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Geschlechterdebatte um Uno-Spitze: Eine Frau für die Welt

Von , New York

Uno-Versammlung in New York: Öffnung eines obskuren Wahlverfahrens Zur Großansicht
AFP

Uno-Versammlung in New York: Öffnung eines obskuren Wahlverfahrens

Am Rande des Uno-Gipfels brodelte ein stilles Reizthema: die Nachfolge von Generalsekretär Ban Ki Moon. Immer mehr Insider wollen erstmals eine Frau benennen - scheitern aber am System.

Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Wie alle Diplomaten hier hat auch María Emma Mejía eine hektische Woche hinter sich. Die 70. Jubiläumsdebatte der Vereinten Nationen, zuvor der Papstbesuch und der Nachhaltigkeitsgipfel, dann eine große Frauenkonferenz und die Visite ihres Präsidenten Juan Manuel Santos Calderon: "Zu viel, zu viel", lacht Kolumbiens Uno-Botschafterin.

Ein Reizthema jedoch brodelte bei all dem Drama am East River allenfalls am Rande der Tagesordnung hoch. Obwohl es Mejía mehr am Herzen liegt als andere - die Wahl des nächsten Uno-Generalsekretärs.

Besser gesagt: die Wahl der ersten Uno-Generalsekretärin.

Ende 2016 endet die Amtszeit des glücklosen Uno-Chefs Ban Ki Moon. Der Südkoreaner ist der achte Mann an der Spitze des 1945 gegründeten Staatenbunds, dessen Apparat heute mehr als 40.000 Menschen weltweit beschäftigt. Warum also jetzt nicht mal eine Frau?

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Spitzenposten bei der Uno: Warum nicht mal ein Frau?
"Was für eine Gelegenheit für eine Frau, die Welt zu führen", sagt Mejía bei einem Gespräch in ihrer bescheidenen Uno-Mission auf der Upper East Side, über starkem kolumbianischem Kaffee natürlich.

"Die Zeit ist gekommen für eine Frau"

Es ist ein Paradox, in der Tat: Nach außen hin engagiert sich die Uno lobenswert für Frauen. Bei einem Uno-Event zum 20. Jahrestag der Pekinger Frauenkonferenz forderten am Sonntag mehr als 80 Staats- und Regierungschefs - darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel - "volle und gleiche Rechte für die halbe Weltbevölkerung", wie Ban es sagte.

Doch wenn es um sie selbst geht, versagt die Uno bisher. Sicher, sie hat Frauen auf exponierten Posten, etwa Unesco-Direktorin Irina Bokova oder Zainab Hawa Bangura, die Sonderbeauftragte für sexuelle Gewalt. Aber nur rund ein Drittel der Uno-Top-Manager sind Frauen.

Das soll sich nun ändern. Als Mejía ihren Posten 2014 antrat, fiel der 62-Jährigen - die zuvor Model, Journalistin und Außenministerin war - sofort auf, wo es der Organisation an Frauen mangelte: ganz oben.

Sie begann, mit ein paar Kollegen darüber zu reden. "Ich war überrascht, wie unverstanden das Thema Frauen an der Uno war. Anderswo wurde es zu einem wichtigen Thema, nur an der Uno nicht."

Mejía gründete einen informellen Kreis: Group of Friends in Favor of a Woman for Secretary-General of the United Nations. Sie begannen sich in einem Konferenzraum im Souterrain der Uno-Zentrale zu treffen.

Die wahren Uno-Machthaber machen nicht mit

Inzwischen sind Vertreter von 45 Mitgliedstaaten dabei, knapp ein Viertel aller Staaten also, von Antigua bis Vietnam. Deutschland und Japan, zwei der Top-Geberländer der Uno, machen auch mit. "Die Zeit ist gekommen für eine Frau", schrieben sie jetzt in einer Resolution.

Parallel startete die Aktivistengruppe Equality Now eine Kampagne. Sie schickte 20.000 Briefe an Diplomaten. "Es ist lange überfällig", sagt Anwältin Antonia Kirkland. Frauen seien von Natur aus für den Job qualifiziert: "Ethisches Verhalten, Entschlusskraft, starker Charakter."

