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Uno-Konvois in Syrien: Hilfslieferungen für eingekesselte Städte verzögern sich

Von , München

Zerstörungen nach Luftangriffen in Aleppo (Bild vom 4. Februar) Zur Großansicht
REUTERS

Zerstörungen nach Luftangriffen in Aleppo (Bild vom 4. Februar)

Rund 400.000 Menschen sind in 50 belagerten syrischen Orten eingeschlossen, die Lage ist dramatisch. Und die Hilfskonvois der Vereinten Nationen können nicht starten - ihre Sicherheit ist nicht gewährleistet.

Die dringend benötigte humanitäre Hilfe für belagerte Städte in Syrien lässt weiter auf sich warten. Der stellvertretende Generalsekretär der Vereinten Nationen, Jan Eliasson, sagte im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE, man werde frühestens in der ersten Hälfte der kommenden Woche mit den Lieferungen beginnen können.

Nachdem sich die Syrien-Kontaktgruppe unter Führung der USA und Russlands in der Nacht zum Freitag auf eine Feuerpause geeinigt hatte, hieß es zunächst, die Hilfslieferungen könnten unmittelbar nach einem Treffen einer Arbeitsgruppe am Freitagnachmittag beginnen. Das hatten sowohl Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier als auch sein US-amerikanischer Amtskollege John Kerry betont.

Eliasson sagte nun am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz, die Konvois würden wohl erst "in den kommenden Tagen" losfahren. "Wir sind bereit, wir haben Hilfsgüter in den Lagern, unsere Lastwagen sind abfahrbereit", sagte der schwedische Politiker. "Wir hoffen, in der ersten Hälfte dieser Woche zu starten."

Man müsse aber zunächst die beteiligten Regierungen erreichen, um Sicherheitsgarantien zu erhalten. "Und andere Gruppen könnten die Situation natürlich auch beeinflussen und müssen erreicht werden", sagte Eliasson mit Blick auf den "Islamischen Staat", die Nusra-Front und diverse Oppositionsgruppen. Man versuche derzeit in Syrien, entsprechende Kontakte herzustellen.

400.000 Menschen eingeschlossen

Nach Schätzungen der Uno sind derzeit rund 400.000 Menschen in 50 belagerten syrischen Orten eingeschlossen. Sollte es nicht zu einer Abschwächung der Kämpfe insgesamt kommen, müssten die Kampfhandlungen zumindest punktuell in den Gebieten aufhören, in denen die Uno humanitäre Hilfe leisten soll, sagte Eliasson. Er hoffe deshalb auf eine bessere Koordinierung zwischen der russischen Luftwaffe und der US-geführten Allianz. Angesichts der Berichte über eine Verschärfung der russischen Luftangriffe auf syrische Städte warnte Eliasson jedoch vor weiteren Verzögerungen. "Falls es zu einer Eskalation kommt, wäre die Situation natürlich viel schwieriger."

Die Einigung der Syrien-Kontaktgruppe unter Führung der USA und Russland sieht vor, dass es innerhalb einer Woche zu einer Feuerpause in dem Bürgerkriegsland kommt. Allerdings scheinen sich die Kämpfe nach der "Münchner Erklärung" sogar noch verschärft zu haben - vermutlich weil sich die Konfliktparteien vor Verhandlungen in eine bessere Position bringen wollen.

Die Situation der Menschen in Städten, die zum Teil seit Wochen eingekesselt und von jeglicher Versorgung abgeschnitten sind, dürfte dadurch noch dramatischer werden. Aus Aleppo waren in den vergangenen Tagen und Wochen Zehntausende vor den russischen Bomben in Richtung Türkei geflohen. In Aleppo selbst harren noch rund 300.000 Menschen aus, die Versorgung mit Wasser und anderen Lebensmitteln wird immer schwieriger.

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Zum Autor
Markus Becker ist Korrespondent in der Redaktionsvertretung Brüssel.

E-Mail: Markus_Becker@spiegel.de

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Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

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