Vorwürfe des Fehlverhaltens Stellvertretender Unicef-Chef tritt ab

Er soll Mitarbeiterinnen unangemessene Textbotschaften geschickt und ihre Kleidung kommentiert haben: Nun ist der Unicef-Vizedirektor Justin Forsyth zurückgetreten. Die Vorwürfe beziehen sich auf seinen vorherigen Job.

Justin Forsyth mit Frau und Kindern in Somalia
REUTERS

Justin Forsyth mit Frau und Kindern in Somalia


Beim Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) ist ein hoher Posten vakant: Vizedirektor Justin Forsyth hat sich wegen Vorwürfen des Fehlverhaltens gegenüber Frauen am Arbeitsplatz von seinem Amt zurückgezogen. Die Fehltritte soll Forsyth nicht bei seiner Unicef-Tätigkeit begangen haben, sondern auf seinem vorherigen Posten als Chef der britischen Kinderhilfsorganisation Save The Children.

Forsyth war von drei Mitarbeiterinnen dieser Nichtregierungsorganisation vorgeworfen worden, ihnen unangemessene Textbotschaften geschickt und Kommentare über die Kleidung junger Mitarbeiterinnen gemacht zu haben. Forsyth hatte sich seinerzeit dafür entschuldigt. Unicef erklärte, von den Beschwerden über Forsyth nichts gewusst zu haben, als er 2016 angeheuert wurde.

Das sei nun auch nicht der Grund, warum er zurücktrete, teilte Forsyth mit. Die Fehler von damals seien bereits "vor vielen Jahren in einem angemessenen Prozess behandelt worden". "Ich trete zurück wegen der Gefahr, dass Unicef und Save the Children und deren Mission beschädigt werden. Zwei Organisationen, die ich liebe und verehre. Das kann ich nicht geschehen lassen."

Unicef-Chefin Henrietta Fore kommentierte seinen Weggang laut einer am Donnerstag veröffentlichten Mitteilung knapp: "Wir danken Herrn Forsyth für seine Arbeit in den vergangenen zwei Jahren", sagte sie demnach.

Uno-Generalsekretär Antonio Guterres hatte als Reaktion auf die Bewegung gegen Belästigungen von Frauen am Arbeitsplatz eine harte Linie bei der Weltorganisation angekündigt. Fehlverhalten gegenüber Mitarbeiterinnen soll nirgendwo innerhalb der Uno toleriert werden. Dazu sollen Verhaltensregeln für alle Uno-Beschäftigten festgelegt werden.

Zwischenfälle bei Hilfsorganisationen sorgten erst in der vergangenen Woche für Aufsehen. Zunächst waren Missbrauchsvorwürfe bei den Hilfsorganisationen Oxfam und Ärzte ohne Grenzen bekannt geworden (Details dazu lesen Sie hier). Nun meldete auch die Kinderhilfsorganisation Plan International mindestens sechs Fälle von mutmaßlichem sexuellem Kindesmissbrauchs. Die betreffenden Mitarbeiter seien fristlos entlassen und es sei Strafanzeige erstattet worden, teilte der niederländische Zweig der Organisation mit.

vks/dpa/AFP



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