr als zehntausend neue Flüchtlingskinder in Bangladesch an. Sie seien in den chaotischen Lagern zudem von Menschenhandel bedroht. Gleichzeitig fehlt es den Hilfsorganisation an Geld: Unicef gibt an, weitere 76 Millionen Dollar zu brauchen, um die Kinder in den Camps mit dem Nötigsten zu versorgen. Die International Organization for Migration rief eine "humanitäre Katastrophe" aus. Ihr fehlen nach eigenen Angaben mehr als 100 Millionen Dollar.


Disclaimer: Burma, Birma oder Myanmar: Drei Namen kursieren für das südostasiatische Land, das unter anderem an Thailand, China und Indien grenzt. Die Bundesregierung und die Uno verwenden die offizielle Staatsbezeichnung "Myanmar". Im angelsächsischen Raum überwiegt "Burma".

Die Briten eroberten das Land im 19. Jahrhundert und nannten ihre Kolonie "Burma". Im Deutschen wurde daraus das leicht abgewandelte "Birma". Nach der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1948 behielten die Burmesen den Landesnamen Burma bei. 1989 führte die damals herrschende Militärregierung "Myanmar" als offiziellen Staatsnamen ein. Die Bezeichnung sollte endgültig die Erinnerung an die britische Besatzungszeit tilgen. Auch andere Ortsnamen wurden "myanmarifiziert". Der SPIEGEL hat sich damals entschieden, diese Namensänderung nicht zu übernehmen.

Etymologisch leiten sich Burma und Myanmar von den Worten Bama und Myanma ab. Beide bezeichnen die größte Ethnie des Landes, die Bamar. Bama wird dabei umgangssprachlich verwendet, Myanma in der Schriftsprache. Die zwei Wörter bedeuten also das Gleiche und existieren seit Jahrhunderten nebeneinander, wobei sich Bama wahrscheinlich aus Myanma entwickelt hat.

vks

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