Uno-Tribunal in Den Haag Richter wirft Mladic aus dem Gerichtssaal

Ex-Serben-General Mladic hat vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag für einen Eklat gesorgt. Bei der Anklageverlesung rief der Angeklagte: "Nein, nein, ich höre nicht zu!" Der Vorsitzende Richter Orie verwies ihn des Saals.

Mladic vor Uno-Tribunal: Störversuche im Gerichtssaal
AFP

Mladic vor Uno-Tribunal: Störversuche im Gerichtssaal


Den Haag - Der serbische Ex-General Ratko Mladic hat bei der zweiten Anhörung vor dem Uno-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag für Unruhe im Gerichtssaal gesorgt: Er unterbrach den Vorsitzenden Richter Alfons Orie mehrmals bei dessen Ausführungen, versuchte, mit den Zuschauern zu reden und erklärte, ihm stehe das Recht zu, seine Verteidiger selbst zu bestimmen. Zuvor hatte Mladic mit dem Zwischenruf "Nein, nein, ich höre nicht zu!" gestört, als die Punkte der Anklage vorgetragen wurden.

Richter Orie forderte den Angeklagten mehrmals zum Schweigen auf, bevor er ihn schließlich aus dem Gerichtssaal bringen ließ. "Sie wollen meine Verteidigung bestimmen, was für ein Gericht sind Sie?", rief Mladic, bevor er von Justizbeamten hinausbegleitet wurde. Nach einer kurzen Unterbrechung nahm Orie die Anhörung wieder auf und plädierte im Namen Mladics auf nicht schuldig, wie es dem normalen Verfahren entspricht, wenn ein Angeklagter sich zu den erhobenen Vorwürfen nicht äußert.

Zum Auftakt der Sitzung hatte Mladic eine Verschiebung des Termins verlangt sowie die Erlaubnis, den Gerichtssaal zu verlassen. Beide Anträge wurden abgewiesen. Der 69-Jährige sollte am Montag erklären, ob er sich schuldig oder nicht schuldig bekennt. Ihm werden in elf Punkten Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnien-Kriegs von 1992 bis 1995 vorgeworfen.

Mladics Anwalt hatte ursprünglich angekündigt, dass Mladic die zweite Anhörung boykottieren wolle, weil das Tribunal noch nicht über seine Verteidiger entschieden habe. Er wolle damit dagegen protestieren, dass das von ihm gewünschte Verteidigerteam bislang nicht vom Gericht bestätigt wurde. Das Tribunal hatte dafür organisatorische Gründe angegeben. Mladic habe seine Wunsch-Anwälte erst kurz zuvor namentlich benannt. Die Prüfung, ob sie zugelassen werden könnten, laufe noch.

Bei einer ersten Anhörung Anfang Juni hatte Mladic eine Antwort verweigert und die Vorwürfe gegen ihn als "abscheulich" zurückgewiesen. Mladic war Ende Mai nach 16 Jahren auf der Flucht in Serbien gefasst und wenige Tage später nach Den Haag überstellt worden.

anr/dpa/dapd

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Auxbürger, 04.07.2011
1. blabla?
Man sagt nicht: "Richter schmeißt...". Es muß heißen "Richter wirft...". Das ist sonst umgangssprachlich. Für mich ist Mladic schuldig im Sinner der Anklage, aber laßt ih doch seine Verteidiger selbst wählen! Warum müssen die erst geprüft werden?
Airkraft 04.07.2011
2. Muss er ja auch nicht!
Ist doch völlig ausreichend wenn er den Rest seiner Tage in Den Haag verbringt! Eine Verurteilung ist dafür nicht zwingend notwendig. Reicht völlig auch aus wenn sich sein Prozess lange genug hinzieht!
syramon 04.07.2011
3. ....
Zitat von AuxbürgerMan sagt nicht: "Richter schmeißt...". Es muß heißen "Richter wirft...". Das ist sonst umgangssprachlich. Für mich ist Mladic schuldig im Sinner der Anklage, aber laßt ih doch seine Verteidiger selbst wählen! Warum müssen die erst geprüft werden?
Hoppla, waren sie dabei, haben sie Beweise? Das Gericht würde sicher gern von ihnen hören. Stellen sie sich doch als Zeuge vor. Aufwandsent- schädigung bekommen sie sicher auch gestellt. Keine Ahnung, weiss ich auch nicht. Wegen der Zulassung als Anwalt vielleicht?
jupiter999 04.07.2011
4. Ist doch ...
... noch alles im Rahmen. Da gabs mal einen Zeugen der Verteidigung im Prozess gegen Milosevic der vor den Richtern verkündete (auch in schriftlicher Fassung) das ihm der ganze Haager Gerichtshof mal schön seinen langen *sie wissen schon was* lutschen solle. Seitdem dürfte das Gericht dort nichts mehr erschrecken.
Werner_Missal 04.07.2011
5. Witzveranstaltung
Zitat von sysopEx-Serben-General Mladic hat vor dem Kriegsverbrecher-Tribunal in Den Haag für einen Eklat gesorgt. Bei der Anklageverlesung rief der Angeklagte: "Nein, nein, ich höre nicht zu!" Der Vorsitzende Richter Orie verwies ihn des Saals. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,772140,00.html
Eine Witzveranstaltung, die es völlig zu Recht zu boykottieren gilt. Während andere "zivilisierte" auf dieser Welt machen können was sie wollen, müssen einige sich ihr Rechtsempfinden mit solchen Schauprozessen schönreden. Eine Gesellschaft, die erst solche Typen hervorgebracht hat und dann später pikiert hüstelt, muß schon ziemlich einen an der Pfanne haben.
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