Neue Uno-Zahlen: Ein Viertel aller Syrer ist auf der Flucht

Zwei Syrer verlassen das Sheikh-Maqsud-Viertel in Aleppo: Vier Millionen auf der Flucht Zur Großansicht
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Zwei Syrer verlassen das Sheikh-Maqsud-Viertel in Aleppo: Vier Millionen auf der Flucht

Die Uno meldet erschreckende Zahlen: Wegen des Bürgerkriegs in Syrien mussten schon vier Millionen Menschen ihr Zuhause verlassen. Hinzu kommen etwa 1,2 Millionen, die ins Ausland geflohen sind.

Damaskus - Nach zwei Jahren Bürgerkrieg in Syrien ist nach neuen Schätzungen der Vereinten Nationen rund ein Viertel der Bevölkerung auf der Flucht. Allein innerhalb des Landes gebe es derzeit rund vier Millionen Betroffene, erklärte eine Sprecherin des Uno-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR). Hinzu kommen etwa 1,2 Millionen Syrer, die angesichts der anhaltenden Gewalt ins benachbarte Ausland geflohen sind.

Bisher war das UNHCR von rund 2,5 Millionen Flüchtlingen innerhalb Syriens ausgegangen. Derzeit überarbeiten die Vereinten Nationen aber ihre Schätzung. Die alte Angabe "spiegelt die sich schnell entwickelnde Lage nicht mehr wider", schrieb UNHCR-Sprecherin Reem Alsalem der Nachrichtenagentur AFP. In dem Konflikt starben nach Uno-Schätzungen bisher mehr als 70.000 Menschen.

Not der Zivilbevölkerung steigt

In Syrien lebten vor Beginn des Aufstands gegen Präsident Baschar al-Assad 22,5 Millionen Menschen. Zahlreiche Bürger flüchteten nicht nur vor der Gewalt, sondern auch, weil es oftmals für sie keine Lebensgrundlage mehr im Land gegeben habe, sagte die Flüchtlingsbeauftragte im US-Außenministerium, Kelly Clements. Die grundlegende Versorgung funktioniere vielfach nicht mehr, Schulen seien geschlossen, das Gesundheitssystem funktioniere nicht.

Die humanitäre Lage in Syrien hat sich auch nach Einschätzung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) dramatisch verschlechtert. Die Not der Zivilbevölkerung habe in den vergangenen Wochen noch einmal deutlich zugenommen. Die internationalen Organisationen könnten weiterhin nur eingeschränkt helfen, sagte IKRK-Präsident Peter Maurer am Donnerstag. Konvois mit dringend benötigten Hilfsgütern würden immer noch beschossen und müssten daher wieder umkehren.

Suleiman fordert Lager sollten innerhalb Syriens

Problematisch ist auch die immer weiter ansteigende Zahl der Menschen, die in die Nachbarländer Syriens fliehen. Der libanesische Präsident Michel Suleiman appellierte am Donnerstag an die internationale Gemeinschaft, in Syrien selbst Uno-geschützte Hilfscamps zu errichten. Er rief zu einer Krisenkonferenz auf.

Die Lager sollten "innerhalb Syriens, weit von den Konfliktzonen entfernt, von Uno-Truppen geschützt und nahe der libanesischen, jordanischen, türkischen und irakischen Grenzen errichtet werden", forderte der Staatschef. Darüber hinaus empfahl Suleiman, alle neu im Libanon ankommenden Flüchtlinge "auf verbrüderte und befreundete Staaten aufzuteilen". Zur Zeit sind nach einer Uno-Zählung allein im Libanon mehr als 400.000 syrische Flüchtlinge registriert.

