Uno-Bericht Afghanische Behörden foltern Häftlinge an geheimen Orten

Häftlinge werden an ihren Handgelenken aufgehängt, mit Kabeln geschlagen, ihnen werden Fingernägel ausgerissen: In afghanischen Gefängnissen wird weiter gefoltert. Laut einem Uno-Bericht haben die Misshandlungen durch Geheimdienst und Sicherheitskräfte sogar zugenommen.

Häftling im Hauptgefängnis von Kandahar (Archivbild vom April 2011)
AP

Häftling im Hauptgefängnis von Kandahar (Archivbild vom April 2011)


Kabul - Keine Pressekonferenz, keine großen Worte: Die Uno hat ihren jüngsten Bericht am Sonntag ohne großes Aufheben auf ihre Website gestellt. Doch die Seiten haben es in sich. Nach Erkenntnissen der Vereinten Nationen ist Folter immer noch weit verbreitet in afghanischen Gefangeneneinrichtungen. Dafür gebe es "glaubwürdige und verlässliche Beweise", hieß es in dem Bericht der Uno-Unterstützungsmission in Afghanistan (Unama).

Die Uno hat 635 Gefangene in 89 Einrichtungen der afghanischen Sicherheitskräfte und des afghanischen Geheimdienstes NDS zwischen Oktober 2011 und Oktober 2012 befragt. Mehr als die Hälfte von ihnen sei gefoltert oder misshandelt worden, heißt es in dem Bericht.

Dazu zählten das Schlagen mit Rohren oder Holzstöcken, Elektroschocks, Vergewaltigung, das Herausreißen von Fingernägeln oder die Androhung einer Exekution. Einige Gefangene wurden demnach auch an ihren Handgelenken an der Decke aufgehängt.

In dem Bericht wird ein namentlich nicht genannter NDS-Vertreter zitiert, der die Anwendung von Folter durch den Geheimdienst bestätigt. Dies geschehe an "mehreren geheimen Orten". Folteropfer würden später unter anderem in das NDS-Hauptquartier in Kabul verlegt, um einer genaueren Untersuchung aus dem Weg zu gehen, heißt es weiter.

Misshandlungen an geheimen Orten

Ein NDS-Sprecher verwies für eine Stellungnahme auf das Präsidialamt von Hamid Karzai in Kabul. Dieses teilte mit, sich am Montag zu dem Bericht äußern zu wollen.

Bereits vor einem Jahr hatte die Uno ausführlich über "systematische Folter" in Gefängnissen durch afghanische Sicherheitsbehörden berichtet. Verändert hat sich seither offenbar nichts, wie der jüngste Bericht zeigt. Die Folter hat sogar noch zugenommen - vor einem Jahr sagten 24 Prozent der Gefangenen, dass sie gefoltert werden. Zudem sollen afghanische Behörden im vergangenen Jahr versucht haben, die Misshandlungen vor der Uno zu verstecken. Zuvor hatte die Regierung den Kabul den damaligen Uno-Bericht als "falsch" bezeichnet.

Als Konsequenz aus dem vorherigen Bericht hatte die Nato-Truppe Isaf zumindest zeitweilig keine Gefangenen mehr an bestimmte afghanische Haftanstalten überstellt. Betroffen sind dem jüngsten Bericht nach allerdings trotzdem noch immer Gefangene, die von den Nato-Truppen an die afghanischen Behörden übergeben worden waren.

Der jüngste Uno-Bericht könnte die ohnehin nicht einfache sukzessive Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die Afghanen erschweren. Die Nato will im kommenden Jahr ihre Truppen aus Afghanistan abziehen. Im Rahmen dieser Übergabe gibt die Nato bereits jetzt die Kontrolle über Hunderte Gefangene an afghanische Behörden ab.

