Südsudan Uno-Mission dementiert Fund von Massengräbern

Im Südsudan sollen nach Angaben der Vereinten Nationen Tausende Menschen bei Kämpfen getötet und verscharrt worden sein. Nun hat die Uno-Mission in dem Land den Fund von Massengräbern dementiert.

Eine Frau auf Uno-Gelände im Südsudan: "'Aufblähung' eines Gefechts"
AP/UNMISS, Anna Adhikari

Eine Frau auf Uno-Gelände im Südsudan: "'Aufblähung' eines Gefechts"


Genf/Juba - Die Uno-Mission im Südsudan hat dementiert, Massengräber in dem Land gefunden zu haben. Die Hilfstruppen vor Ort widersprachen damit einem entsprechenden Bericht der Uno-Hochkommissarin für Menschenrechte. Es könne sich um die "Aufblähung" eines Gefechts mit 15 Toten handeln, hieß es in einer Mitteilung der Unmiss, zu der bislang unter anderem 7000 Blauhelm-Soldaten gehören.

Die Mission untersuche Berichte über Verbrechen, könne aber die Existenz eines solchen Massengrabs derzeit nicht bestätigen. Am Dienstag hatte die Uno-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, in Genf noch mitgeteilt: "Wir haben ein Massengrab in Bentiu im Bundesstaat Unity entdeckt, und es gibt Berichte über mindestens zwei weitere Massengräber in Juba." Nach Angaben von Uno-Diplomaten sollen mindestens 75 Leichen gezählt worden sein.

Nach Einschätzungen der Vereinten Nationen sind in der vergangenen Woche Tausende Menschen getötet worden. Zuvor hatte die Uno bereits von Kriegsverbrechen in dem Land gesprochen.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon sicherte den Menschen unterdes zu, die Vereinten Nationen würden sie unterstützen. "Der Südsudan ist in Gefahr. Aber er ist nicht allein", sagte er in einer Radio- und Videobotschaft.

Rund 13.000 Blauhelme und Polizisten

Der Uno-Chef forderte die Streitparteien auf, ihre Differenzen friedlich zu lösen. Sie seien verantwortlich für den Schutz der Zivilisten. "Ich warne alle, dass sie sich wegen eventueller Verbrechen werden verantworten müssen."

Der südsudanesische Präsident Salva Kiir hat ebenfalls dazu aufgerufen, die Gewalt in seinem Land zu beenden. "Unschuldige Menschen sind mutwillig umgebracht worden", twitterte er auf der Regierungsseite. "Menschen werden nur wegen ihrer Stammeszugehörigkeit angegriffen. Dies ist nicht akzeptabel."

Die Uno hatte einen Tag zuvor beschlossen, ihre Truppen im Südsudan von 7000 auf 11.500 aufzustocken. Damit können künftig im jüngsten Staat Afrikas rund 13.000 Blauhelme und Polizisten eingesetzt werden.

Seit Beginn der Kämpfe vor gut einer Woche habe es Massenexekutionen gegeben, Menschen würden willkürlich verhaftet. "In den letzten Tagen sind massenweise außergerichtliche Tötungen und Angriffe auf Menschen allein wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit dokumentiert worden", hatte Pillay gesagt. Hunderte Zivilisten seien in den vergangenen Tagen bei Razzien in Juba verschleppt worden, mehrere hundert Angehörige der Polizeikräfte seien ebenfalls festgenommen worden.

In dem erst 2011 gegründeten Staat war vor gut einer Woche ein Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und seinem früheren Stellvertreter Riek Machar eskaliert, die den verfeindeten Volksgruppen der Dinka und Lou Nuer angehören. Seitdem eroberten die Aufständischen mehrere Städte, Hunderte Menschen wurden getötet, Zehntausende in die Flucht getrieben.

kha/dpa/Reuters

zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.