Uno-Trinkwasserreport Wasser überall, aber kein Tropfen zu trinken

Millionen Menschen weltweit haben immer noch keinen gesicherten Zugang zu Trinkwasser. Ein neuer Bericht zeigt, wo die Lage besonders prekär ist.

imago/ Nature Picture Library

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Malerisch liegen die Salomonen im türkis strahlenden Meer, die Sonne glitzert auf der Wasseroberfläche - so kennt man die Inselgruppe aus dem Reisekatalog. Wer würde bei diesem Anblick auf die Idee kommen, dass es hier, nordöstlich von Australien, ein Wasserproblem gibt?

Doch das Idyll täuscht: Von zehn Bewohnern haben vier keinen gesicherten Zugang zu sauberem Trinkwasser. So geht es aus der jüngsten Statistik der Weltgesundheitsorganisation WHO und des Uno-Kinderhilfswerks Unicef hervor. Damit gehören die Salomonen zu jener kleinen Gruppe von Ländern, in denen sich die Trinkwassersituation in den vergangenen Jahren nicht verbessert, sondern verschlechtert hat: Noch zur Jahrtausendwende hatten nur zwei von zehn Salomonern keinen gesicherten Wasserzugang.

Entsalzung von Meerwasser ist aufwendig und teuer

Auch in anderen Inselstaaten, wie den Komoren oder Mikronesien, ist der Anteil der unterversorgten Menschen gestiegen. Gerade auf Inseln ohne eigene Quelle und mit nur kleinen Grundwasservorkommen stellt die Trinkwasserversorgung eine echte Herausforderung dar: Nicht immer gibt es Leitungen vom Festland oder von Nachbarinseln, das Entsalzen von Meerwasser ist aufwendig und teuer. In manchen Fällen sind die Menschen schlicht auf Regenwasser angewiesen. Aber auch Naturkatastrophen können die Situation verschlechtern: Auf den Salomonen etwa zerstörte ein Tsunami 2007 zahlreiche Wassertanks, Süßwasserbrunnen wurden mit Meerwasser verschmutzt - Zehntausende Menschen von der Wasserversorgung abgeschnitten.

Weltweit haben heute 89 Prozent der Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Nach der Definition von WHO und Unicef bedeutet das: Wasser, das nicht verunreinigt ist, also ohne Abkochen getrunken werden kann, das aus gesicherten Leitungen oder Brunnen kommt und jederzeit verfügbar ist - auf dem eigenen Grundstück oder in der nahen Umgebung.

Trotz solcher Rückschläge verbessert sich die Gesamtsituation von Jahr zu Jahr, das Ziel der Vereinten Nationen scheint greifbar nah: Bis 2030 soll jeder Mensch Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. So hat es sich die Staatengemeinschaft auf ihre Liste der sogenannten Nachhaltigkeitsziele geschrieben. Doch gräbt man tiefer in den Statistiken, zeigt sich auch, wo noch Nachholbedarf besteht. Probleme gibt es nicht nur in ein paar Inselstaaten.

Besonders große Unterschiede tun sich auf, wenn man die Stadt- und Landbevölkerung getrennt voneinander betrachtet. Es sind vor allem Länder in Afrika und Ozeanien, in denen das Gefälle geradezu gigantisch ist: Während in den Städten mindestens zwei Drittel der Einwohner Wasserzugang haben, ist es auf dem Land, wo die Mehrheit der Bevölkerung lebt, weniger als ein Drittel.

Brunnen und Leitungen müssen überwacht und instand gehalten werden. Das ist auf dem Land schwerer zu gewährleisten, weil oft das technische Wissen vor Ort fehlt. Auch Unruhen und Bürgerkriege können dazu führen, dass Wasserleitungen beschädigt oder nicht mehr ausreichend gewartet werden.

Weltweit haben in den Städten 95 Prozent der Menschen sauberes Wasser, im ländlichen Raum sind es nur 80 Prozent. Dabei hat sich die Situation auf dem Land in den vergangenen Jahren stetig verbessert, in den Städten ist sie unverändert geblieben. Setzt sich diese Entwicklung in den kommenden Jahren fort, könnte die Versorgung auf dem Land in rund 20 Jahren mit jener in den Städten gleichziehen.

Mangelhafte Sanitärversorgung

Doch Trinkwasser allein reicht noch nicht: Menschen brauchen auch Zugang zu Toiletten, in denen Exkremente sicher entsorgt werden können. Sie brauchen Seife zum Waschen. Frauen benötigen darüber hinaus Binden, Tampons oder vergleichbare Artikel. Auch diese Mindestanforderungen an die Hygiene sind in den Uno-Nachhaltigkeitszielen unter dem Stichpunkt Wasser festgehalten: Jeder Mensch soll bis 2030 Zugang zu einer ordentlichen Sanitärversorgung haben.

