Uno-Botschafter: Syrien vergleicht Aufstand mit britischen Krawallen

Es ist eine absurde Kritik: Syriens Uno-Botschafter hat die Randale in England mit den Protesten der Opposition gegen Dikator Assad verglichen. Großbritanniens Premier Cameron sei scheinheilig, weil er Damaskus kritisiere, zugleich aber "Banden" im eigenen Land verdamme.

New York - Der Mann hat offenbar eine besondere Art von Humor: Syriens Uno-Botschafter Baschar Dschaafari hat Parallelen zwischen den regierungskritischen Protesten in seinem Land und den Krawallen in Großbritannien gezogen. Der britische Premierminister David Cameron könne die Randalierer unwidersprochen als Mitglieder von "Banden" bezeichnen, kritisierte der Diplomat nach einer Sitzung des Sicherheitsrats in New York zur Lage in Syrien. Der Westen erlaube es aber Damaskus nicht, den gleichen Begriff zu benutzen, wenn es um "bewaffnete und terroristische Gruppen" gehe, die in seinem Land hinter der Gewalt stünden. "Das ist Scheinheiligkeit, das ist Arroganz", wetterte Dschaafari.

Dschaafari warf dem Westen vor, bei Angaben zur Lage in Syrien "die Wahrheit zu manipulieren und wichtige Tatsachen zu verstecken". So seien seit Beginn der Proteste 500 Polizisten und andere Sicherheitskräfte getötet worden.

Der britische Vize-Uno-Botschafter Philip Parham wies den Vergleich umgehend als "absurd" zurück. In Großbritannien unternehme die Regierung "angemessene, rechtmäßige, transparente Schritte, um die Rechtsstaatlichkeit für die Bürger zu garantieren". In Syrien würden dagegen tausende unbewaffnete Zivilisten angegriffen und viele von ihnen getötet.

In Syrien wurden beim gewaltsamen Vorgehen der Sicherheitskräfte und der Armee von Diktator Assad gegen regierungskritische Demonstranten nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten seit Mitte März schon rund 2000 Zivilisten getötet.

Die Uno erwägt nach neuen tödlichen Angriffen auf Demonstranten in Syrien ein härteres Vorgehen gegen das Regime in Damaskus. Der Sicherheitsrat müsse "weitergehendere Schritte" erörtern, wenn die Führung weiter mit Gewalt gegen ihr eigenes Volk vorgeht und sich Reformen verweigert, sagte der britische Diplomat Parham nach einer geschlossenen Sitzung des Gremiums. Er sprach auch im Namen seiner Amtskollegen aus Frankreich, Portugal und auch Deutschland. Welcher Art diese "Schritte" sein sollten, sagte er nicht.

Dschaafari bezeichnete die Darstellung der vier europäischen Botschafter als "fehlerhaft": "Meine Kollegen, die verantwortungsbewusste Diplomaten sein sollten, haben die sogenannte Situation in Syrien falsch verstanden und falsch gedeutet", sagte der Vertreter der Regierung in Damaskus. "Sie versuchen, die Wahrheit zu manipulieren und halten wichtige Fakten und Bestandteile zurück."

als/AFP/dpa

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1. Hier könnte ein Titel stehen
shokaku 11.08.2011
Zitat von sysopEs ist eine absurde Kritik: Syriens Uno-Botschafter hat die Randale in England mit den Protesten der Opposition gegen Dikator Assad verglichen. Großbritanniens Premier Cameron sei scheinheilig, weil er Damaskus kritisiere, zugleich aber von "Banden" im eigenen Land spreche. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,779571,00.html
Sicher. Aber es muss doch jedem klar sein, dass so eine Steilvorlage nicht ungenutzt bleibt. Aus Libyen und Iran war ja schon Ähnliches zu hören.
2. ..
wowiku 11.08.2011
Zitat von sysopEs ist eine absurde Kritik: Syriens Uno-Botschafter hat die Randale in England mit den Protesten der Opposition gegen Dikator Assad verglichen. Großbritanniens Premier Cameron sei scheinheilig, weil er Damaskus kritisiere, zugleich aber von "Banden" im eigenen Land spreche. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,779571,00.html
Wo er (der Herr Botschafter) Recht hat, da hat er Recht. Das ist wohl das Übel dieser Welt, dass jeder glaubt sein Tun ist nicht mit dem des Anderen vergleichbar.
3. Unterschiedliche Gemeinsamkeiten
nomadas 11.08.2011
Unglaublich, wie kann man nur...auf den ersten Blick! Doch im Kern, geht es um Unterdrücker und Unterdrückte, um Macht und Ohnmacht, um Ungerechtigkeit ohne Ende. Der Assad-Clan ist eine kleine Clique, die, durch das Militär gestützt, despotisch herrscht. Wahlen, Menschenrechte etc. Fremdworte. - GB hat Parlament und Queen, Wahlen und Menschenrechte, natürlich. Doch auch dort herrscht eine kleine, feine Elite, zwar nicht so offen despotisch, so doch knallhart. In beiden Ländern wollen ganz viele Menschen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, Chancengleichheit,ein menschen-würdiges Leben führen, Wertschätzung und Anerkennung. Das ist nicht zuviel verlangt. Doch, was kümmert es die happy few. Mit law and order die einen, mit Panzern die anderen, hauen sie rein. Alles schön lassen, wie es ist, please!
4. Diktatoren.....
michag75 11.08.2011
sind meiner Meinung nach eine Aussterbende Rasse und das ist auch gut so. Gegen uneinsichtige Diktatoren wie Assad sollte rigoros vorgegangen werden.
5. nicht mehr so einfach
ecce homo 11.08.2011
Das ist das Problem: ---Zitat--- Der britische Vize-Uno-Botschafter Philip Parham wies den Vergleich umgehend als "absurd" zurück. In Großbritannien unternehme die Regierung "angemessene, rechtmäßige, transparente Schritte, um die Rechtsstaatlichkeit für die Bürger zu garantieren". In Syrien würden dagegen tausende unbewaffnete Zivilisten angegriffen und viele von ihnen getötet. ---Zitatende--- Das kann die syrische Regierung ja genauso behaupten. Die Demonstranten seien bewaffnet gewesen und man habe sich in Notwehr wehren müssen bzw. um die öffentliche Ordnung wieder herzustellen, entsprechende Maßnahmen ergreifen müssen. Genauso wird es problematisch, wenn sich ein Friedrich bei uns durchsetzen könnte und man gegen unsere Blogger vorgeht, da schließen wir dann auch auf zu den bösen Regierungen dieser Welt. Ist halt alles nicht mehr so einfach wir früher, als es noch den Ost-Block gab und dem gegenüber der freie Westen.
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Bevölkerung: 22,505 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

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