Uno-Bericht Nordkorea wollte Raketenteile an Syrien schicken

Nordkorea darf keine Raketentechnik exportieren - doch laut Uno wurden bereits im Mai auf einem Schiff Graphitzylinder abgefangen, die auch für Fluggeschosse verwendet werden können. Besonders brisant ist der Empfänger der Bauteile: eine Firma in Syrien.


New York - An Bord eines chinesischen Schiffes auf dem Weg nach Syrien sind Uno-Diplomaten zufolge verdächtige Bauteile gefunden worden. Die mutmaßlich aus Nordkorea stammenden Zylinder können auch in Raketen eingesetzt werden. Dies würde eine Verletzung von Uno-Sanktionen bedeuten, sagten namentlich nicht genannte Diplomaten des Sicherheitsrats der Nachrichtenagentur Reuters.

Südkoreanische Beamte hätten die "Xin Yan Tai" im Hafen von Busan gestoppt und die Ladung von 445 Zylindern aus Graphit beschlagnahmt. Die bereits im Mai entdeckte Lieferung sei als Bleirohre-Ladung deklariert gewesen. "Es scheint, dass die Zylinder für Syriens Raketenprogramm bestimmt waren", sagte ein Diplomat.

Empfänger der Lieferung sei eine syrische Firma namens Electric Parts gewesen. Dabei könnte es sich nach bisherigem Stand um einen nordkoreanische Tochterfirma auf syrischem Boden handeln.

Südkorea habe die Uno-Expertengruppe, die die Einhaltung der Sanktionen gegen Nordkorea überwacht, aber erst am 24. Oktober über den Fund informiert. China habe angeboten, bei den Untersuchungen mitzuarbeiten. Die Vereinten Nationen gingen bereits früheren Hinweisen auf illegale Waffengeschäfte zwischen Nordkorea und Syrien nach.

Laut den Uno-Beschränkungen ist es Nordkorea untersagt, Raketen- sowie Nukleartechnik zu exportieren. Damit reagierte die internationale Gemeinschaft auf die Atomwaffentests, die Nordkorea seit 2006 durchführen ließ.

Immer wieder kommt es dennoch zu Waffenfunden. So hatte Frankreich im November 2010 ein Schiff aus dem kommunistischen Land gestoppt, das Material zur Herstellung von Artilleriemunition und Raketen nach Syrien transportieren wollte. Als Drehkreuz hatten die Häfen Dalian in China und Kelang in Malaysia gedient.

Auch bei den Importen unterliegt das Regime in Pjöngjang strengen Regeln, die aber regelmäßig ignoriert werden. So gelingt es den Machthabern offenbar, über Mittelsmänner im großen Stil Luxusgüter in das Land zu schaffen. Gleichzeitig leiden weite Teile der Bevölkerung unter Nahrungsknappheit und Hungersnot.

jok/Reuters



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