Dieser Teil des Ziels wirkt deutlich unrealistischer: Nur 68 Prozent der Menschen haben heute Zugang zu einer sanitären Einrichtung, die den Vorstellungen der Uno entspricht. Auf dem Land ist es sogar nur jeder Zweite - und dabei handelt es sich wohlgemerkt nicht um einen negativen Ausreißer, sondern um den weltweiten Durchschnitt.

Auch bei der Sanitärversorgung verbessert sich die Situation - allerdings deutlich langsamer. Bis tatsächlich jeder Mensch unter ausreichenden Hygienebedingungen leben kann, dürften noch mehrere Jahrzehnte vergehen.

Anmerkung: In einer früheren Version des Textes hieß es, weltweit hätten drei von zehn Menschen keinen gesicherten Zugang zu Trinkwasser. Diese Angabe bezog sich auf den gesicherten Zugang, der laut Uno-Definition zum Beispiel bedeutet, dass Trinkwasser direkt auf dem Grundstück verfügbar ist. Die Angabe, dass 89 Prozent der Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, bezieht sich auf den Basis-Zugang, bei dem die Wasserquelle auch 30 Minuten vom Haus entfernt sein kann.

Wie hoch der Anteil der Menschen mit Zugang zu sauberem Trinkwasser und zu sanitären Einrichtungen in den einzelnen Ländern weltweit ist, erfahren Sie in unserem interaktiven Quiz zum Thema Wasser.

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fluxus08 27.07.2017
1. Herr Pauly kann dem geneigten Leser sicherlich erklären,
warum im von ihm verfassten Artikel geschrieben steht, dass laut WHO 89% der Menschheit weltweit über sauberes Trinkwasser verfügen, mit aufsteigender Tendenz, er aber von 3 von 10 Menschen = 70% in seiner Überschrift spricht? Ist er des Rechnens nicht fähig, oder wird wieder bewusst eine reisserische Überschrift gewählt?
geirröd 27.07.2017
2. Heute führt man Kriege um Öl...
...schon morgen um Wasser. Ich sehe große Wirtschaftsmächte um die Vorherrschaft des Wasserhandels streiten. Der Bevölkerung wird kruz- und mittelfristig sicher nicht geholfen. Nur wer zahlt, kommt in den Genuß von Trinkwasser.
aschie 27.07.2017
3. Traurig
Wir geben 150 Mio für G 20 Treffen aus.Die USA bauen ein Flugzeugträger für 13 Milarden.Wir geben jedes Jahr hunderderte Milionen für Entwiklunghilfe aus. Klar kann jeder sagen das geht mich nichts an .Aber das die Menscheit nicht mal in der Lage ist jedem genug Wasser bereit zu stellen ist schon entäuschend für den Homo Sapiens die selbsternannte Krone der Schöpfung. Wichtiger sind Golfplätze in der Wüste. An den Christlich Abendländischen Kulturkreis hier wäre doch ein Betätigungsfeld für christliche Nächstenliebe. War nicht so gemeint ich weis das es euch nicht interessiert wenn woanders Menschen verecken.
Freidenker10 27.07.2017
4.
Wasser ist der Rohstoff für den in Zukunft , wie beim Öl heute Kriege geführt werden. Israel und Palästina machen es schon vor. Das eine Land baut mit Unmengen an Wasser Orangen an und das andere Land bekommt noch die Resttropfen aus der Leitung. China vergiftet seine eigentlich ausreichenden Wasser Ressourcen selbst. Auch in Europa liest man doch immer öfter über Wassermangel in irgendwelchen Südländern. Keine Ahnung ob der Klimawandel auch irgendwann Mittel und Nordeuropa beeinflußen, aber z.Z. haben wir ja wahrlich genug Wasser! Wahrscheinlich können wir in einigen Jahren Wasser über die Ölpipelines an arabische Länder verkaufen und werden reich wie die Scheichs heute...
Hartmut Schwensen 27.07.2017
5.
Wir traurig: wir geben weltweit Milliarden für Entwicklungshilfe aus und die Ergebnisse sind wirklich jämmerlich Man könnte ja einfach mal die Gegegenthese aufstellen: Entwicklungshilfe verhindert die Entwicklung in den Ländern, in die sie fließt
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