"Es werden noch mehr Flüchtlinge kommen. Der Libanon kann das nicht mehr bewältigen", sagte eine nicht näher genannte Quelle aus Suleimans Umfeld. Um den Flüchtlingsansturm zu bewältigen, brachten zwei russische Flugzeuge am Donnerstag je 40 Tonnen Hilfsgüter wie Stromgeneratoren, Decken und Lebensmittelkonserven in den Libanon und nach Jordanien.

heb/AFP/Reuters

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1. ...
Hape1 04.04.2013
Zitat von sysopDie Uno meldet schier unvorstellbare Zahlen: Wegen des Bürgerkriegs in Syrien mussten schon vier Millionen Menschen ihr Zuhause verlassen. Hinzu kommen etwa 1,2 Millionen, die ins Ausland geflohen sind. Uno: Ein Viertel der Syrer mittlerweile auf der Flucht - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/uno-ein-viertel-der-syrer-mittlerweile-auf-der-flucht-a-892630.html)
Tja, dass haben die "Aktivisten" und deren Unterstützer toll hingekriegt. Ich denke das das syrische Volk auf diese "Zwangsbefreiung bzw. Demokratisierung" gerne verzichten würde. Jedenfalls scheint das syrische Volk nicht erbaut zu sein über die "Aktivisten" (doofer Name, SpOn).
2. Wenn man sich ...
meinnametutnixzursache 04.04.2013
Zitat von sysopDie Uno meldet schier unvorstellbare Zahlen: Wegen des Bürgerkriegs in Syrien mussten schon vier Millionen Menschen ihr Zuhause verlassen. Hinzu kommen etwa 1,2 Millionen, die ins Ausland geflohen sind. Uno: Ein Viertel der Syrer mittlerweile auf der Flucht - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/uno-ein-viertel-der-syrer-mittlerweile-auf-der-flucht-a-892630.html)
... die flächendeckenden Ruinenstädte ansieht, die teilweise völlig eingeebnet sind, wundert man sich, dass dort ausser Rebellen noch Zivilisten in irgendwelchen Kellerlöchern überleben können. Ohne Heizung, ohne Wasser, ohne Licht, ohne jegliche Grundversorgung. Ich halte ein Viertel noch für viel zu tief gegriffen. Die meisten die überhaupt noch ein Dach über dem Kopf haben, sind häufig schon mehrfach vor Bombenangriffen in andere, weniger bombardierte Stadtteile oder Orte geflüchtet.
3. Wer Wind prädigt bekommt früher oder später Regen
mercadante 04.04.2013
SChade dass während einige Politiker und Scheiks in ihre guten Stuben über dem Konflikt spekulieren , die Syrische Bevölkerung zahlt die Zechen , ein riesen Kompliment an die Herren Westerwelle , Hollande und Cameron , ihr hättet mehr Diplomatie einsetzten sollen , für die Waffen sind anderen zuständig, Europa soll nicht wiéder in dem Militarismus zurückfallen .
4.
dilinger 04.04.2013
Zitat von Hape1Tja, dass haben die "Aktivisten" und deren Unterstützer toll hingekriegt. Ich denke das das syrische Volk auf diese "Zwangsbefreiung bzw. Demokratisierung" gerne verzichten würde. Jedenfalls scheint das syrische Volk nicht erbaut zu sein über die "Aktivisten" (doofer Name, SpOn).
Dass Assad syrische Städte mit Kurzstreckenraketen beschießt und Flugzeugen bombardiert, und somit für annähernd 100% der Gebäudezerstörungen verantwortlich ist, halten Sie nicht für Erwähnenswert?
5. Fluchtwelle
GWero 04.04.2013
Auf dem Weg zur Tempelruine Baalbek im Bekaa-Valley letzte Woche habe ich in einer Stunde über 20 Autos und Busse mit syrischem Kennzeichen gezählt. Die meisten voll gepackt mit dem letzten Hab und Gut. Familien mit kleinen Kindern. Bei so einem Anblick fragt man sich, wofür das alles?! Außer den offiziellen Flüchtlingen sind im Libanon bereits seit langem Tausende syrische Arbeiter, die nun ihre Familien bei sich unterbringen; bis zu 5 Familien in einer Wohnung, die wenigstens ein Dach über dem Kopf haben. Einige Kinder gehen hier nun zur Schule. Es dürften daher weit mehr als 400.000 sein. Sehr traurig, es mit an zu sehen. Alles im Namen der Macht.
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