Friedenskonferenz Uno-Chef lädt Iran von Syrien-Gesprächen aus

Es ist ein diplomatischer Fauxpas erster Güte: Zunächst bat Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon überraschend die iranische Regierung zu den Syrien-Friedensgesprächen - nun lädt er sie wieder aus. Zuvor hatten die USA massiv Druck ausgeübt.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon: Diplomatische Niederlage
AFP

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon: Diplomatische Niederlage


New York - Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon hat verhindert, dass die Friedenskonferenz platzt, er hat sich jedoch als Diplomat dem Willen der USA untergeordnet: Am Montagabend gab Ban bekannt, dass er Iran von den Gesprächen zur Zukunft Syriens ausladen werde. Bereits seine Einladung an das iranische Regime hatte für Irritationen gesorgt.

Der Sprecher der oppositionellen Nationalen Syrischen Allianz, Badr Dschamus, hatte gesagt: "Die Teilnahme Irans ist für uns eine rote Linie." Er stellte ein Ultimatum auf und sagte, dass man an den geplanten Friedensgesprächen in der Schweiz nicht teilnehmen werde, wenn die Einladung Irans nicht bis Montagabend zurückgezogen würde.

Auch die USA lehnten eine Beteiligung Teherans an dem Treffen, das am Mittwoch in Montreux beginnt, ab. "Wir erwarten, dass die Einladung widerrufen wird", sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Washington. "Irans Handeln hat die Spannungen nur weiter verschärft. Wir sehen nicht, dass eine Teilnahme hilfreich wäre."

Diesem Druck hat sich Ban Ki Moon nun offenbar gebeugt (Lesen Sie hier Bans Erklärung für seinen Sinneswandel im Wortlaut auf Englisch). Damit kann die Friedenskonferenz stattfinden, die syrische Opposition kündigte bereits an, unter den neuen Umständen nun doch an dem Treffen teilzunehmen. Auch die USA reagierten bereits auf die Ausladung Irans und forderten alle Beteiligten auf, sich wieder auf die eigentlichen Aufgaben zu konzentrieren.

Für den Uno-Generalsekretär bedeutet das Hin und Her eine diplomatische Niederlage. Ein internationaler Spitzenpolitiker, der seine Meinung innerhalb weniger Stunden radikal ändern musste, dürfte an Ansehen einbüßen.

Ban Ki Moon selbst ließ am Montagabend seinen Sprecher erklären, er habe die Einladung zurückgezogen, weil sich Iran von den Beschlüssen der ersten Genfer Konferenz distanziert hätte. Zunächst habe das iranische Regime beteuert, sich zu Genf I - der Bildung einer Übergangsregierung in Syrien - bekennen zu wollen. Da jedoch im Laufe des Tages von Iran jede Vorbedingung bestritten wurde, habe er die Einladung zurückziehen müssen. Iran erklärte wiederum, es sei zu keinem Zeitpunkt bereit gewesen, unter Vorbedingungen an der Konferenz teilzunehmen.

mia/dpa/AP/Reuters

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 123 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Reg Schuh 20.01.2014
1.
Jetzt wird es interessant.. 1) Die UNO sind nicht die USA. 2) Ziel der UNO ist die Völkerverständigung und der Frieden, keine Machtpolitik. Oder? 3) Der Iran ist nicht Mahmud Ahmedindschad.
kumi-ori 20.01.2014
2. Wie ungeschickt!
Warum kann Ban das nicht vorher abklären? Im Nahen Osten wird das nicht gern gesehen, wenn man in der Öffentlichkeit bloßgestellt wird. Der iranische Präsident ist nicht Merkel.
hubie 20.01.2014
3. Sinn und Unsinn?
Was soll das? Ja, man soll den Ayatollahs keine Bühne bieten, andererseits haben sich die USA und der Iran doch etwas angenähert vor einigen Wochen, warum also jetzt die Ausladung? Naja gut, sollen die es halt so machen wie sie es machen wollen, bei dem politischen Kindergarten kann man halt als "Erzieher" kein Wort mehr dazwischen reden, die lassen sich eh nichts mehr sagen. Es wird mal Zeit für Tauwetter, zumindest auf erwachsener Ebene, dass man sich nicht mehr die ganze Zeit mit Krieg droht, auch wenn man sich nicht in allen Lebenssituationen eins ist. Und nein, ich finde auch nicht, dass das Leben im Iran sonderlich lebenswert ist, zumindest aus meiner deutschen Sicht.
erasmus89 20.01.2014
4. Dämliche Entscheidung
Iran ist DIE regionale Macht im Nahen und mittleren Osten. Das gleiche Spiel wie vor dem Irak und Afghanistan-Krieg. Iran bot seine Hilfe an, USA sagte nur "Achse des Bösen". Diese Konferenz wird der Witz des Jahres werden. Es ist zu erwarten, dass bald die nächste Nachricht kommt, dass amerikanische Flugzeugträger wieder Kurs auf Syrien nehmen. Der Westen ist so verrückt geworden.
robeuten 20.01.2014
5.
Tja, Leute, zieht Euch warm an - ausgerechnet die Nation, die gerne einmal die UNO-Zahlungen stottern läßt, telephoniert nun den Tarif durch - also, niederknien, und unser Held Obama die Stiefel lecken!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.