Finanzierungslücke Uno fehlen 15 Milliarden Dollar für humanitäre Hilfe

Die Ausgaben für Hilfslieferungen steigen rapide an, aber den Vereinten Nationen fehlen aktuell 15 Milliarden Dollar. Ein Uno-Ausschuss schlägt zur Finanzierung nun eine Art Solidaritätszuschlag vor - zum Beispiel auf Sporttickets.

Flüchtlingscamp in Kenia (Archivfoto): 125 Millionen Menschen weltweit auf Hilfsgüter angewiesen
AFP

Flüchtlingscamp in Kenia (Archivfoto): 125 Millionen Menschen weltweit auf Hilfsgüter angewiesen


Die Zahl der Krisen, Kriege und Naturkatastrophen wächst, 125 Millionen Menschen weltweit sind auf Hilfsgüter angewiesen. Aber das zu Verfügung stehende Geld reicht dem Bericht eines von Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon geschaffenen Ausschuss zufolge nicht aus.

40 Milliarden Dollar würden für humanitäre Hilfen gebraucht, sagte die Vize-Vorsitzende des Ausschusses, Kristalina Georgieva, es fehlten derzeit aber rund 15 Milliarden - und die Finanzierungslücke wächst. "Die gute Nachricht ist: Nie war die Welt bedürftigen Menschen gegenüber so großzügig wie heute. Die schlechte Nachricht: Nie war diese Großzügigkeit so unzureichend."

Dem am Sonntag vorgestellten 31-seitigen Bericht zufolge gibt die internationale Gemeinschaft jährlich 25 Milliarden Dollar für humanitäre Hilfen aus - zwölfmal so viel wie im Jahr 2000. Wegen der wachsenden Zahl an Konflikten und Naturkatastrophen steigt auch der Bedarf an Hilfsgütern weiter, heißt es in dem Bericht.

"Wir haben ein exponentiell wachsendes Problem", sagte Georgieva, die auch Vizepräsidentin der EU-Kommission ist. Mit einem weltweiten Bruttoinlandsprodukt von fast 78 Billionen Dollar müsse die Weltgemeinschaft das nötige Geld eigentlich aufbringen können. "In unserer reichen Welt sollte niemand wegen Geldmangels sterben oder seine Ehre zerstört sehen", sagte sie.

Der neunköpfige Ausschuss empfiehlt, längerfristig zu planen, Hilfsorganisationen transparenter zu gestalten und Spenden weltweit zu sammeln, statt sich auf eine kleine Zahl von Gebern zu verlassen.

Zudem schlägt der Ausschuss einen kleinen freiwilligen Solidaritätszuschlag von fünf oder zehn Cent auf Luxusartikel und Dienstleistungen vor, wie etwa auf Eintrittskarten für Sportveranstaltungen, Konzerte oder Unterhaltungsevents. So könnten stabile Einnahmen für humanitäre Projekte generiert werden. Auf eine verpflichtende Abgabe konnte sich der Ausschuss nicht einigen.

Vorbild sollte eine Abgabe auf Flugtickets sein, die ursprünglich von Frankreich vorgeschlagen worden war. Zwischen 2006 und 2011 wurden damit von nur zehn teilnehmenden Ländern 2,3 Milliarden Dollar eingenommen.

Der Bericht fordert außerdem Regierungen reicher Länder dazu auf, einen höheren Beitrag zu leisten. Muslimische Länder, die derzeit besonders von Krieg und Konflikten betroffen sind, sollten für Hilfszahlungen zudem die "islamischen Sozialabgaben" nutzen. Die Zakat, die für viele religiöse Muslime verpflichtende Abgabe, bringe Einnahmen von bis zu 500 Milliarden Dollar jährlich, sagte Georgieva. Würde nur ein Prozent davon für humanitäre Hilfe verwendet, könnte das Finanzierungsloch leicht gestopft werden.

nck/dpa/AP

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
peter_silie_1 17.01.2016
1. Finde ich gut!
Endlich mal eine Abgabe, die zielgerichtet verwendet werden wird und nicht im Bundeshaushalt versickern wird.
freiheitstehauf 17.01.2016
2. Wieviel sind 1% von 500 MRD
und wie groß ist die Lücke, bitte lesen sie ihren Artikel einmal selbst
lestat3006 17.01.2016
3. Traurig.....
Wäre die UNO eine sogenannte system-relevante Bank, müsste sie ihren Bedarf nur melden und hätte am nächsten Morgen die benötigten Milliarden auf dem Konto....
axxim 17.01.2016
4. Das passt!
Wir haben einen Haushaltsüberschuss in ähnlicher Höhe. Ich glaube sogar, dass dieses Geld hier besser angelegt wäre als in Griechenland.
LottaCanis 17.01.2016
5. Aufschlag auf Waffenexporte
wären eine Lösung. Oder die Transaktionssteuer, Vermögenssteuer oder Luxussteuer auf Firmenfahrzeuge, Jachten und Privatjets. Auch eine Abgabe für leerstehende Wohnungen und Häuser wäre möglich. Nicht aber Konzerte oder Sportveranstaltungen besteuern, dies sind Kulturereignisse und tragen im Idealfall zur Verbesserung der Bildung bei!
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