Uno 13 weitere Massengräber im Kongo entdeckt

Bei schweren Unruhen im Kongo könnten weit mehr Menschen gestorben sein, als bislang bekannt. Uno-Berichterstatter melden aus der Unruheregion Kasai Funde weiterer Massengräber.

Uno-Blauhelme auf Patrouille in Kasai
REUTERS

Uno-Blauhelme auf Patrouille in Kasai


Offenbar hat es bei dem schwelenden Konflikt zwischen Milizen und Regierungstruppen im Zentralkongo weit mehr Tote gegeben, als bislang bekannt. Der Uno-Menschenrechtsbeauftragte für die Demokratische Republik Kongo, Jose Maria Aranaz, teilte mit, Ermittler der Vereinten Nationen hätten in zwei zentralkongolesischen Provinzen zusätzlich zu schon bekannten Massengräbern 13 weitere Gruben mit Toten entdeckt.

Die Gesamtzahl der von Uno-Ermittlern aufgefundenen Gräbern steigt damit auf 23. Wie viele Leichen sich darin befunden hätten, müssten kongolesische Ermittler herausfinden und die Regierung müsse sich erklären, sagte Uno-Vertreter Aranaz. Kinshasa hat bislang lediglich die Existenz von drei Massengräbern in der Region eingeräumt.

Die Kämpfe zwischen lokalen Milizen und Regierungstruppen hatten im August 2016 damit begonnen, dass ein lokaler Anführer, der gegen Präsident Joseph Kabila aufbegehrte, getötet worden war. Im Februar war der Konflikt in Ost- und Westkasai wieder aufgeflammt, binnen zwei Tagen starben mindestens 90 Menschen. Insgesamt wird die Zahl der Toten im Kasai-Konflikt bislang auf etwa 400 geschätzt.

Mitte März waren in der Region sechs Uno-Ermittler, ein US-Amerikaner, eine Schwedin und vier Kongolesen entführt worden. Die Leichen der zwei Weißen und eines Kongolesen wurden entstellt in einem Erdloch gefunden. Der Angriff auf Vertreter der Uno, die Menschenrechtsverletzungen aufklären wollten, hatte weltweit Bestürzung ausgelöst.

Im Kongo regiert Präsident Joseph Kabila seit Dezember ohne Mandat des Volkes, seine Zeit als Staatschef ist nach zwei Amtszeiten abgelaufen. Vermittler der katholischen Kirche hatten sich Ende März aus den Verhandlungen zwischen Kabilas Anhängern und der Opposition zurückgezogen. Die Kirchenvertreter brachen damit eine im Dezember begonnene Vermittlung ab, es kam zu Ausschreitungen in der Hauptstadt. Für April hat die kongolesische Opposition Streiks und Proteste angekündigt. Bei den letzten großen Protesten gegen Kabila hatte es im Herbst Dutzende Tote gegeben.

cht/AP/AFP

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