Uno-Studie Zahl der Hungeropfer sinkt - ein bisschen

Kommende Woche will die Uno prüfen, was aus ihren ambitionierten Millenniumszielen geworden ist. Schon heute ist klar: Die Zahl der Hungernden bis 2015 zu halbieren, wird nicht funktionieren, trotz geringer Fortschritte im vergangenen Jahr.

Flüchtlinge in Kenia: Weltweit gilt fast eine Milliarde Menschen als unterernährt
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Flüchtlinge in Kenia: Weltweit gilt fast eine Milliarde Menschen als unterernährt

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Hamburg - Es waren ehrenvolle Ziele, die sich die Staatschefs der Welt vor zehn Jahren gesetzt hatten: Dem Hunger und der Armut sagten sie damals den Kampf an. Bis 2015, so das Vorhaben, sollte die Zahl der hungernden Menschen weltweit um die Hälfte sinken. Von 20 Prozent in den Entwicklungsländern zu Beginn der neunziger Jahre auf dann zehn Prozent.

Zehn Jahre nach der "Millenniumskonferenz" zieht die Uno nächste Woche eine Zwischenbilanz, nachdem nun zwei Drittel der Zeit abgelaufen sind. Und es sieht nicht gut aus.

Die Welternährungsorganisation FAO legte bereits am Dienstag in Rom erste Zahlen vor. Demnach gelten weiterhin rund eine Milliarde Menschen weltweit als Hungernde. Die genaue Zahl schätzt die FAO für das Jahr 2010 auf 925 Millionen Menschen. Das wäre zwar das erste Mal seit 15 Jahren, dass die Zahl sinkt und nicht mehr steigt. 2009 waren es noch 1,023 Milliarden. Aber Entwarnung gibt die Organisation dennoch nicht. Denn die Zahlen sind immer noch höher als 2008 - als die Nahrungsmittelpreise weltweit explodierten.

Als Ursache für den aktuell leichten Rückgang sieht die FAO das gegenüber dem Vorjahr insgesamt günstigere wirtschaftliche Umfeld. Der Internationale Währungsfonds schätzt, dass die weltweite Wirtschaftsleistung um 4,2 Prozent steigt - schneller als erwartet. Zudem konnten in der Landwirtschaft zwei Jahre in Folge Rekorderträge eingefahren werden. Und davon profitieren vor allem Schwellen- und Entwicklungsländer. Allerdings sehen die Experten den Hunger bereits mit verstärkter Kraft zurückkehren, denn die Preise für Lebensmittel steigen schon wieder dramatisch an.

Das Ziel, das die Regierungschefs 2000 unter dem damaligen Uno-Generalsekretär Kofi Annan verabschiedet hatten, rückt damit in weite Ferne.

Zwei Drittel der Hungernden leben in sieben Ländern

Die meisten der weltweit Hungernden leben in Entwicklungsländern, wo sie rund 16 Prozent der Bevölkerung ausmachen - und das ist weit entfernt von den vereinbarten zehn Prozent.

Die Hilfsorganisation Oxfam will die Hoffnung, die Ziele doch noch zu erreichen, bisher nicht aufgeben. "Um den Hunger bis 2015 zu halbieren, müssen jetzt konsequent seine Ursachen bekämpft werden", erklärt Agrarexpertin Marita Wiggerthale. Dazu zählten unter anderem neben mangelnden Investitionen in Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, unfaire Handelsregeln, Klimawandel, Boden- und Nahrungsmittelspekulation.

Laut FAO zeigen die jüngsten Schwankungen der Zahlen vor allem, dass besonders arme Länder nicht genügend Widerstandskraft in Krisenzeiten besitzen. Und die am schwersten betroffenen Familien werden erfahrungsgemäß unter den Folgen der Krise noch lange leiden, denn ihnen bleibt in schweren Zeiten nichts anderes übrig, als ihr weniges Eigentum zu verkaufen - ihre Tiere etwa. Und so bleiben sie häufig in noch bitterer Armut zurück.

Von den fast einer Milliarde unterernährten Menschen leben 98 Prozent in Entwicklungsländern. 66 Prozent in nur sieben Ländern: Bangladesch, China, Demokratische Republik Kongo, Äthiopien, Indien, Indonesien und Pakistan.

Die Hilfsorganisation ActionAid hat am Dienstag eine Studie vorgestellt, wonach der Hunger und seine Folgen die Volkswirtschaften armer Länder mit Hunderten Millionen Dollar belasten. Die Nichtregierungsorganisation warnte, die Folgekosten für die Entwicklungsländer beliefen sich auf umgerechnet rund 350 Millionen Euro. Zu den Folgen zählt ActionAid unter anderem die verringerte Arbeitskraft geschwächter Arbeiter, Gesundheitsprobleme und Kinder, die wegen Hunger den Schulen fernblieben.

ActionAid-Chefin Joanna Kerr sagte, der Kampf gegen den Hunger sei am Ende zehnmal billiger, als die Kosten, die er verursache.

mit Material von AFP



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shakowsky 14.10.2009
1.
Na da freu ich mich ja jetzt schon auf die aus den Klima Threads sattsam bekannte "selber schuld", "wer arbeitet, hat auch keinen hunger" und "was hat denn hunger in bangla desh mit mir in Wanne-Eickel zu tun" Fraktion. Hiermit reklamiere ich sämtliche "Gutmensch" Keulen für mich. Für alle anderen, die behaupten, das Leben hätte selten einfache Lösungen für komplexe Probleme, denkt Euch bitte neue Schmähungen aus, "Gutmensch" ist besetzt. Zur Frage: TEILEN, TEILEN, TEILEN. Heisst fair handeln und sich evtl. mal nicht 7 Tage in der Woche mit Fleisch vollzustopfen, bis man nicht mehr kann.
kerstin andrea 14.10.2009
2.
Zitat von sysopUno und Welthungerhilfe schlagen Alarm: Die Wirtschaftskrise hat nach Angaben der Ernährungsorganisation FAO verheerende Auswirkungen für die Armen in der Welt. Heute leidet mehr als eine Milliarde Menschen an Unterernährung. Wie kann der Hunger in der Welt bekämpft werden?
Ich kann den Bericht in GEO Oktober 09 empfehlen. Wir sollten uns ernsthaft mit diesem Thema beschäftigen.Welche Landwirtschaft ist die bessere?
LouisWu 14.10.2009
3.
Zitat von shakowskyNa da freu ich mich ja jetzt schon auf die aus den Klima Threads sattsam bekannte "selber schuld", "wer arbeitet, hat auch keinen hunger" und "was hat denn hunger in bangla desh mit mir in Wanne-Eickel zu tun" Fraktion. Hiermit reklamiere ich sämtliche "Gutmensch" Keulen für mich. Für alle anderen, die behaupten, das Leben hätte selten einfache Lösungen für komplexe Probleme, denkt Euch bitte neue Schmähungen aus, "Gutmensch" ist besetzt. Zur Frage: TEILEN, TEILEN, TEILEN. Heisst fair handeln und sich evtl. mal nicht 7 Tage in der Woche mit Fleisch vollzustopfen, bis man nicht mehr kann.
Na, das ist wenigstens mal ein klares Bekenntnis. Jetzt brauche ich aber noch eine Einstufung für mich. Was ist eigentlich das Antonym zu "Gutmensch"? Vielleicht könnte man es "menschenverachtender Egoist" (Vorschlag für ein Akronym: MVE) nennen. OK, ich mache den Job. Irgendeiner muß es ja machen. Tatsächlich erinnere ich mich an Berichte über Hungerkatastrophen in der Welt, seit ich auf derselben bin (50+). Und immer waren es Länder der Sahel-Zone, oder Bangla Desh, oder Burkina Faso, oder Indien. Der ungeheuerliche Gedanke, dass es dort vielleicht mehr Menschen gibt, als das Land (aus welchen Gründen auch immer)- und nicht: "die Welt"! - ernähren kann, scheint tabu zu sein. Wie ein geschätzter Mitforist irgendwo mal schrieb, ist "EIGENVERANTWORTUNG" nicht mehr so sehr "En Vogue". Es gefällt mehr, die Schuldigen irgendwo anders zu suchen, idealerweise bei uns, auf keinen Fall bei der Natur, denn die ist per Definition ein denkbar schlechter Sündenbock. Sie dürfen gerne ihre überzähligen Butterbrote in die Hungergebiete schicken, das hat per se meinen Respekt. Nur bringt es die exponentielle Art der Fortpflanzung mit sich, dass Sie kurze Zeit später die Doppelte, dann die Vierfache, und dann die Achtfache Menge an Butterbroten schicken müssen.
shakowsky 14.10.2009
4.
Zitat von LouisWuNa, das ist wenigstens mal ein klares Bekenntnis. Jetzt brauche ich aber noch eine Einstufung für mich. Was ist eigentlich das Antonym zu "Gutmensch"? Vielleicht könnte man es "menschenverachtender Egoist" (Vorschlag für ein Akronym: MVE) nennen. OK, ich mache den Job. Irgendeiner muß es ja machen. Tatsächlich erinnere ich mich an Berichte über Hungerkatastrophen in der Welt, seit ich auf derselben bin (50+). Und immer waren es Länder der Sahel-Zone, oder Bangla Desh, oder Burkina Faso, oder Indien. Der ungeheuerliche Gedanke, dass es dort vielleicht mehr Menschen gibt, als das Land (aus welchen Gründen auch immer)- und nicht: "die Welt"! - ernähren kann, scheint tabu zu sein. Wie ein geschätzter Mitforist irgendwo mal schrieb, ist "EIGENVERANTWORTUNG" nicht mehr so sehr "En Vogue". Es gefällt mehr, die Schuldigen irgendwo anders zu suchen, idealerweise bei uns, auf keinen Fall bei der Natur, denn die ist per Definition ein denkbar schlechter Sündenbock. Sie dürfen gerne ihre überzähligen Butterbrote in die Hungergebiete schicken, das hat per se meinen Respekt. Nur bringt es die exponentielle Art der Fortpflanzung mit sich, dass Sie kurze Zeit später die Doppelte, dann die Vierfache, und dann die Achtfache Menge an Butterbroten schicken müssen.
sag ich doch, einfache lösung für ein komplexes problem. man kürzt die weltpolitischen zusammenhänge auf "butterbrote nach indien schicken". daß da die BILD noch nicht drauf gekommen ist... zu ihrer "tabu" these...gilt die auch für die USA??? http://www.medicalnewstoday.com/articles/32800.php ist ein alter hut, wenn man mehr tut als schlagzeilen lesen, und bestätigt m.E. die erkenntnis, daß es DAS SYSTEM ist, nichts anderes. nein, ich bin kein kommunist. solange afrikanische bauern ihr eigenes brot aus der EU kaufen und ihr eigenes getreide im eigenen land nicht verkaufen können, beides, weil unsere exportpreise durch subventionen pervers gedrückt werden, und ein deutscher hühnerschenkel in nigeria billiger ist als der vom nachbarhof solange schicke ich auch keine "butterbrote nach afrika" (die liste solcher beispiele lässt sich beliebig erweitern, aber das wissen sie sicher) es muss herrlich sein, wenn die welt so einfach ist.
shakowsky 14.10.2009
5.
schade auch: daß man sich in diesem thread jetzt schon darauf einstellen kann, daß die fraktion, die andersdenkende immer abschliessend mit diesem "gutmensch" attribut belegt, offenbar davon ausgeht, daß man entweder a) enthemmt und unreflektiert konsumiert oder b) butterbrote nach indien schickt. dazwischen gibts nix, weil ja die welt so wunderbar einfach ist. ich halte nichts von entwicklungshilfe, nur um das gleich mal zu klären - ich halte viel von gleichen marktchancen für alle, von faieren preisen für harte arbeit, von nicht entfesselten "freier markt mechanismen". wohin die sogar uns allwissende alles könnende erste welt bringen können, hat man ja gerade erst gesehen.
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