Atomgespräche Uno verhüllt nackten Mann vor iranischer Delegation

Vor den Verhandlungen über das iranische Atomprogramm haben die Gastgeber der Uno in Genf Vorkehrungen getroffen: Das Marmorrelief eines nackten Mannes wurde verhüllt - offenbar aus Rücksicht auf die iranische Delegation.

Uno-Quartier in Genf: Vorhang vor Kunstwerk mit Nacktem
AFP

Uno-Quartier in Genf: Vorhang vor Kunstwerk mit Nacktem


Genf - Vor der neuen Verhandlungsrunde über Irans Atomprogramm ist ein pikantes Detail vor der Delegation aus Teheran versteckt worden: Das Marmorrelief eines nackten Mannes mit gut sichtbarem Penis vor dem Eingang des Verhandlungssaals im Uno-Gebäude in Genf wurde hinter einem weißen Vorhang verborgen, wie die Zeitung "Tribune de Genève" am Montag berichtete.

Die Zeitung mutmaßte, der Gastgeber nehme damit Rücksicht auf die Gesandten des islamischen Staates, in dem das Zeigen von nackter Haut auch bei Männern nicht toleriert wird. Diplomatische Gepflogenheiten also.

Die Schweizer Regierung als Ausrichter der Gespräche sagte auf Nachfrage lediglich, es sei ein "neutraler" Hintergrund geschaffen worden. Am Dienstag startet im Ratssaal im Palast der Nationen in Genf die lang erwartete nächste Verhandlungsrunde im sogenannten 5+1-Format: Vertreter der fünf ständigen Uno-Sicherheitsratsmitglieder und Deutschlands setzten sich mit der iranischen Delegation an den Verhandlungstisch, um auf eine Lösung im Atomkonflikt hinzuarbeiten.

Die britische Regierung schenkte das Relief "Die Erschaffung des Menschen" 1938 dem Völkerbund, der Vorgängerorganisation der Vereinten Nationen. Das überlebensgroße Kunstwerk des Bildhauers Eric Gill ist angelehnt an Michelangelos "Die Erschaffung Adams".

Die Gespräche in Genf sind ein neuer Anlauf, bei der Lösung des jahrelangen Atomstreits voranzukommen. Die letzte Verhandlungsrunde brachte Anfang April keinen Durchbruch. Iran konnte den Verdacht des Westens nicht ausräumen, unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms Kernwaffen zu entwickeln.

Amerikanische Senatoren aus beiden Parteien stellten den Iranern am Montag in Aussicht, die Sanktionen der USA auszusetzen, sollte es zu Fortschritten in Genf kommen. Das schrieben sie in einem Brief an Präsident Barack Obama.

fab/AFP

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AntiGravEinheit 14.10.2013
1.
Zitat von sysopAFPVor den Verhandlungen über das iranische Atomprogramm haben die Gastgeber der Uno in Genf Vorkehrungen getroffen: Das Marmorrelief eines nackten Mannes wurde verhüllt - offenbar aus Rücksicht auf die iranische Delegation. http://www.spiegel.de/politik/ausland/uno-verhuellt-in-genf-nackten-mann-vor-iranischer-atom-delegation-a-927795.html
So ein Schwachfug. Wenn die Iraner das nächste Mal nach Genf kommen, müssen dann die Frauen zu Hause bleiben? Schaltet den Iranern beim nächsten Besuch auch TV, Internet und alles, was sonst noch in die große weite Welt führt, ab, sie könnten andernfalls auf Bilder stoßen, die ihnen nicht genehm sind. Andererseits: Dann fühlen sie sich vermutlich auch wie zu Hause ... paßt ja.
iffel1 14.10.2013
2. Was für ein Schwachsinn !
Kommt man als Gast in ein fremdes Land, muss man sich diesem Land anpassen, nicht umgekehrt ! Niemand wird gezwungen, Gast zu sein, wenn dieser nicht will, er muss ja nicht kommen.
susiwolf 14.10.2013
3. Das Gastland ...
Besucher eines Gastlandes haben sich den Gepflogenheiten eben dieses Landes als Gast anzupassen ... Nicht umgekehrt ! Ich gehe z.B. auch nicht in einen Tempel im Fernen Osten ->barfuss oder ->mit kurzen Hosen. Genauso 'nichttransparent' wie das Atom-Programm der Machthaber im Iran darf aber das beschriebene 'Relief' nicht sein. Wir sind in Genf - nicht im Iran. Vielleicht sollte man besser den Besuchern kurzzeitig vorschlagen oder
susiwolf 14.10.2013
4. Augenbinden ... ?
Zitat von susiwolfBesucher eines Gastlandes haben sich den Gepflogenheiten eben dieses Landes als Gast anzupassen ... Nicht umgekehrt ! Ich gehe z.B. auch nicht in einen Tempel im Fernen Osten ->barfuss oder ->mit kurzen Hosen. Genauso 'nichttransparent' wie das Atom-Programm der Machthaber im Iran darf aber das beschriebene 'Relief' nicht sein. Wir sind in Genf - nicht im Iran. Vielleicht sollte man besser den Besuchern kurzzeitig vorschlagen oder
[QUOTE=susiwolf;13985044]Besucher eines Gastlandes haben sich den Gepflogenheiten eben dieses Landes als Gast anzupassen ... Nicht umgekehrt ! Ich gehe z.B. auch nicht in einen Tempel im Fernen Osten ->barfuss oder ->mit kurzen Hosen. Genauso 'nichttransparent' wie das Atom-Programm der Machthaber im Iran darf aber das beschriebene 'Relief' nicht sein. Wir sind in Genf - nicht im Iran. Vielleicht sollte man besser den Besuchern kurzzeitig vorschlagen ... (techn. Pause) ... Augenbinden zu tragen. Oder ist d-a-s in diplomatischen Kreisen noch nie vorgekommen ? A-n-p-a-s-s-u-n-g ist das Zauberwort (Im Gastland)
panameño 14.10.2013
5. Eine höfliche Geste
Es gab mal Zeiten, da galt so etwas einfach nur als kultiviert.
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