Uno-Bericht 50.000 Nordkoreaner verrichten im Ausland Zwangsarbeit

Nordkoreas Diktator Kim Jong Un braucht Devisen: Deshalb hat sein Regime laut Uno-Angaben Zehntausende Bürger zur Zwangsarbeit ins Ausland geschickt. Dort erwirtschaften sie bis zu zwei Milliarden Euro jährlich.

Arbeiter in Nordkorea (Archivbild): Uno beklagt "inakzeptables System"
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Arbeiter in Nordkorea (Archivbild): Uno beklagt "inakzeptables System"


Nordkorea hat nach Angaben der Uno mehr als 50.000 Bürger zum Arbeiten ins Ausland geschickt. Pjöngjang bediene sich zunehmend dieser Methode, die Zwangsarbeit gleichkomme, um sich Devisen zu beschaffen, kritisierte der Uno-Sonderberichterstatter Marzuki Darusman bei einer Pressekonferenz in New York.

Die meisten Arbeiter würden in China und Russland eingesetzt, aber auch in Afrika, dem Nahen Osten und in Polen seien Nordkoreaner tätig. Sie arbeiten im Bergbau, auf Baustellen oder in der Textilindustrie. Ihre Verträge werden vom Regime in Pjöngjang ausgehandelt, das auch den Großteil des Lohns einstreicht. So erwirtschaftet Nordkorea bis zu zwei Milliarden Euro pro Jahr.

Die Arbeiter erhalten dagegen laut Uno umgerechnet nur rund 130 Euro pro Monat. Dafür müssen sie bis zu 20 Stunden täglich schuften und nur zwei Tage im Monat freinehmen. Viele bekommen nicht ausreichend Nahrung.

Darusman warnte, die Firmen, die Nordkoreaner beschäftigten, machten sich zu "Komplizen in einem inakzeptablen System der Zwangsarbeit".

Appell an Uno-Sicherheitsrat

Ehemalige Arbeiter berichteten, dass die Tätigkeiten gemäß dem nordkoreanischen Klassensystem verteilt würden. Jene, die in der Rangordnung ganz unten stehen, müssten die härtesten und gefährlichsten Jobs übernehmen. Die Arbeiter würden zudem permanent von anderen Nordkoreanern beaufsichtigt und kontrolliert.

Insgesamt habe es keine Verbesserung der Menschenrechtslage in Nordkorea gegeben, sagte Darusman. Pjöngjang betreibe weiter eine große Zahl an Internierungslagern; Hinrichtungen im Schnellverfahren, Folter und willkürliche Verhaftungen seien an der Tagesordnung. Die Uno-Generalversammlung soll diese Woche über den jährlichen Bericht des Sonderberichterstatters zur Menschenrechtslage in Nordkorea beraten.

Darusman erneuerte seinen Appell an den Uno-Sicherheitsrat, den Internationalen Strafgerichtshof wegen der Lage in Nordkorea anzurufen. Dies dürfte jedoch von der Vetomacht China verhindert werden.

syd/AP/AFP

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insgesamt 36 Beiträge
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Paddel2 29.10.2015
1. Fragen bleiben
Da stellt sich mir die Frage, warum nicht mehr von diesen Menschen eine Flucht gelingt? In China und Russland bringt das möglicherweise nicht viel, aber in Polen sollte das doch möglich sein. Offenbar werden die Betroffenen auch im Ausland überwacht, aber lückenlos ist dabei wohl kaum möglich.
Leto13 29.10.2015
2. hm
In Polen? Tstststs, EU schaut wohl weg, wie hier in Griechenland mit den Erdbeerpakistanern.
nhorwath 29.10.2015
3. Hab ich das jetzt richtig gerechnet?
Das wären im Schnitt 40.000,00Euro was da jeder verdient.Wenn da 30.000 der gute Kim abzweigt,da bleibt ja noch was übrig und Auslands-Besuch gratis!Das ist ja wie Grimm's Märchen...da lass ich mich doch auch verpflichten.Ist die Rechnung der UNO richtig?Und außerdem haben wir doch auch Leiharbeit ist die profitabler und vor allem luxuriöser?
buzza 29.10.2015
4. Zahlen realistisch?
Zwei Milliarden Euro Gewinn bei 50 Tausend Arbeitern ergibt einen gewinn von 40 Tausend Euro pro Arbeiter. Dazu müsste ein potentieller "Arbeitgeber" noch die 130 Euro pro Person und Monat aufbringen. Kann das stimmen?
brille000 29.10.2015
5. Ganz einfach
Zwangsarbeit gegen Devisen? Nun, Euer Kapitalismus macht's möglich. So einfach ist das.
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