Uno-Bericht: 45 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht

So viele Flüchtlinge gab es zuletzt vor 18 Jahren: 45 Millionen Menschen weltweit fliehen vor Krieg, Naturkatastrophen und Vertreibung. Durch den Bürgerkrieg in Syrien dürfte die Zahl in diesem Jahr noch weiter steigen.

Syrische Flüchtlinge in der Türkei: 45 Millionen Menschen sind auf der Flucht Zur Großansicht
DPA

Syrische Flüchtlinge in der Türkei: 45 Millionen Menschen sind auf der Flucht

Genf - Ganz Spanien auf der Flucht. Oder mehr als die Hälfte der Einwohner Deutschlands. 45,2 Millionen Menschen lebten Ende 2012 als Flüchtlinge, erklären die Vereinten Nationen in ihrem Jahresbericht zum Weltflüchtlingstag an diesem Mittwoch.

Das ist der höchste Stand seit Mitte der neunziger Jahre, als die Kriege in Ex-Jugoslawien und der Völkermord in Ruanda unzählige Menschen in die Flucht trieben. "Diese Zahlen sind wahrhaft alarmierend", sagt António Guterres, Uno-Hochkommissar und Leiter des Flüchtlingshilfswerkes der Vereinten Nationen (UNHCR).

In diesem Jahr dürften sie noch weiter steigen: Allein wegen des Bürgerkriegs in Syrien rechnet die Uno für 2013 mit Millionen neuer Flüchtlinge. "Syrien löst sich als Zivilisation auf mit fast der Hälfte seiner Bürger in Abhängigkeit von Nothilfe", warnte UNHCR-Chef Guterres. Bis Ende des Jahres könnten mehr als 10 Millionen Syrer Flüchtlinge im eigenen Staat oder im Ausland sein.

Allein im zurückliegenden Jahr sind 7,6 Millionen Frauen, Männer und Kinder aus ihren Heimatorten geflohen. Das bedeute "ein neuer Flüchtling alle 4,1 Sekunden", haben Uno-Statistiker ausgerechnet. Die meisten von ihnen - 6,5 Millionen - fanden notdürftig Zuflucht innerhalb ihres Heimatlandes. Dort sind sie allerdings ebenso auf internationale Hilfe angewiesen wie jene, die sich über Grenzen geschleppt oder die Flucht in überfüllten Booten riskiert haben.

Deutschland hat die Aufnahme von 5000 Syrern versprochen. Manche kritisieren das als zu wenig. Doch der Uno gilt selbst diese Zusage als vorbildlich. Man hoffe, dass andere westliche Länder dem deutschen Beispiel folgten, sagte UNHCR-Sprecher Adrian Edwards.

Dass die Bundesrepublik mehr tut als vergleichbare Staaten, zeigt auch der neue Uno-Flüchtlingsbericht: Deutschland steht in der Liste der Aufnahmeländer nach Pakistan und dem Iran mit fast 590.000 Flüchtlingen an dritter Stelle. Bei der Zahl neuer Asylanträge lag die Bundesrepublik 2012 mit 64.500 gleich hinter dem Spitzenreiter USA (70.400) und vor Südafrika (61.500) und Frankreich (55.100).

ade/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Flüchtlinge
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback