Neue Vorwürfe Uno-Soldaten sollen weitere Minderjährige missbraucht haben

In der Zentralafrikanischen Republik sollen Uno-Soldaten erneut Minderjährige missbraucht haben. Die Truppen in dem Land stehen seit Langem in der Kritik, Uno-Offizielle reagieren empört.

Uno-Blauhelme in Bangui: Neue Vorwürfe gegen die Schutztruppe
AFP

Uno-Blauhelme in Bangui: Neue Vorwürfe gegen die Schutztruppe


Der Skandal um sexuellen Missbrauch durch Uno-Soldaten in der Zentralafrikanischen Republik reißt nicht ab. Vier minderjährige Mädchen aus der Hauptstadt Bangui sollen von Blauhelmsoldaten missbraucht worden sein, sagte Uno-Sprecher Stéphane Dujarric. Die Opfer würden medizinisch und psychisch betreut. Die Länder, deren Truppen der Missbrauch vorgeworfen wird, und die Anzahl der Beschuldigten nannte Dujarric nicht.

Im Dezember hatte ein unabhängiger Expertenbericht kritisiert, die Uno habe auf ähnliche Vorwürfe zwischen Dezember 2013 und Juni 2014 gegen die Friedenstruppen völlig falsch reagiert. Soldaten sollen damals hungernde Kinder in Flüchtlingscamps zum Sex gezwungen haben - im Tausch gegen Nahrungsmittel, Trinkwasser und Geld. Angeblich hatten Entwicklungshelfer die Uno mehrfach darüber informiert, doch die Organisation blieb rund ein Jahr untätig. Im Juli war die stellvertretende Uno-Hochkommissarin für Menschenrechte, Flavia Pansieri, wegen des Skandals zurückgetreten.

In dem Expertenbericht hieß es, es liege "institutionelles Versagen" vor. Die Autoren werfen darin drei hochrangigen Uno-Offiziellen vor, sie hätten ihr Amt missbraucht, als sie sexuelle Übergriffe durch Soldaten Frankreichs, Äquatorialguineas und des Tschad nicht sanktionierten.

Der Chef der Uno-Friedensmission in Zentralafrika (Minusca), Parfait Onanga-Anyanga, sagte, in den Reihen der Friedenstruppen hätte niemand Platz, der das Vertrauen derjenigen missbrauche, "denen wir hier helfen sollen". Uruguays Vertreter bei der Uno, Elbio Rosselli, sagte, sein Land erwarte "null Toleranz" bei sexuellem Missbrauch. Uruguay hat im Januar den Vorsitz im Uno-Sicherheitsrat.

Die Zentralafrikanische Republik zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Nach dem Sturz des langjährigen Machthabers François Bozizé im März 2013 kamen bei religiösen Konflikten zwischen christlichen und muslimischen Milizen Tausende ums Leben. Frankreich entsandte daraufhin Soldaten, um das Morden zu beenden. 2014 löste die Minusca-Mission die französische Schutztruppe ab. Nach Uno-Angaben sind rund 470.000 Menschen zur Flucht in die Nachbarländer Kamerun, Tschad und Kongo gezwungen.

cht/dpa/Reuters



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