Uno-Bericht: Libyen liefert massenweise Waffen nach Syrien und Mali 

Uno: Waffenbasar Libyen Fotos
AFP

Die Vereinten Nationen sind alarmiert wegen der großen Zahl von Waffenexporten aus Libyen. Das nordafrikanische Land liefert nach Uno-Angaben Sprengstoff, Munition, Granaten, schwere und leichte Waffen in Konfliktstaaten wie Syrien und Mali - und das trotz bestehenden Embargos.

New York - Die Vereinten Nationen haben massive Waffenexporte aus Libyen in Konfliktländer ausgemacht. Die Transporte aus dem nordafrikanischen Land erreichten eine "alarmierende Rate" - und das trotz eines bestehenden Waffenembargos, stellten Uno-Experten in einem am Dienstag in New York veröffentlichten Bericht fest. Libyen sei ein großer Waffenlieferant für Konfliktherde wie Mali und das Bürgerkriegsland Syrien.

Die Lieferungen nach Syrien wurden dem Uno-Bericht zufolge von verschiedenen libyschen Städten aus organisiert. Seit mehr als zwei Jahren herrscht in Syrien Bürgerkrieg, bisher wurden mehr als 70.000 Menschen getötet.

Libyen habe sich nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi zu einer der wichtigsten Bezugsquellen für Waffen verschiedenster Art entwickelt, sagen die Experten der Vereinten Nationen. Sie listen Sprengstoff und Munition, Granaten, schwere und leichte Waffen sowie Verteidigungssysteme auf. Viele Fälle seien bewiesen, andere würden noch untersucht. Die Waffen seien in mehr als zwölf Länder geschickt worden, heißt es in dem Report.

Waffenbasar aus Gaddafi-Beständen

Die Sicherheitskräfte in Libyen sind seit dem Sturz Gaddafis schwach. Viele Teile des Landes werden von bewaffneten Milizen kontrolliert. Libyen entpuppt sich mehr und mehr als Waffenbasar.

In Bunkern und Lagerhäusern hatte Gaddafi im ganzen Land Waffen gehortet. Panzerfäuste, Sturmgewehre, Granaten, Plastiksprengstoff, Raketenwerfer, Flugabwehrraketen und Panzerabwehrminen - sein Arsenal galt als eines der größten im Nahen Osten.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hatte bereits Ende März vor den Waffen gewarnt. "Dies ist die größte Verbreitung von Waffen, die wir jemals gesehen haben", hatte HRW-Experte Peter Bouckaert SPIEGEL ONLINE gesagt. "In den kommenden Jahrzehnten wird das für die Region eine Gefahr darstellen." Bouckaert hatte während der Aufstände die Waffenbestände dokumentiert, er warnte bereits im April 2011 vor einem libyschen "Waffenbasar".

In Libyen selbst wurden Gaddafi-Waffen bei dem Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi eingesetzt, bei der US-Botschafter Christopher Stevens und drei weitere Menschen ums Leben kamen. Die USA fürchten, dass weitere Waffen in die Hände von Terroristen fallen könnten.

heb/Reuters

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insgesamt 189 Beiträge
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1. Hat jemand...
nokaner 10.04.2013
wirklich etwas anderes erwartet? Hat man wirklich geglaubt die vielen Rebellengruppen würden schön -die vom Westen gesponsorten- Waffen abgeben und eine friedfertige Demokratie ausrufen? Ich jedenfalls nicht... Damals wurde man als Kritiker des arabischen Frühlings in den Foren regelrecht beschimpft.
2. optional
coal 10.04.2013
ja wo kommen sie denn her die Waffen?
3. Wen überrascht das?
festuca 10.04.2013
Eigentlich spricht die Meldung für sich und bedarf keines tiefschürfenden Kommentars. Das Dilemma kann sich der Westen selbst an die Fahne heften.
4. Und das Beste ist,
nokaner 10.04.2013
...dass man uns das als das tödliche Erbe Gaddafis verkauft. Als ob Gaddafi etwas dafür kann, wenn die Waffenkammern geplündert werden und die neue ach-so-demokratische Regierung nichts dagegen tut.
5. Un
copperfish 10.04.2013
Zitat von sysopDie Vereinten Nationen sind alarmiert wegen der großen Zahl von Waffenexporten aus Libyen. Das nordafrikanische Land liefert nach Uno-Angaben Sprengstoff, Munition, Granaten, schwere und leichte Waffen in Konfliktstaaten wie Syrien und Mali - und das trotz bestehenden Embargos. Uno-Bericht: Libyen liefert Waffen nach Syrien und Mali an - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/uno-bericht-libyen-liefert-waffen-nach-syrien-und-mali-an-a-893507.html)
Ich weiß gar nicht was die wollen. Diese Urdemokraten und Menschenrechtsverfechter sind doch von "unseren" allseits beliebten Kriegsverbrechern und Völkerrechtsbrechern eingesetzt worden. Da darf es nicht wundern, wenn die nach deren menschenverachtenden "Denk"mustern handeln. Letztlich muss die Waffenindustrie laufen! Das ist das letzte "Völkerrecht"!
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Regierungschef: Abdullah al-Thani (Oberstes Gericht erklärt am 9. Juni 2014 die Wahl von Ahmed Maitik für ungültig)

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