Doch wer noch nicht mitmacht, sind die wahren Uno-Machthaber - die fünf ständigen Veto-Mitglieder des Sicherheitsrats: USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien. Einige hätten sich positiv interessiert gezeigt, heißt es, das sei es dann aber auch gewesen.

Eine lange Namensliste zirkuliert bereits

Das Problem ist tief im System verwurzelt. Kandidatur und Wahl des Generalsekretärs entschieden sich bisher hinter den verschlossenen Türen des Sicherheitsrats - ein anachronistischer, undurchsichtiger Prozess. Die Vetomächte einigten sich vorab auf einen Namen, die "Abstimmung" in der Vollversammlung war nur noch eine Formsache.

Interessenten war geraten, sich nicht vorab zu offenbaren: "Wenn du dich zu früh zu erkennen gabst, dann schossen alle sofort auf dich", sagt ein Ex-Diplomat aus eigener Erfahrung. Bei der letzten Wahl schickte Indien 2006 den Politiker Shashi Tharoor ins Rennen - er scheiterte am Veto der USA. Statt dessen bekam Ban den Posten.

Als "beträchtlich überholt" kritisiert die Interessengruppe 1 for 7 Billion - an der auch die Friedrich-Ebert-Stiftung beteiligt ist - diese Prozedur nun in einem Brief an die Uno. "Sie reicht nicht an moderne Recruitment-Praxis für hochrangige internationale Berufungen heran."

Immerhin beschloss die Vollversammlung Anfang September eine erste Öffnung des obskuren Verfahrens. Alle 193 Uno-Staaten sind nun eingeladen, Spitzenkandidaten vorzuschlagen - inklusive Frauen. Der Halbsatz verlor sich aber auf Seite 26 der 80-seitigen Resolution.

Die Campaign to Elect a Woman UN Secretary-General zirkuliert dafür bereits eine lange Namensliste. Darauf finden sich unter anderem Ex-Menschenrechtskommissarin Louise Arbour, Liberias Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf, Norwegens Ex-Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland - und Angela Merkel.


Zusammengefasst: Ende 2016 endet die Amtszeit von Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon. Nun wird darüber spekuliert, ob es eine Nachfolgerin geben wird. Die fünf ständigen Veto-Mitglieder des Sicherheitsrats üben Zurückhaltung. Auf einer Liste der "Campaign to Elect a Woman UN Secretary-General" stehen bereits mögliche Kandidatinnen: etwa die Ex-Menschenrechtskommissarin Louise Arbour, Liberias Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf und Kanzlerin Angela Merkel.

Zum Autor
Lane Hartwell
Marc Pitzke ist US-Korrespondent für SPIEGEL ONLINE in New York.

E-Mail: Marc_Pitzke@spiegel.de

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 15 Beiträge
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1. Angela Merkel
tadano 01.10.2015
...wäre super, dann wären wir sie als Kanzlerin los.
2. Aber leider
jojo110 01.10.2015
Zitat von tadano...wäre super, dann wären wir sie als Kanzlerin los.
erst Ende 2016 - das ist zu spät.
3. Erster Gedanke
fritzyoski 01.10.2015
Zitat von tadano...wäre super, dann wären wir sie als Kanzlerin los.
Das war auch mein erster Gedanke als ich die Ueberschrift las. Aber vielleicht waere ein Posten wo sie weniger Schaden anrichten kann besser geeignet.
4. Von Natur aus
Reza Rosenbaum 01.10.2015
Als da im Artikel gesagt wurde ---Zitat--- Frauen seien von Natur aus für den Job qualifiziert: "Ethisches Verhalten, Entschlusskraft, starker Charakter." ---Zitatende--- fand ich das ja noch himmelschreiend sexistisch. Aber als dann ---Zitat--- Angele Merkel ---Zitatende--- als Beispiel fuer deratige natuerliche Begabung genannt wurde, war klar: dieser Artikel ist Satire vom Feinsten.
5.
Atheist_Crusader 01.10.2015
Eine Frau zu benennen, nur damit mal eine Frau auf dem Stuhl sitzt, ist kein Stück weniger sexistisch als nur aus Prinzip Männer zu nehmen. Ansonsten schließe ich mich meinen Vorrednern an: Nehmt doch Merkel. Auf die UN muss wenigstens keiner hören.
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