New York - Der "blinde Waffeneinsatz" gegen Zivilisten in Syrien müsse endlich ein Ende haben, fordert Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon. Er hat den Angriff der syrischen Luftwaffe auf ein palästinensisches Flüchtlingslager am Sonntag scharf verurteilt. Die Attacke sei "Anlass für ernste Besorgnis".
"Auf Zivilisten zu zielen oder Militäraktionen in dicht besiedelten Gebieten vorzunehmen in einer diskriminierenden oder unverhältnismäßigen Art, ist ein Kriegsverbrechen", so Bans Sprecher. Anfang des Monats hatte der Uno-Generalsekretär in der Türkei und Jordanien Lager von syrischen Flüchtlingen besucht.
Bei dem Angriff auf das Lager Jarmuk im Süden der Hauptstadt Damaskus waren nach unbestätigten Angaben von Menschenrechtsaktivisten mindestens acht Menschen getötet worden. Mehrere Verletzte schwebten nach der Attacke zudem in Lebensgefahr. Videoaufnahmen des Angriffs, die von Regimegegnern ins Internet gestellt wurden, zeigen viele Opfer mit verheerenden Verletzungen.
Etwa 500.000 Menschen leben in Jarmuk. Nach Angaben von Anwohnern war die Bombardierung vom Sonntag der erste Luftangriff auf den Stadtteil seit Beginn des Aufstands gegen Assad im März 2011. Seit Wochen liefern sich Rebellen hier Gefechte mit Regierungstruppen sowie palästinensischen Milizionären, die auf Seiten des syrischen Diktators Baschar al-Assad stehen.
In den vergangenen Tagen verstärkten sich die Kämpfe in Jarmuk. Die Palästinenser in Syrien geraten dabei zunehmend zwischen die Fronten. Ein Teil von ihnen hat sich als "Sturmbrigade" den Aufständischen angeschlossen.
Außer Jarmuk soll die Luftwaffe am Sonntag auch weitere Stadtteile und Vororte angegriffen haben. Mehrere Häuser seien dabei zerstört worden. Mit ihrer Offensive wollen die Regierungstruppen die Umgebung der Hauptstadt Damaskus wieder vollständig unter ihre Kontrolle bringen.
Das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR befürchtet, dass die Zahl der syrischen Flüchtlinge in den Nachbarländern bald auf 1,1 Millionen ansteigen könnte. Pessimistischere Prognosen gingen sogar von einem Anstieg auf bis zu 1,8 Millionen Flüchtlinge in den kommenden sechs Monaten aus, sagte der deutsche UNHCR-Sprecher Stefan Telöken am Montag im SWR. Jeden Tag würden in der Türkei, im Libanon und in Jordanien Tausende Menschen neu als Flüchtlinge registriert.
In Syrien selbst eskaliert die Lage für die Zivilbevölkerung: Offenbar setzt Assad im Kampf gegen die Aufständischen nun auch Scud-Kurzstreckenraketen ein. Zudem steigt die Angst vor dem Einsatz von Chemiewaffen. Nach Einschätzung des Bundesnachrichtendienstes könnte die syrische Armee bei einem entsprechenden Befehl des Diktators ihre Chemiewaffen innerhalb weniger Stunden zum Einsatz bringen.
Nach SPIEGEL-Informationen sollen bereits mehrere Feldkommandeure der syrischen Armee den Einsatz der Massenvernichtungswaffen gegen die Rebellen gefordert haben. Laut BND gibt es jedoch bisher keine konkreten Vorbereitungen zum Einsatz der Waffen.
kgp/AFP/Reuters
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