New York - Vor der Uno-Vollversammlung in New York verteidigten Vertreter der Afrikanischen Union (AU) gestern in einer Debatte ihren umstrittenen Resolutionsentwurf. Darin wird für alle neuen ständigen Mitglieder des Rates ein Vetorecht verlangt. Die Vertreter Algeriens, Ägyptens und Südafrikas, die als Kandidaten für ständige Ratssitze gelten, erklärten, Afrika müsse endlich mit allen Rechten dauerhaft im Sicherheitsrat vertreten sein. Dagegen signalisierten Repräsentanten Nigerias, Gabuns und mehrerer anderer Staaten Kompromissbereitschaft.
Die G-4-Länder Deutschland, Brasilien, Japan und Indien bemühen sich, Afrika von der Veto-Forderung abzubringen. Sie gilt als nicht mehrheitsfähig. Die G-4-Länder erhoffen sich die Unterstützung einer großen Zahl der 53 afrikanischen Länder für ihren eigenen Reformentwurf. Er sieht ebenfalls sechs neue ständige Ratssitze vor, darunter zwei für Afrika. Jedoch wollen die G4 für mindestens 15 Jahre auf das Vetorecht verzichten. Dieses Privileg besitzen seit Gründung der Uno vor 60 Jahren allein die USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich. Selbst die meisten jener Staaten, die neue ständige Sitze im Sicherheitsrat befürworten, wollen die als undemokratisch empfundene Vetomacht nicht noch weiter ausdehnen.
In einer Arbeitsgruppe sollen die Uno-Botschafter der beiden Ländergruppen nun weiter nach Wegen suchen, die Reformvorstellungen beider Seiten, miteinander vereinbar zu machen. Nach den Worten von Bundesaußenminister Joschka Fischer könnte es am 25. Juli in Genf zu einem weiteren Ministertreffen kommen.
Die 53 afrikanischen Länder sowie die G4, die nach Einschätzung von Diplomaten von mehr als 100 Staaten unterstützt werden, sind aufeinander angewiesen. Allein kann keines der beiden Lager die Zwei- Drittel-Mehrheit von mindestens 128 Stimmen erreichen. Außenminister der G4 und der AU hatten am Sonntag weitere Verhandlungen über einen Kompromiss vereinbart. Sie sollen bis Ende Juli zu einer gemeinsamen Position führen, die dann in der Uno-Vollversammlung durchsetzbar wäre.
Die Vertreter der afrikanischen Staaten betonten gestern, Akrika sei der einzige Kontinent, der über keinen ständigen Sitz im Uno-Sicherheitsrat verfüge. "Wenn es uns nicht gelingt, diese Gelegenheit zu nutzen, steht die Glaubwürdigkeit und Legitimität des Sicherheitsrates auf dem Spiel", sagte Südafrikas Uno-Vertreter, Xolisa Mabhongo.
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