Kampf gegen Islamisten Sicherheitsrat erlaubt Militäreinsatz in Mali

Der Beschluss fiel einstimmig: Der Uno-Sicherheitsrat hat einen Militäreinsatz gegen islamistische Aufständische in Mali bewilligt. Innerhalb von 45 Tagen sollen Pläne für einen Einmarsch ausgearbeitet werden. Auf die Bundeswehr könnte damit eine neue Mission zukommen.

Demonstranten fordern in Mali einen Militäreinsatz im Norden gegen Islamisten
AFP

Demonstranten fordern in Mali einen Militäreinsatz im Norden gegen Islamisten


New York - Der Weltsicherheitsrat hat eine Militäroffensive gegen die islamistischen Aufständischen im Norden Malis genehmigt. Die Resolution wurde am Freitag in New York einstimmig verabschiedet. Bevor aber wirklich ein Uno-Einsatz beginnt, müsste der Sicherheitsrat eine neue Resolution verabschieden und mit ihr grünes Licht geben. Dies wird nicht vor Ende des Jahres erwartet.

Der Sicherheitsrat appellierte an die malische Regierung in Bamako sowie an ihre verschiedenen Gegner, "glaubwürdige Verhandlungen" zu beginnen. Vorbereitungen für einen Einsatz laufen aber nun an. Dazu soll Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon in den kommenden 45 Tagen mit der Regierung in Bamako, der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas) und der Afrikanischen Union (AU) einen Plan zur Rückeroberung der besetzten Gebiete ausarbeiten. Die malische Regierung hatte selbst formell um militärische Hilfe aus dem Ausland unter Uno-Mandat gebeten.

Die Resolution nach Kapitel VII der Uno-Charta ermöglicht die Anwendung militärischer Gewalt. Zudem wird die Europäische Union um Unterstützung und Ausbildung der malischen Streitkräfte gebeten.

Damit könnte auch auf die Bundeswehr eine neue Auslandsmission zukommen. Deutschland steht nach Angaben von EU-Diplomaten einer entsprechenden Ausbildungsaufgabe der Europäischen Mission für die lokalen Sicherheitskräfte in dem Sahel-Staat offen gegenüber. Deutsche Soldaten würden indes nur unbewaffnet an der Mission teilnehmen, zuletzt war von mehreren Dutzend die Rede.

Frauen leiden unter Vergewaltigungen, Kinder müssen kämpfen

Die Resolution im Sicherheitsrat wurde von Frankreich eingebracht. Darin wird vor den islamistischen Milizen und der Terrorgruppe al-Qaida im islamischen Maghreb gewarnt und auf von ihnen begangene Menschenrechtsverletzungen hingewiesen. Zwangsprostitution und Vergewaltigungen seien im Norden Malis weitverbreitet, sagte der stellvertretende Uno-Generalsekretär für Menschenrechte, Ivan Simonovic. Frauen und Kindersoldaten würden für weniger als tausend Dollar verkauft. Erschießungen gefangener Soldaten und Vergewaltigungen seien systematisch. "Die Bevölkerung leidet", sagte Simonovic.

Der Norden Malis wurde nach einem Militärputsch im März von den Islamisten erobert. Mehr als 1,5 Millionen Menschen wurden aus ihren Heimatorten vertrieben. Eine Gruppe Soldaten hatte den langjährigen Präsidenten Amadou Toumani Touré entmachtet. Danach gelang es Tuareg-Rebellen und mit ihnen verbündeten Islamisten, innerhalb weniger Tage weite Teile des Nordens unter ihre Kontrolle zu bringen. Anschließend vertrieben die Islamisten wiederum die Tuareg-Rebellen aus den meisten großen Städten, führten das islamische Recht der Scharia ein und unterdrücken seitdem mit brutaler Gewalt die Zivilbevölkerung. Mehrere der Gruppen sollen Verbindungen zum nordafrikanischen Ableger der Terrornetzwerks al-Qaida unterhalten.

mmq/dapd/AFP



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insgesamt 37 Beiträge
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schulfi 13.10.2012
1. Nicht den Islam, ...
... sondern den Islamismus! Es tut dem Islam allerdings nicht gut, wenn die Gläubigen, die ein friedliches Zusammenleben der Religionen wollen, sich nicht deutlicher von denen distanzieren, die aus dem Islam die Rechtfertigung ableiten, weltweit Anders- und Ungläubige zu ermorden und die Regeln des Zusammenlebens auf den Stand der Zeiten des Propheten zurückführen wollen.
henkeltopf 13.10.2012
2. Richtig so!
Die "Erfolge" der kenianischen Armee im Einsatz gegen die islamistischen Al-Shabab Milizien in Somalia zeigen, dass die Turbankämpfer in Afrika lange nicht so effizient und gut ausgerüstet sind, wie die Radikalen am Hindukusch etc. Was natürlich auch an der flachen Geographie der Wüste liegt. Da Mali eines der wenigen, wirklichen Demokratien in Afrika ist, sollte hier die Nato/UN dringend eingreifen. Denn das der radikale Milizen-Islam ein furchtbares Übel für jede Gesellschaft ist, ja da muss man doch wirklich nicht drüber streiten.
itm_royal 13.10.2012
3.
Achja so schnell geht das und in Syrien werden genau dieselben Verbrechen begangen und keinen interessiert es
johannale 13.10.2012
4. Nicht zuschauen
Ich finde es gut, dass die internationale Gemeinschaft nicht tatenlos zuschaut, wenn im sonst friedlichen Mali Machtkämpfe auf dem Rücken der Bevölkerung ausgefochten werden. Ich denke, es ist unsere Aufgabe als Mensch, hier für den Frieden einzutreten und die gewählte Regierung zu unterstützen. Ich hoffe, die UNO handelt schnell und weise.
Bambusratte 13.10.2012
5. Es ist nicht wirklich verwunderlich
in Mali gibt es richtig viele Rohstoffe, Gold, Phosphate, Kaolin, Salz, Kalkstein, Uran, Gips, Granit, Bauxit, Eisenerz, Mangan, Zinn und Kupferablagerungen sind bekannt. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die Demonstrationen nur islamistisch geprägt sind. In Mali leben immerhin 36,1% der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Das macht anfällig für jegliche Agitation. Offenbar ist es so einigen Konzerne jetzt mulmig geworden und unsere Jungs sollen die Köpfe dafür hinhalten. Ich finde das einfach nur noch zum Kotzen und menschenverachtend, dass wir unsere jungen Männer dorthin schicken wollen, damit sie abgeschlachtet werden.
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