Finanzielles Missmanagement Unicef wirft griechischen Landesverband raus

Eine Wirtschaftsprüfung bei Unicef Griechenland hat finanzielles Missmanagement aufgedeckt. Die Zentrale hat seinen Landesverband verstoßen. Nötige Reformen seien mit dem aktuellen Komitee nicht machbar.

Flüchtling in Lager an der griechischen Grenze (Archivbild)
DPA

Flüchtling in Lager an der griechischen Grenze (Archivbild)

Von , Thessaloniki


Unicef hat die Beziehungen zu seinem griechischen Landesverband beendet. Die Organisation begründete den Schritt mit "Bedenken, die sich aus einer unabhängigen Finanzprüfung ergaben". Nach SPIEGEL-Informationen untersuchte die Prüfung einen Zeitraum von 15 Jahren und fand Beweise für finanzielles Missmanagement bei Unicef Griechenland.

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In einer Mitteilung erklärte das Kinderhilfswerk der Uno außerdem, dass die notwendigen Reformen innerhalb von Unicef Griechenland nicht mit dem aktuellen griechischen Komitee umgesetzt werden können. Das führte in Griechenland umgehend zu Spekulationen, dass die aktuellen Mitglieder des Komitees in das mutmaßliche Missmanagement involviert gewesen seien.

Sofia Tzitzikou, Präsidentin von Unicef Griechenland, sagte dem SPIEGEL, die Prüfung habe kein Fehlverhalten in den Handlungen der aktuellen Verwaltung gefunden. Diese ist seit Mai 2016 im Amt. Laut Tzitzikou ging die aktuelle Prüfung sogar auf eine vorige Prüfung zurück, die ihr eigenes Komitee angestoßen hatte. Diese sollte die Handlungen der Vorgänger überprüfen.

Sie schildert den Ablauf so: "Wir wollten sicher sein, dass wir nichts Strittiges erben. Wir waren durch die Erkenntnisse alarmiert und haben sie an die Hauptgeschäftsstelle von Unicef weitergegeben. Dann haben sie entschieden, dass eine langfristigere Prüfung nötig ist."

Tzitzikou sagte weiter, dass bei einer Organisation wie Unicef kein einziger Euro verschwendet werden dürfe. "100 Euro, die falsch eingesetzt werden, könnten 100 weniger Impfungen für Kinder bedeuten, deren Leben von ihnen abhängen."

"Alles muss ans Licht kommen"

Außerdem sagte Tzitzikou dem SPIEGEL, dass der griechische Verband und die Hauptgeschäftsstelle von Unicef Reformen für die griechischen Arbeitsabläufe diskutiert hätten. Es habe allerdings Meinungsverschiedenheiten griechischer Komitee-Mitglieder darüber gegeben, wie vorzugehen sei. Deshalb habe sich Unicef laut Tzitzikou dazu entschieden, dass die Reformen nicht durch das derzeitige nationale Komitee umgesetzt werden könnten.

Die Hauptgeschäftsstelle von Unicef machte nach einer SPIEGEL-Anfrage keine Angaben über die ursprüngliche Erklärung hinaus. Tzitzikou hat den Fall und die Erkenntnisse der Prüfung nun dem Staatsanwalt übergeben: "Alles muss ans Licht kommen", sagte sie.

Unicef ist in Griechenland seit fast 70 Jahren aktiv. Die Organisation ist an verschiedenen Projekten beteiligt und hat dabei auch mit Flüchtlingskindern zu tun. Die Programme werden weiterlaufen, Unicef Griechenland kann allerdings keine neuen Projekte übernehmen.

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