Zudem werden in Zukunft weniger internationale Beobachter vor Ort sein, die afghanische Einrichtungen kontrollieren können.

lgr/Reuters/AP

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ronald1952 21.01.2013
1. Man hätte diesem Pack auf keinen
Zitat von sysopAPHäftlinge werden an ihren Handgelenken aufgehängt, mit Kabeln geschlagen, ihnen werden Fingernägel ausgerissen: In afghanischen Gefängnissen wird weiter gefoltert. Laut einem Uno-Bericht haben die Misshandlungen durch Geheimdienst und Sicherheitskräfte sogar zugenommen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/uno-bericht-afghanische-behoerden-foltern-haeftlinge-a-878685.html
Fall helfen sollen gegen die Taliban, denn genau das haben sie dort verdiehnt. Die Machthaber dort haben nichts, aber auch garnichts gelernt und wollen es auch nicht.Demokratie und Menschenrechte sind Worte, die diese Herrschaften nie Verstehen werden und wollen. Das einzige was diese Herrschaften wollen, ist unser Geld und unsere Truppen, damit sie sich an der Macht halten können. Und für ein sochles Pack sterben unsere Soldaten. Es ist eine wirkliche Schande und man sollte unsere Soldaten gegen unsere Politiker austauschen, die können dann den bösen Feind zu Tode quatschen. Es dürfte damit eines klar sein, schon der erste Tode Deutsche Soldat, war einer zu viel! schönen Tag noch,
maki1961 21.01.2013
2. wo die das
wohl gelernt haben? doch nicht etwa von den guten?
ewspapst 21.01.2013
3.
Zitat von sysopAPHäftlinge werden an ihren Handgelenken aufgehängt, mit Kabeln geschlagen, ihnen werden Fingernägel ausgerissen: In afghanischen Gefängnissen wird weiter gefoltert. Laut einem Uno-Bericht haben die Misshandlungen durch Geheimdienst und Sicherheitskräfte sogar zugenommen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/uno-bericht-afghanische-behoerden-foltern-haeftlinge-a-878685.html
Da die USA den Afghanen doch die Demokratie und Moral gebracht haben, hoffe ich, dass sich die Afghanen auch an die Vorgaben der USA Politiker halten und nur die Folterungen ausführen, wie sie in Guantanamo und in den geheimen Gefängnissen der CIA praktiziert werden. Das kann man doch nach den Schulungen mit westlichen Werten erwarten, oder sehe ich das ganz falsch.
jayram 21.01.2013
4. Obwohl
doch so "reich beschenkt" von den demokratischen Nationen dieser Welt scheint es nicht "besser" zu werden in diesem Land. Hauptgrund sind die Religion, die Koruption und die mangelnde Bildung. Aber auch das Vorbild der demokratischen Nationen die in Afganistan sind, scheint viele Afganen nicht zu beeindrucken. Wieso verschleissen wir unsere Energie in diesem öden Flecken auf dem Globus. Laßt alle Menschen die in Freiheit leben möchten dort wo sie möchten, einreisen, und laßt den Rest, dazu gehört auch der Herr Präsident, ihre schmutzigen Geldgeschäfte und andere ihren religiösen Schwachsinn weiterleben.
Bernhard.R 21.01.2013
5. Raus aus Afghanistan !
Dieser Ruf ist an den tauben Ohren unserer Politiker jahrelang abgeprallt. Aus der afgh. Geschichte nix gelernt und in einem Krieg, der schon doppelt so lange, wie WK II dauert, unsere Jungs sinnlos geopfert. Für ein korruptes System mit einem Präsident, der sich nur mit Wahlfälschung halten kann. Nach dem längst überfälligen Abzug werden Westerwelle, Maiziere oder deren Nachfolger uns das noch als Erfolgsgeschichte verkaufen. Aber die Deutschen haben es nicht besser verdient. Die einzige Friedenspartei ist gerade aus einem Landtag geflogen. Das werden die beiden o. g. als Bestätigung ihrer Politik ansehen und Soldaten auch nach Mali schicken. Schließlich schulden wir France Solidarität. Warten wir es mal ab.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.