Uno-Sicherheitsrat Powell bedauert Irak-Rede

Der frühere US-Außenminister Colin Powell distanziert sich von seiner Rede vor dem Uno-Sicherheitsrat, mit der er im Februar 2003 den geplanten Irak-Krieg gerechtfertigt hatte. Die Rede sei ein "Schandfleck" in seiner politischen Karriere, sagte er in einem Interview.


Powell am 5. Februar 2003 vor dem Uno-Sicherheitsrat mit "Beweis": Schandfleck seiner Karriere
AP

Powell am 5. Februar 2003 vor dem Uno-Sicherheitsrat mit "Beweis": Schandfleck seiner Karriere

Washington - Es fühle sich "furchtbar", dass er damals angebliche Beweise für Massenvernichtungswaffen vorlegte habe, die sich als falsch erwiesen haben, sagte Powell dem Sender ABC News in einem Interview, das heute ausgestrahlt werden soll. Powell hatte unter anderem Satelliten-Fotos von angeblichen Lastwagen mit mobilen Biowaffen-Labors vorgeführt.

Den damaligen CIA-Chef George Tenet nahm Powell in Schutz. Tenet habe an die Belege geglaubt. Das Geheimdienstsystem habe jedoch nicht gut funktioniert. "Es gab Leute beim Geheimdienst, die zu der Zeit wussten, dass einige der Quellen nicht verlässlich waren, und sie haben nichts gesagt. Das hat mich vernichtet", sagte der Ex-Minister.

Ihm seien "keine Belege" für einen Zusammenhang zwischen dem Irak unter dem damaligen Präsidenten Saddam Hussein und den Terroranschlägen bekannt geworden, die am 11. September 2001 in den USA verübt wurden, sagte Powell. Ungeachtet dessen sei er "froh", dass Saddam Hussein nicht mehr im Amt sei.

Über die Entwicklungen nach Saddams Sturz äußerte Powell sich skeptisch. Die USA hätten die Verpflichtung, den Irak als Gesamtstaat zu erhalten. Dafür müssten die Sunniten in den politischen Neuaufbau einbezogen werden. Es dürfe nicht passieren, dass sich "ein Mini-Staat im Norden, ein größerer Mini-Staat im Süden und eine Art Nichts in der Mitte" herausbilde. Zudem kritisierte Powell in dem ABC-Interview die Vorbereitung auf den Hurrikan "Katrina".

Bereits im März räumte Powell in einem Interview mit dem "Stern" Fehler bei der diplomatischen Vorbereitung des Irak-Krieges ein. "Wir waren dabei wohl manchmal zu laut, zu direkt, zu polternd vielleicht", sagte er. Namentlich kritisierte er Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, der Kriegsgegner wie Frankreich und Deutschland als "altes Europa" abqualifiziert hatte. "So etwas hat nicht gerade vertrauensbildend gewirkt", sagte der Ex-Minister.

Beeindruckende Karriere

Powell wurde am 5. April 1937 als Sohn jamaikanischer Einwanderer in New York geboren. Als Soldat ging er in den sechziger Jahren für zwei Einsätze nach Vietnam und erhielt mehrere Auszeichnungen. 1977 wurde er militärischer Berater beim Verteidigungsminister. 1983 plante Powell die Invasion Grenadas mit, 1986 den Luftangriff auf Libyen und 1989 den US-Einsatz in Panama. 1986 wurde er Drei-Sterne-General und Kommandeur des Fünften US-Armee-Korps in Deutschland, im Januar 1987 Stellvertreter von Sicherheitsberater Frank Carlucci im Nationalen Sicherheitsrat. Ende dieses Jahres stieg er zum Sicherheitsberater unter Präsident Ronald Reagan auf.

1989 wurde Powell Vier-Sterne-General und kommandierte alle Landstreitkräfte in den USA. Im selben Jahr stieg er zum Vorsitzenden der Vereinigten Stabchefs auf und wurde damit der höchste Militär im Verteidigungsministerium unter Präsident George Bush senior. Vor dem ersten Golfkrieg plädierte er zunächst für eine Sanktionsstrategie und gegen einen Angriff. Nach der Vertreibung der Iraker aus Kuwait sprach er sich gegen einen Marsch auf Bagdad aus, unter anderem wegen des fehlenden Uno-Mandats. Bush senior folgte damals seiner Empfehlung.

In seiner Zeit im Verteidigungsministerium entwickelte er die so genannte "Powell-Doktrin". Danach sollten die USA einen Militäreinsatz stets mit überwältigenden Mitteln führen, um den Gegner rasch niederzuwerfen. Zudem sollten die Vereinigten Staaten nur dann Kriege führen, wenn "vitale nationale Interessen" betroffen sind, friedliche Mittel ausscheiden, die Öffentlichkeit hinter dem Einsatz steht, die Ziele klar definiert sind und es eine "exit strategy" gibt - ein Konzept, wann und wie der Konflikt zu beendet werden kann. 1995 bot ihm Bill Clinton den Außenministerposten an, doch Powell lehnte ab.

Im März 1996 trat er der Republikanischen Partei bei. 2001 wurde Powell mit 65 Jahren erster schwarzer Außenminister der USA. Anders als Rumsfeld hielt Powell zunächst wenig von einem neuen Krieg im Irak. Doch er verhielt sich Präsident Bush gegenüber loyal. 2004 reichte er nach der Wiederwahl von George W. Bush junior seinen Rücktritt ein - und zog sich weitgehend ins Privatleben zurück.

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